Nordkorea feuerte zwei nicht identifizierte Flugkörper ab

Die selbst erklärte Atommacht Nordkorea hat nach dreimonatiger Pause seine Raketentests offenbar wieder aufgenommen. Nordkorea habe am Montag zwei Flugkörper abgefeuert, bei denen es sich vermutlich um ballistische Raketen von kurzer Reichweite gehandelt habe, teilte Südkoreas Generalstab mit. Eine genauere Analyse werde gemeinsam mit den US-Behörden vorgenommen.

UN-Resolutionen untersagen Nordkorea die Erprobung von ballistischen Raketen, die je nach Bauart auch atomare Sprengköpfe tragen können. Es war der erste Raketentest des wegen seines Atomwaffenprogramms isolierten Landes seit Ende November.

Die südkoreanische Regierung zeigte sich „tief besorgt“ über das Vorgehen Nordkoreas, das die militärischen Spannungen erhöhe. Japans Verteidigungsminister bestätigte die Waffentests und sprach zuerst von zwei „ballistischen Raketen“. China rief zu Dialog auf.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un hatte zu Jahresbeginn angekündigt, sich nicht mehr an das Moratorium für Atomversuche und Tests von Interkontinentalraketen zu halten. Er drohte auch, dass Nordkorea bald eine „neue strategische Waffe“ vorführen werde.

TT-ePaper testen und eine von drei Gasser Tourenrodeln gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Die TT verlost drei Gasser Tourenrodeln und 50 Thermosflaschen

Das südkoreanische Militär hatte zunächst von zwei nicht identifizierten Projektilen gesprochen, die das Nachbarland in Richtung offenes Meer abgefeuert habe. Die Geschoße seien bei Wonsan an der Ostküste abgefeuert worden und etwa 240 Kilometer weit in Richtung offenes Meer geflogen.

Südkoreas Militär bedauerte die Tests. Sie seien wenig hilfreich, „die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel zu reduzieren“. Es deutete an, die Tests könnten im Rahmen von laufenden Manövern der nordkoreanischen Volksarmee durchgeführt worden sein. Nordkoreas Staatsmedien berichteten am vergangenen Freitag, Machthaber Kim habe eine Artillerie-Übung vor Ort verfolgt.

Zuletzt hatte Nordkorea Ende November Raketen getestet, die laut Südkorea von einem großen Mehrfachraketenwerfer ausgingen. Seitdem nahm Nordkorea zunächst Abstand von weiteren Tests. In Südkorea wurde schon spekuliert, die Unterbrechung könnte eventuell mit Pjöngjangs strikten Maßnahmen gegen eine Verbreitung des Covid-19-Erregers zu tun haben. Bisher wurde in dem Land kein Infizierungsfall mit dem neuen Coronavirus gemeldet. Den Staatsmedien zufolge befinden sich jedoch in drei Provinzen insgesamt rund 7.000 Menschen in Quarantäne. In Südkorea wurden 4.212 Fälle gemeldet

US-Experten und -Beamte erklärten am Montag, die Virus-Epidemie halte Pjöngjang offenbar nicht von Raketentests ab. Seoul und Washington hatten indes in der vergangenen Woche bevorstehende Militärübungen wegen der in Südkorea grassierenden Epidemie verschoben.

Beobachter vermuten, dass Nordkorea mit dem jüngsten Waffentest wieder Stärke demonstrieren wolle. Das sei wahrscheinlich einer der Punkte, die Nordkorea betonen wolle, insbesondere seit dem Treffen des Zentralkomitees der Arbeiterpartei Ende Dezember 2019: „Nationale Sicherheit ist eine Priorität von Kim Jong-un, trotz COVID19“, schrieb der Nordkorea-Experte Ankit Panda auf Twitter.

Nordkoreas Machthaber hatte zum Abschluss des Parteitreffens gedroht, die Welt werde in naher Zukunft eine „neue strategische Waffe“ seines Landes erleben. Kim erklärte außerdem, dass sich Pjöngjang grundsätzlich nicht mehr an sein Moratorium für Tests von Atombomben und Interkontinentalraketen gebunden sehe. Hintergrund sind die stockenden Nuklearverhandlungen der kommunistischen Führung mit den USA. Seit dem gescheiterten Gipfeltreffen beider Länder im Februar 2019 in Vietnam kommen die Gespräche nicht mehr voran.

Angesichts der Krise um Covid-19 hatte Nordkorea alle Land-, Zug- und Flugverbindungen ins Ausland eingestellt - auch für Diplomaten. Alle Ausländer im Land wurden unter Quarantäne gestellt. Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin hieß es vor einigen Tagen, Nordkorea habe angekündigt, einen Flug für ausreisewillige Ausländer von Pjöngjang nach Wladiwostok in Russland zu organisieren. Nach Informationen des Fernsehsenders CNN ist dieser Flug für diesen Freitag geplant.


Kommentieren


Schlagworte