Zu lange im Kaffeehaus gesessen? Betrieb entschuldigt sich bei Kundin

Die Kundin einer Innsbrucker Konditorei wurde unlängst ruppig behandelt, weil sie angeblich zu lange bei Kaffee und Kuchen gesessen war. Der Betrieb entschuldigt sich.

Ein besetzter Tisch ohne weitere Konsumation durch den Gast kann für den Gastronomen Umsatzeinbußen bedeuten.
© Getty Images

Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck – Eine Tasse Kaffee, ein Stück Kuchen, die Tiroler Tageszeitung in der Hand und eine Zeitschrift auf dem Tisch. Was für Klara Trömer vor zwei Wochen als gemütliche Zeit am frühen Sonntagnachmittag in der Innsbrucker Konditorei Peintner geplant war, entpuppte sich nach rund einer halben Stunde als ärgerliches Unterfangen.

„Nachdem ich den letzten Schluck getrunken hatte, wurde mir die Tasse unmittelbar und sehr resolut weggenommen, ohne die Frage zu stellen, ob ich noch was wolle“, erinnert sich die Außerfernerin. „Kurze Zeit später nahm die Bedienung auch die Bunte weg, welche ich noch lesen wollte. Auf meine Frage hin, warum, erhielt ich folgende Antwort: ,Befehl von oben, damit die Leute am Sonntag nicht ewig lesen und Plätze besetzen.‘“ Die Konditorei sei zu diesem Zeitpunkt allerdings lediglich zur Hälfte belegt gewesen. „Selbstverständlich zahlte ich sofort, ging und fühlte mich rausgeschmissen. Der Sonntag war mir verdorben.“ Von einer österreichischen Kaffeehaus-Kultur könne man angesichts dieses Vorgehens nicht mehr sprechen.

Der Chefin des Hauses, Helga Peintner, ist der Vorfall äußerst unangenehm. „Es war eine absolut unangebrachte Art, wie unsere Mitarbeiterin hier gehandelt hat. Das ist natürlich überhaupt nicht in unserem Sinn“, erklärt sie auf Nachfrage der TT. Die Kellnerin selbst habe ihr kurz nach dem Ereignis davon berichtet. „Es war ihr bewusst, dass da etwas nicht richtig gelaufen ist“, sagt Helga Peintner. Sie hätte sich allerdings erhofft, dass sich die Kundin direkt bei ihr mit einer Beschwerde meldet, „dann hätten wir die Sache bei einem gemeinsamen Kaffee klären können“.

Denn tatsächlich ist die Dauer, die Gäste an den Tischen der Konditorei sitzen, eine Frage, mit der sich das Unternehmen in der Vergangenheit auseinandergesetzt hat. „Es gibt Kunden, die bestellen einen kleinen Braunen, drei Gläser Wasser und lesen dann vier bis fünf Stunden die Zeitschriften, die bei uns aufliegen“, erklärt Helga Peintner. Das sei unter der Woche weniger ein Problem als an den stark frequentierten Sonntagen. „Deshalb sind wir dazu übergegangen, am Samstagabend die Zeitschriften zu verräumen und für den Sonntag nur noch die Tageszeitungen aufzulegen.“ Am besagten Wochenende sei das aber verabsäumt worden. „Trotzdem geht es natürlich nicht, dass man einen Gast dann so behandelt“, entschuldigt sich Peintner einmal mehr. Als Gastronomiebetrieb gehöre es sich nicht, den Kunden aufzufordern, nach der Konsumation zu gehen. Man könne fragen, ob man noch etwas bringen darf. „Oder vielleicht darauf hinweisen, dass man den Tisch für andere Gäste benötigen würde. Aber selbst das würden wir nicht machen. Wir leben und arbeiten für unsere Kunden“, sagt Helga Peintner und hofft, dass die verärgerte Außerfernerin doch noch mit ihr Kontakt aufnimmt.

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„Nein, es gibt keine Regeln dafür, wie lange ein Gast einen Platz besetzen darf“, sagt Alois Rainer, Gastronomie-Fachgruppenobmann in der Tiroler Wirtschaftskammer. Und an einem ruhigen Nachmittag werde man Gäste, die einmal etwas länger bei ihrem Kaffee sitzen, auch sitzen lassen. Bei einer hohen Kundenfrequenz kann der Betreiber aber „mit viel Geduld und Augenmaß“ seine Gäste darauf hinweisen, wenn ein Tisch für die nächsten Gäste benötigt wird.


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