Staatspreis-Schau: Tausche Handy gegen Licht

Staatspreis-Schau im Wei sraum: Prämierte Projekte setzen auf Nachhaltigkeit und Experiment.

Das Lastenrad von „Paul & Ernst“ wird in Tirol produziert.
© Michael Rathmayr

Von Barbara Unterthurner

Innsbruck –Das Elektro-Faltrad kommt neben dem urbanen Bienenstock zu stehen, die ökologische Toilette neben der Sicherheitshaut für Industrieroboter. Diese Design-Wunderkammer entsteht im Rahmen der Ausstellung zum Österreichischen Staatspreis für Design 2019. Gestern Abend wurde die Schau im Innsbrucker Wei sraum – seit November 2019 unter der Leitung von Nicola Weber (Geschäftsführung) und Markus Weithas (Obmann des Vorstands) – eröffnet.

279 Einreichungen gab es, 27 Arbeiten wurden in den Kategorien „Produktdesign“ und „Räumliche Gestaltung“ ausgewählt. Nicht nur serienreife Produkte, sondern auch experimentelle Projekte werden berücksichtigt – für Letztere wurde der Sonderpreis „Design­Concepts“ eingeführt.

„Grüne Erde“ wurde für ihr Unternehmens-, Besuchs- und Werkstättenzentrum im oberösterreichischen Pettenbach ausgezeichnet.
© Jan Schuenke

Nach Dornbirn macht die Wanderausstellung nun in Innsbruck halt und stellt die 27 Nominierten vor – darunter auch die beiden Tiroler Einreichungen, die es unter die Top 27 geschafft haben. Mit dabei: der Musikpavillon Kirchdorf (parc zt gmbh). Der Bau überzeugte nicht nur architektonisch, sondern auch mit seinem Konzept: Der Dorfkern wird mit Kultur neu belebt.

Chancen auf den Staatspreis hatte auch das Elektro-Lastenrad (Paul & Ernst GmbH), das in Schwaz produziert wird. Hier trifft der Streetfood-Trend auf ökologische Verantwortung. Design, das sich der Nachhaltigkeit verschrieben hat, trifft man auch beim Elektro-Faltrad „Vello Bike+“ (Staatspreisträger Produktgestaltung, Konsumgüter) oder dem Besucherzentrum von „Grüne Erde-Welt“ (Staatspreisträger Räumliche Gestaltung) an.

Die Sicherheitshaut „Airskin“ für Industrieroboter (Staatspreisträger Produktgestaltung, Investitionsgüter) hingegen reagiert auf die enger werdende Zusammenarbeit von Mensch und Maschine. Und sorgt hier für Sicherheit: Die drucksensitive Haut kann im Notfall innerhalb von Millisekunden einen Sicherheitsstopp auslösen.

Als Highlight der Schau entpuppen sich die experimentellen Zugänge der „DesignConcepts“-Projekte von Design-Studierenden: darunter etwa Klemens Schillingers „Offline Lamp“, eine Lampe, die von der Energie eines Smartphones angetrieben wird: Legt man das Handy in die Schublade im Lampenfuß, wird Licht erzeugt. Gleichzeitig wird das Smartphone gegen Strahlung isoliert und geht gezwungenermaßen offline. Design reagiert hier nicht auf Trends, sondern hinterfragt sie: Das Prinzip „Tausche Handy gegen Licht“ darf hier als Statement gegen den Drang, andauernd online sein zu müssen, gelesen werden.


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