Herzschwäche Thema beim Kardiologie-Kongress in Innsbruck

Beim Kardiologie-Kongress (5.—7. März) in Innsbruck beschäftigen sich die Teilnehmer mit der häufiger werdenden Herzinsuffizienz und erinnern an Tagungs-Gründer Otmar Pachinger.

Beim Kardiologie-Kongress tauschen sich 1000 Mediziner über Herz-Kreislauf-Erkrankungen aus.
© iStock

Von Theresa Mair

Innsbruck — Der Kardiologie-Kongress war seine Herzenssache. Als Otmar Pachinger 1997 als führender österreichischer Kardiologe von Wels nach Innsbruck kam, initiierte er alsbald die Tagung, um den Austausch zwischen den niedergelassenen Zuweisern und der Klinik zu fördern. Morgen, wenn das jährliche Treffen im Innsbrucker Congress wieder stattfindet, werden 1000 Teilnehmer erwartet, nur Pachinger wird zum ersten Mal nicht dabei sein. Der Pionier der Katheterbehandlung ist im vergangenen Herbst verstorben.

Seinen speziellen Charakter hat sich der Kardiologie-Kongress über die vergangenen 22 Jahre jedoch bewahrt, wie Guy Friedrich, Oberarzt an der Uniklinik für Innere Medizin III (Kardiologie & Angiologie), gestern sagte. „Der Schlüssel zum Erfolg war der klare Bezug zur Praxis, bei dem es ganz konkret darum geht: Was mache ich mit meinem Patienten?", erklärt Friedrich, der bisher kein Meeting versäumt hat. Für Axel Bauer, für den es die erste Tagung als Klinikdirektor sein wird, liegt der Fokus auch weiterhin auf dieser Praxisbezogenheit. „Neue Daten werden präsentiert und wir schauen, wie wir sie auf Tirol umlegen können", so Bauer. Inhaltlich soll der Kongress alle Themen aus dem Fachbereich der Herz- und Gefäßerkrankungen abbilden, wobei heuer ein Schwerpunkt auf der Herzschwäche (Herzinsuffizienz) liegt. „Herzinsuffizienz bleibt am Ende jeder Herzkrankheit übrig. Sie muss behandelt werden. Je früher, desto besser", sagt Friedrich.

Axel Bauer (Direktor, Uniklinik für Kardiologie, Innsbruck): „Mit einem Chip unter der Haut kann man Risikopatienten nach einem Herzinfarkt fernüberwachen.“
© MUI/Lechner

Dabei sticht Tirol seit mittlerweile sechs Jahren mit dem vom Land geförderten Leuchtturm-Projekt „HerzMobil Tirol" unter der Leitung von Oberarzt Gerhard Pölzl hervor. Ein bis zwei Prozent der Bevölkerung sind von Herzinsuffizienz betroffen, in Tirol entspricht das bis zu 15.000 Patienten, wobei Bauer mit einer „immensen Zunahme" an Erkrankten rechnet.

Der Grund dafür ist eigentlich erfreulich: „Heutzutage überleben immer mehr Patientinnen und Patienten auch einen schweren Herzinfarkt. Allerdings kann das auch bedeuten, dass eine Herzinsuffizienz zurückbleibt", erklärt der Klinikleiter. Fünf- bis sechsmal pro Jahr sind Betroffene laut Friedrich früher in die Klinik eingeliefert worden. Oftmals waren diese zu diesem Zeitpunkt bereits in einem so schlechten Zustand, dass es gar nicht mehr anders ging, als sie stationär aufzunehmen — etwa wegen Atemnot aufgrund massiver Wassereinlagerungen.

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„Mit HerzMobil Tirol verhindern wir bis zur Hälfte der Rehospitalisierungen", sagt Friedrich. Dies helfe dem Gesundheitssystem beim Sparen, vor allem aber den Patienten. Denn über das telemedizinische Programm würden bereits kleinste Schwankungen des Befindens erfasst. Durch frühzeitige Intervention und Behandlung verbessere sich letztlich auch die Überlebensrate. Herzinsuffizienz-Patienten übermitteln dafür regelmäßig mit einer App ihre Gesundheitsdaten wie Gewicht, Blutdruck und Puls und machen Angaben zu ihrem Allgemeinzustand. Die Informationen werden an ein Netzwerk an beteiligten Hausärzten, Internisten und Pflegepersonen weitergeleitet und laufen an der Klinik zusammen — wo sie auch als Basis für weitere Forschung dienen.

Guy Friedrich (Oberarzt, Uniklinik für Kardiologie): „Herzinsuffizienz bleibt am Ende jeder Herzkrankheit übrig. Sie muss behandelt werden.“
© MUI/Lechner

Friedrich bleibt beim Beispiel „Flüssigkeitseinlagerung": Stellt der im Netzwerk beteiligte Arzt bei einem Patienten über kurze Zeit eine starke Gewichtszunahme fest, kann er schnell eingreifen, die Dosis der entwässernden Medikamente erhöhen und verhindern, dass sich der Zustand des Patienten verschlechtert.

Bei „HerzMobil Tirol" wird es nicht bleiben. Bauer hat aus Deutschland ein Projekt für Herzinfarkt-Patienten mitgebracht: „Mit einem Chip unter der Haut kann man Risikopa-tienten nach einem Herzinfarkt fernüberwachen und zum Beispiel auf Rhythmusstörungen sofort reagieren", schildert er.

Künftig werde es mit Sicherheit noch mehr Telemedizin-Projekte geben. Der Markt für solche Innovationen sei groß, auch in der Kardiologie werde nach personalisierten, auf den Patienten abgestimmten Lösungen gesucht. So gebe es immer neue, so genannte Devices wie Schrittmacherformen und auch Medikamente für Herzschwäche-Patienten, um ihnen ein längeres und besseres Leben zu ermöglichen.


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