HCI-Coach Rob Pallin: „Ich will wieder zurückkommen“

Seit vier Spielzeiten bekleidet Rob Pallin den Cheftrainerposten bei den Innsbrucker Haien. Nach dem vorzeitigen Saisonende hält der 53-jährige Amerikaner eine Option für eine fünfte Saison in seinen Händen.

Brennt für die Haie – nicht nur die Schiedsrichter in der Erste Bank Eishockey Liga wissen, wie heiß Rob Pallin auf der Trainerbank laufen kann.
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Innsbruck – Wenn morgen in der Erste Bank Eishockey Liga die Play-off-Viertelfinale starten, bleibt den Haien nur die Zuseherrolle. Der Puck wird in Innsbruck schon in die Zukunft gespielt, Rob Pallin soll in den Planungen im Haifischbecken weiter die zentrale Rolle spielen. Die TT hakte beim Langzeitcoach nach:

Nach der Saison stehen Ihre Feedback-Gespräche mit den Cracks an. Was wird da besprochen?

Rob Pallin: Ich gebe den Spielern meine Rückmeldung und mag es auch, ein Feedback von ihrer Seite zu erhalten. Wir reden über die Saison, was sie gut gemacht haben und wo sie sich verbessern können. Ich hole mir auch ihre Meinung über den Trainerstab und das Management ein. Ich will ja auch wissen, wie ich mich und wir uns verbessern können. Und ich will, dass sie ehrlich sind. Ich habe das schon in meiner ganzen Trainerkarriere so gemacht.

Hat’s auch schon Kritik seitens der Spieler gegeben?

Pallin: Nach meiner ersten Saison in Innsbruck haben mir zwei Spieler gesagt, ich soll auf der Bank etwas relaxter und nicht so emotional sein. Ich habe mir immer gedacht, das kleine, einsame Innsbruck wird von den Schiedsrichtern „bedient“. Und wenn mich der Gedanke überkommt, dass große Klubs wie Salzburg, Wien oder Klagenfurt die Regeln machen, werde ich verrückt (lacht).

Sie haben Ihre vierte Spielzeit als Haie-Cheftrainer beendet, sind längstdienender Coach, die Möglichkeit auf eine fünfte besteht. Wie ist Ihre Gefühlslage?

Pallin: Da sind viele gemischte Gefühle. Wir sind in der Vorsaison auch an einem verlorenen Spiel gescheitert, haben aber 25 Spiele gewonnen und heuer nur 15 – das ist ein großer Schritt zurück nach der harten Arbeit, die ich die ersten drei Jahre hineingesteckt habe. Ich habe die Spieler gefragt, was ich in dieser Saison anders machen hätte können, und sie haben gesagt: „Was kannst du machen?“ Wir hatten zum Teil zwei 18-Jährige in der zweiten Angriffslinie oder nur zwei gelernte Verteidiger bei einem Match in Bozen. Die vielen Verletzungen und Ausfälle haben sich über zweieinhalb Monate gezogen.

Die Entscheidung, ob Sie bleiben, liegt bei Ihnen. Was gibt den Ausschlag?

Pallin: Es stimmt, dass ich ein Angebot vom Klub habe. Nochmals: Ich will wettbewerbsfähig sein. Das heißt im Grunddurchgang ca. 60 Punkte, also 15 alle zehn Spiele machen können. Dieser Schnitt ist uns in der Quali-Runde wieder geglückt, das hat mich stolz gemacht. Unser Kader war zuvor zu dünn. Ich will über niemanden schlecht sprechen, aber ich hoffe nicht, dass es irgendwem im Klub reicht, nur ein Team in dieser Liga zu stellen.

Was hat den Ausschlag gegeben, dass es in der Quali-Runde funktionierte?

Pallin: Ein Schlüssel ist darin gelegen, dass wir wieder sechs Verteidiger zur Verfügung hatten.

Dafür blieb die Torhüterleistung bescheiden.

Pallin: Es war fürchterlich, das war unsere größte Schwäche in dieser Saison. C. J. (Motte, Anm.) war unter 88 Prozent und hat im Schnitt über vier Tore bekommen, obwohl wir zu Beginn der Saison noch komplett waren. Wir mussten wechseln. Aber es war unser Fehler, Darling, der letzte Saison noch ein NHL-Goalie war, nicht noch einmal auszutauschen. Nach dem Salzburg-Spiel (2:8 am 5. Jänner/Darling verließ vorzeitig und mit unklaren Beschwerden das Eis, Anm.) hätten wir reagieren müssen. Wir hatten das Okay vom Klub. Ich bedaure, dass wir das nicht gemacht haben. Darling war mehr ein Tour-Guide für Freunde und Bekannte in den ersten Wochen, in denen er hier war.

Zurück zu Ihrer Person. Das Budget ist auch aufgrund der Tatsache, dass es vom Ligasponsor wohl viel weniger Geld gibt, noch offen. Entscheiden die wirtschaftlichen Voraussetzungen oder andere Faktoren über Ihr Ja oder Nein zu den Haien? Von emotionaler Seite aus betrachtet sind ja auch Ihre beiden Töchter Emily (3,5 Jahre) und Lina-Rose (2) in Tirol geboren ...

Pallin: Was das Eishockey betrifft, es geht nicht ums Geld, sondern um ein Bekenntnis zu wichtigen Spielern. Wir werden für einen starken Goalie mehr Geld in die Hand nehmen müssen, das ist die wichtigste Position. Was das Private betrifft, weiß jeder, dass mir meine Familie sehr wichtig ist und dass sie sich hier in Tirol sehr wohl fühlt.

Viele Fans fordern mehr Tiroler am Eis.

Pallin: Man wird öfter gefragt, warum das kein „Tyrolean Team“ ist. Aber warum ist dann ein Lindner oder Huber nicht hier? Es gibt auch einen Marcel Witting und andere. Ich habe kein Problem, mit Tirolern zu spielen, wenn sie das Niveau für diese schwere Liga haben.

Ein Eigengewächs wie Clemens Paulweber hat heuer die Chance genützt?

Pallin: Absolut, aber hätte er die Chance auf so viele Einsatzzeiten bei einem anderen Klub bekommen? Es ist ihm nichts geschenkt worden, er hat sich das alles verdient, weil er sehr gut gearbeitet hat. Er ist als Erster in der Kabine, schuftet hart und ist ein echter Teamkollege. Wir hätten ihm den einen oder anderen Scorerpunkte mehr vergönnt.

Ein Wort noch zu den beiden Edelroutiniers Tyler Spurgeon (33) und John Lammers (34), die in der Quali-Runde wieder aufgetrumpft haben. Sie sind seit einigen Jahren ja auch das Gesicht des Vereins.

Pallin: Ihre wahre Identität liegt in dem, was sie in den letzten zehn Spielen gemacht haben. Spurgeon ist eine Maschine, der fitter ist als ein 24-Jähriger. Er hatte sein bestes Jahr, hat 21 Tore gemacht, ist unser Bully-König. Ungeachtet des Alters einzelner Spieler: Die Liga sollte sich Gedanken über den Spielplan zu Weihnachten machen, der für Teams mit kleinem Kader nicht zu stemmen ist.

Zurück zur Gretchenfrage, die absolute Priorität in den Planungen hat: Wann fällt die Entscheidung, ob Sie auch kommende Saison an der Haie-Bande stehen werden?

Pallin: Ich hoffe, die Entscheidung fällt in dieser Woche. Ich will wieder zurückkommen, aber nicht weil es hier so schön ist, sondern um Erfolg zu haben.

Das Gespräch führte Alex Gruber


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