Jugendlichen betäubt und vergewaltigt: Freispruch

Im Prozess wegen der mutmaßlichen Vergewaltigung seines Schützlings ist ein 64-jährige Wiener im Zweifel freigesprochen worden. Ein Schuldspruch erfolgte allerdings wegen des Besitzes von Kinderpornografie. Der Mann erhielt dafür eine 15-monatige, teilbedingte Haftstrafe. Weil der unbedingte Teil von fünf Monaten bereits durch die U-Haft verbüßt ist, wurde er noch am Dienstag enthaftet.

Der Richterspruch ist nicht rechtskräftig. Während der Mann das Urteil unter Tränen annahm, gab der Staatsanwalt keine Erklärung ab. Mildernd wurde das Geständnis gewertet, erschwerend eine einschlägige Vorstrafe und die Vielzahl an Vergehen. Zudem muss der 64-Jährige eine psychotherapeutische Therapie gegen Pädophilie absolvieren.

Die beiden lernten sich vor etwa zwei Jahren kennen, als der damals 14-Jährige den Wiener auf der Straße beim Gassigehen mit seinen Hunden ansprach. Der Bursche fragte den Mann, ob er für ihn Zigaretten kaufen könnte. Beim Spazierengehen erzählte der Jugendliche von seinem bisherigen Leben. Die Eltern seien im Gefängnis, er lebe in einer betreuten Wohngemeinschaft und sei seit seinem elften Lebensjahr drogenabhängig. Ab da kümmerte sich der Wiener um den Jugendlichen und der Bursche um die Hunde des Mannes. Fürs Gassigehen bekam er Zigaretten oder fünf Euro, berichtete der Angeklagte: „Er hat sich gleich in die Hunde verliebt.“

Eines Tages bat der Bursche um Unterschlupf bei dem Wiener. „Er hat gesagt: ‚In der WG gefällt es mir nicht, kann ich zu dir‘“, sagte der 64-Jährige. Der Jugendliche dürfte sich des öfteren nicht an die Regeln der Wohngruppe gehalten haben und immer wieder tagelang nicht in die WG zurückgekehrt sein. In Absprache mit den Betreuern durfte er zu dem 64-Jährigen, musste sich aber täglich melden. Der Mann ließ den Burschen Playstation spielen, verköstigte ihn und redete auf ihn ein, von den Drogen loszukommen.

Der Jugendliche berichtete später aber auch von einer ganz anderen Seite. Seit Frühjahr 2019 soll er von dem 64-Jährigen unter Drogen gesetzt und 16 Mal vergewaltigt worden sein. Unter Androhung von Schlägen soll der Mann seinen Schützling immer wieder missbraucht haben. Auf dem PC des Mannes wurden bei einer Hausdurchsuchung später Kinderpornos gefunden. „Zu den Dingen mit den Bildern bekenne ich mich schuldig, aber alles andere nicht“, sagte der 64-Jährige dem Schöffensenat (Vorsitzende: Elisabeth Reich). „Ich war selbst ein Heimkind und wurde missbraucht, da ist was hängen geblieben.“ Er hätte dem Burschen keine Gewalt antun können: „Ich bin ein komplett sensibler Mensch.“

Die Anschuldigungen sollen seiner Meinung nach aus Rache erhoben worden sein. Denn ab Herbst 2019 wurde dem 64-Jährigen das Zusammenleben mit dem Jugendlichen laut eigener Aussage zu viel. „Am Tag schlief er, in der Nacht spielte er Playstation.“ Wenn der Wiener nicht zu Hause war, lud der Bursche Freunde in die Wohnung des „Onkels“, wie er ihn nannte. Die ehemalige Lebensgefährtin des Mannes und Nachbarin erzählte dem 64-Jährigen von den teilweise lautstarken Besuchen. „Ich hab‘ ihm daraufhin gesagt, dass er nicht mehr kommen braucht“, sagte der Beschuldigte. Auch die finanziellen Zuwendungen stellte der Wiener ein, worauf der Bursche versucht haben soll, ihm unter Gewaltanwendung die Geldbörse zu entreißen. Angezeigt hat der 64-Jährige den Überfall nicht. „Ich war blauäugig, blöd“, sagte er.

Ein Freund hatte ihn noch gewarnt: „Ich hab gesagt, schmeiß ihn doch raus, er bringt dich noch ins Gefängnis. Und das ist ja auch passiert“, sagte der 57-Jährige im Zeugenstand und berichtete von solchen Androhungen vonseiten des Jugendlichen. Kurz darauf wurde der 64-Jährige angezeigt und in U-Haft genommen. Wegen Vergewaltigung, sexuellen Missbrauchs einer wehrlosen oder psychisch beeinträchtigten Person, Kinderpornos, versuchter Nötigung und Suchtmittelmissbrauchs wurde Anklage erhoben.


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