Weitere bestätigte Coronavirus-Infektionen in Österreich

In Österreich sind mit Stand Dienstagmittag 22 bestätigte Infektionen mit SARS-CoV-2 aufgetreten. Das gab Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) in Wien bekannt. Drei der vier neuen Fälle sind in Wien aufgetreten, der vierte in Niederösterreich. Weiterhin befinden sich laut dem Ressortchef rund 350 Menschen österreichweit in Quarantäne.

Bei den drei Fällen in Wien handelt es sich um ein Paar, das nach einem Italien-Aufenthalt in die Bundeshauptstadt zurückgekehrt sei und eine Praktikantin am Wiener Landesgericht. Das Paar meldete sich jetzt bei den Behörden, sagte Andreas Huber, Sprecher des Wiener Krisenstabs in Sachen SARS-CoV-2. „Das Paar ist vorige Woche in Italien auf Urlaub gewesen“, berichtete Huber. Wo genau, blieb vorerst unklar.

Die Betroffenen hätten sich nunmehr gemeldet und seien vom Ärztefunkdienst wie vorgesehen zuhause untersucht worden. Die Proben hätten bei beiden einen positiven Befund ergeben, worauf „beide mit leichterer Symptomatik in häusliche Absonderung an ihrer Wohnadresse“ genommen worden seien.

Den Fall am Wiener Landesgericht bestätigte Gerichtssprecherin Christina Salzborn der APA. Die Praktikantin trag am Montag den Dienst im Grauen Haus an und erfuhr am Montagabend von einem positiven Test auf den Sars-CoV-2-Erreger. Laut Salzborn zeigt die junge Juristin keine Symptome: „Weder hustet sie noch weist sie sonstige Anzeichen auf eine Erkrankung auf.“

Bevor sie als Praktikantin dem Landesgericht zugeteilt wurde, soll die Betroffene als studentische Mitarbeiterin in der Kanzlei jenes Anwalts gearbeitet haben, der als der am schwersten erkrankte heimische Covid-19-Patient gilt. Der Jurist befindet sich seit längerem im Kaiser-Franz-Josef-Spital, er ist nicht ansprechbar.

Bei jenem neuen Fall in Niederösterreich handle sich um eine Frau, bei der die Erkrankung einen leichten Verlauf nehme, sagte Detlev Polay, Sprecher des Einsatzstabs im Innenministerium. Die Patientin sei mit zwei weiteren Familienmitgliedern in Heimquarantäne. Die Betroffene aus dem Bezirk Korneuburg hatte Kontakt mit einer schon vor einigen Tagen als infiziert ermittelten Person gehabt.

Die Anzahl der Anrufe bei den Informations-Hotlines zu SARS-CoV-2 ist weiter hoch, berichtete Polay weiters. Allein im Callcenter des Innenministeriums, das die Hotline der AGES unterstützt, seien bisher 3.540 Anrufe eingegangen, bei der AGES sogar „mindestens das Doppelte“.

Bei den rund 350 Menschen in Quarantäne befindlichen Menschen handelt es sich meist um Personen, die engen Kontakt mit am neuartigen Coronavirus Erkrankten hatten und als Vorsichtsmaßnahme auf behördliche Anweisung abgesondert wurden, hatte es am Montag vom Einsatzstab im Innenministerium geheißen. „Ich appelliere daran, die Geduld zu haben. Wir haben eine Inkubationszeit von bis zu zwei Wochen. Unser Grundkonzept ist die Ausbreitung auf Basis des jeweiligen Erkrankungsfalles und des Umfelds zu unterbinden“, sagte der Minister vor dem Gesundheitsausschuss. Er habe den Eindruck, dass die meisten Betroffenen geduldig seien.

Für die Bekämpfung des Virus sei man derzeit bei der Erarbeitung zusätzlicher Maßnahmen, „da werden wir morgen beim Ministerrat einiges mehr sagen können“, kündigte Anschober an. „In der EU ist Italien das Hauptproblem mit über 2.000 Erkrankungen und 54 Todesfällen“, und das sei ein sehr starkes Wachstum. Italien mache im gesamten EU- und EWR-Raum damit rund 70 Prozent der Erkrankungen und über 90 Prozent der Todesfälle aus - „Italien ist das Zentrum der Verbreitung in Europa“, folgerte Anschober.

Eine mit Covid-19 infizierte Niederösterreicherin hat unterdessen das Wiener Kaiser-Franz-Josef-Spital verlassen. Die Frau aus dem Bezirk Korneuburg befindet sich seit Montag so wie ihr Ehemann in häuslicher Quarantäne, bestätigte der Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) am Dienstag einen „Kurier“-Bericht. Die Erkrankte ortete im Ö3-Interview Anfeindungen und befand „dass wir wie Aussätzige behandelt werden“.

Die Eheleute, die laut „Kurier“ auf selbstständiger Basis als Fitnesstrainer tätig sind, hatten offiziellen Angaben zufolge Kontakt mit jenem infizierten Wiener Paar, bei dem am vergangenen Donnerstag das Coronavirus festgestellt wurde. Dem Zeitungsbericht zufolge fand das Treffen am 22. Februar statt. Nach der positiven Untersuchung auf Sars-CoV-2-Erreger wurde der Niederösterreicher unter häusliche Quarantäne gestellt. Seine Frau wurde mit Fieber vorübergehend im Kaiser-Franz-Josef-Spital behandelt.

Störender als das Virus empfand die Betroffene das Verhalten mehrerer Mitmenschen. Sie berichtete von hysterischen Nachrichten aus der Nachbarschaft. Die Situation sei „wie zu Pestzeiten, wie wenn wir die Pestbeulen hätten“, hob die Niederösterreicherin hervor. „Unser Empfinden ist, dass wir wie Aussätzige behandelt werden, weil einfach dann das Mobbing überhandnimmt.“

Bei der älterer Tochter habe bereits Mobbing stattgefunden, hielt die Frau fest. Ihr Mann sprach im „Kurier“ davon, dass über einen Klassenwechsel des Mädchens nachgedacht werde. Ebenfalls in Erwägung gezogen werden rechtliche Schritte - unter anderem aus Angst um die berufliche Existenz. Die beiden Fitnesstrainer waren vor Bekanntwerden der Erkrankung laut der Tageszeitung unter anderem in der Vienna International School sowie in der Bundessportakademie in Wien zugegen.


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