Weltweit über 3.000 Todesopfer durch Coronavirus

Die Zahl der Todesopfer durch das neuartige Coronavirus ist weltweit auf mehr als 3.000 gestiegen. In 68 Ländern wurden am Montag fast 90.000 Infektionen verzeichnet. Vor allem in Südkorea und im Iran steigt die Zahl der Infizierten weiterhin stark. Die Epidemie erreichte inzwischen auch Millionenstädte wie New York und Moskau. In der EU wird das Risiko nun als „moderat bis hoch“ eingestuft.

Die EU-Gesundheitsagentur ECDC habe das Risiko heraufgestuft, sagte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen am Montag in Brüssel. Das bedeute, dass das Virus sich weiter ausbreite. Insgesamt wurden offiziell bisher rund 2.100 Infektionen und 38 Todesfälle in 18 EU-Staaten nachgewiesen. Nach Kritik an der Vielfalt von Gegenmaßnahmen in der EU präsentierte von der Leyen ein Team von fünf Kommissaren zur Koordination von Krisenmanagement, Gesundheitsvorsorge, Grenzkontrollen, Verkehr und zur Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen der Epidemie. Schon bisher habe man sich aber sehr eng abgestimmt, betonte von der Leyen.

Unter anderem will die EU-Kommission in den nächsten Tagen über eine zentrale Ausschreibung Schutzausrüstung wie Masken oder Anzüge beschaffen, wie Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides sagte. Sie will nach eigenen Worten bis Dienstag alle EU-Gesundheitsminister auf den letzten Stand der Risikoeinschätzung bringen und am Freitag bei einem Sondertreffen mit ihnen beraten. Die Situation verändere sich rasch, doch bestehe kein Grund zur Panik.

Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni plant für Mittwoch eine Videokonferenz mit den Euro-Finanzministern und erwägt Konjunktur-Maßnahmen. „Heute ist die Zeit klarzustellen, dass die EU bereit ist, alle verfügbaren Politikoptionen zu nutzen - falls und wenn sie nötig sind -, um unser Wachstum vor den Risiken des Abschwungs zu schützen“, sagte Gentiloni. Die für Grenzsicherung zuständige Kommissarin Ylva Johansson stellte klar, dass bisher kein Land in der Schengenzone erwäge, die eigenen Grenzen wegen der Epidemie zu schließen. Transportkommissarin Adina Valean betonte, es sei von entscheidender Bedeutung, die Mobilität der Bürger aufrecht zu erhalten. Verkehrssysteme müssten bei ihrem üblichen Angebot bleiben.

Die EU hat selbst kaum Zuständigkeiten bei der Gesundheitsversorgung - das ist Sache der Mitgliedsstaaten. Diese hatten in den vergangenen Wochen unterschiedlich auf die Ausbreitung von SARS-CoV-2 reagiert, etwa bei der Frage, ob ganze Orte abgeriegelt oder welche Menschenansammlungen verboten werden sollen.

In Europa ist weiterhin Italien das am stärksten betroffene Land. Nach Angaben des Zivilschutzes wurden bis Sonntag fast 1.700 Infektionen und 34 Todesfälle verzeichnet. In Frankreich gibt es nach offiziellen Angaben bisher 130 Infizierte. Zwei davon starben, darunter ein 80-jähriger Tourist aus China. Der Pariser Louvre blieb am Montag den zweiten Tag in Folge geschlossen, weil die Museumsmitarbeiter Angst vor einer Ansteckung haben. Nach der Pariser Landwirtschaftsmesse und dem Halbmarathon in der französischen Hauptstadt wurde auch die Buchmesse Livre Paris abgesagt.

Die US-Regierung rief die Pharma-Industrie zu einer schnelleren Entwicklung eines Impfstoffes gegen das Coronavirus auf. Das gab Präsident Donald Trump am Montag vor einem Treffen mit Vertretern großer Pharma-Konzerne bekannt, ohne Einzelheiten zu nennen. An dem Treffen am Abend sollten Manager von GlaxoSmith Kline, Sanofi, Johnson & Johnson und Pfizer teilnehmen.

Früheren Angaben des Präsidenten auf Twitter zufolge sollte das Thema „Fortschritte bei einem Impfstoff und einer Heilmethode“ sein. US-Gesundheitsbehörden haben erklärt, die Entwicklung eines Impfstoffs werde bis zu 18 Monate dauern und ein Heilmittel gebe es nicht.

Die US-Gesundheitsbehörden bereiten sich auf weitere Fälle vor, schon allein weil deutlich mehr Tests vorgenommen werden sollen. Nach Angaben der Zentren für Seuchenkontrolle (CDC) gab es zunächst 64 bestätigte Erkrankungen. Darunter waren 48 US-Bürger, die aus dem Ausland nach Hause geholt worden waren. Zudem gebe es 27 Verdachtsfälle. Zwei Menschen sind an den Folgen der Infektion gestorben.

Experten befürchten, dass sich die Krankheit sich schon länger in den USA unbemerkt ausbreitet. „Wenn man eine Reihe von Fällen identifiziert hat und diese eine Weile in der Bevölkerung vorlagen, dann wird man viel mehr Fälle sehen, als man vorhergesagt hatte“, sagte Anthony Fauci, Leiter der Abteilung für Infektionskrankheiten bei den National Institutes of Health, dem Sender CNN.

In China stieg die Zahl der Todesopfer am Montag um 42 auf 2.912. Die Zahl der bestätigten Infektionen in der Volksrepublik liegt mittlerweile bei mehr als 80.000. Auch der Iran gab am Montag zwölf weitere und damit insgesamt 66 Todesopfer und mehr als 500 neue Ansteckungsfälle bekannt. In keinem anderen Land außerhalb Chinas sind bisher so viele Menschen an der Lungenkrankeit Covid-19 gestorben.

Allerdings bekommt China die Coronavirus-Epidemie nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) immer besser in den Griff. Am Sonntag seien nur 206 neue Infektionen mit dem neuartigen Virus Sars-CoV-2 gemeldet worden, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Montag in Genf. Das sei die niedrigste Zahl seit dem 22. Jänner.

Bei der Zahl der Infektionen ist Südkorea nach China das am stärksten betroffene Land. Am Montag meldeten die Behörden in Seoul 600 neue Infektionsfälle, die Gesamtzahl stieg damit auf 4.300. 22 Menschen starben. Rund 60 Prozent der Fälle in Südkorea stehen im Zusammenhang mit der Sekte Shincheonji: Eine 61-jährige Anhängerin hatte trotz einer fiebrigen Erkrankung mindestens vier Gottesdienste der Glaubensgemeinschaft in der Millionenstadt Daegu besucht, bevor bei ihr das Coronavirus diagnostiziert worden war. Die Stadtverwaltung von Seoul fordert deshalb Strafermittlungen gegen die Sekte und ihren Gründer Lee Man Hee, unter anderem wegen Mordes.

Die Behörden versuchen derzeit, mehr als 266.000 Anhänger der Sekte ausfindig zu machen. Nach Angaben eines ranghohen Sektenvertreters scheuen aber viele Mitglieder, sich testen zu lassen. Sie fürchteten sich vor „gesellschaftlichem Hass“ und Diskriminierung.


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