Herbert Hinteregger: Paarlauf von Anarchischem und streng Rationalem

Herbert Hinteregger verwandelt in einem vierteiligen Ausstellungsprojekt die Kitzbüheler Zeitkunstgalerie in einen Wald samt See.

Von Herbert Hinteregger „gezeichneter“ Waldboden vor gemaltem „Schwarzsee“ und mit leeren Kugelschreiberhüllen bestückter Wand.
© Alfred Hinteregger

Von Edith Schlocker

Kitzbühel – Rund acht Kubikmeter Rindenmulch hat Herbert Hinteregger auf den Boden der Zeitkunstgalerie gekippt, um daraus eine überdimensionale „Zeichnung“ zu machen. Die in zahlreiche Teile segmentiert durch die galeristischen Räume mäandert, klar „gerahmt“ durch helle Holzlatten. Um sozusagen als zähmendes Element Ordnung in das „gezeichnete“ Chaos zu bringen. Das naturgegeben Anarchische mit dem streng Rationalen zu paaren, ist typisch für die Denk- und Arbeitsweise des 50-jährigen gebürtigen Kirchbergers, eines Schülers von Walter Obholzer und Erwin Damisch an der Wiener Akademie.

Vor drei Jahren hat Herbert Hinteregger bereits in der Taxisgalerie vorgeführt, dass das fast ausschließliche Malen mit Kugelschreibertinte viel mehr als nur ein Gag ist. Sondern seine Möglichkeit, sich durch selbst auferlegte Beschränkung der eingesetzten Medien auf die grundsätzlichen Fragen der Malerei zu konzentrieren.

Eine sich über viele Jahre entwickelnde kontinuierliche Recherche, die sich in der Zeitkunstgalerie zu dem vierteiligen Ausstellungsprojekt „Waldboden. Forest Floor“ ausgewachsen hat. Jeder der Teile wurde bzw. wird von einem anderen Kurator gestaltet. Die beiden ersten von Günther Moschig bzw. Axel Jablonski, Teil vier (ab 27. März) wird von Verena Gamper kuratiert werden, während die aktuelle Ausstellung durch die gestalterische Handschrift von Jürgen Tabo – nach seinem Abschied von der Taxisgalerie Kurator am Museum der Moderne in Salzburg – geprägt ist.

Er hat Hintereggers Bilder aus den Ecken geholt und allein oder zu Paaren bzw. Triptychen gekoppelt in die Mitte der galeristischen Wände gerückt. Wobei nun jene Teile des Bodens, auf denen in Teil zwei die raffiniert zerschlagene „Zeichnung“ ausgebreitet war, nun frei bleiben, übersiedelt auf die ehemals freien Zonen. Wodurch das an sich Gleiche nun atmosphärisch komplett anders daherkommt.

Dieses subversive Spiel mit Ambivalenzen, mit Stimmungen und Haptiken mag Hinteregger auch als Maler sehr. Da gibt es ganz kleine und sehr große Formate, monochrom um nur eine Farbe kreisende oder visuell irritierend horizontal gestreifte. Tiefe Farbräume eröffnend, die durchaus assoziativ sein können, obwohl die Bilder prinzipiell ohne alles Abbildhafte auskommen. Etwa ein dunkel schimmerndes Quadrat, bei dem der Künstler die ganz spezielle Schwärze des heimatlichen Schwarzsees einzufangen versucht hat. Andere Bilder bestehen dagegen aus Abdrücken in Farbe getauchter Schwämme, bevor diese zur objekthaften Collage werden.

Basis der meisten der Bilder Hintereggers ist noch immer die Tinte von BIC-Kugelschreibern. Rund 15.000 verbraucht er pro Jahr, seit zwei Jahren zur Freude des Künstlers von der Herstellerfirma gesponsert. Aber auch die leeren Hüllen werden zu Teilen der Installation, besonders im zweiten Galerieraum, dessen Wände ohne klare Ordnung mit 13–14.000 Stück dieser Hüllen beklebt sind. Während im Zentrum ein riesiger neongelber Tapezierertisch steht, belegt mit Blättern eines alten Tirol-Buchs, die Hinteregger linear markant überzeichnet hat.


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