Tiroler Arzt könnte mit Google Vergleich schließen

Der Tiroler Schönheits­chirurg Carlo Hasenöhrl hatte den Internetkonzern verklagt, weil seine Arbeit anonym diffamiert worden war.

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Innsbruck –Muss Google verunglimpfende, vermutlich mit Fantasienamen verfasste Bewertungen löschen? Oder gerät dadurch das Recht auf freie Meinungsäußerung in Gefahr? Rund um diese Grundsatzfrage wurde gestern am späten Nachmittag bei einem Zivilverfahren am Innsbrucker Landesgericht verhandelt.

Der Tiroler Schönheits­chirurg Carlo Hasenöhrl hatte den Internetkonzern verklagt, weil seine Arbeit anonym diffamiert worden war. Von einem nach einer Operation „verunstalteten Gesicht“ war etwa in den Onlinebewertungen zu lesen. „Einen Kunstfehler habe ich noch nie produziert“, sagte Hasenöhrl gestern vor Gericht. Er witterte hinter den Kommentaren eine Betrugsmasche – kurz nach deren Auftauchen habe sich eine Firma an ihn gewandt, mit dem Angebot, die Beiträge zu löschen. Google selbst entfernte diese erst nach einer gerichtlich erwirkten einstweiligen Verfügung – vorläufig. Der Internet-Riese fürchtet Einschränkungen der freien Meinungsäußerung.

Es war der bereits zweite Prozesstermin, bereits im Herbst vergangenen Jahres standen sich Hasenöhrl und der US-Konzern vor Gericht gegenüber – die TT berichtete. Ein Vergleich in der Sache wurde gestern Abend nicht ausgeschlossen. Sollte es dazu kommen, würden wohl zwei besonders abwertende von insgesamt sechs schriftlichen Bewertungen dauerhaft gelöscht bleiben, die restlichen Punkte in der Klage, so auch etwaige Schadenersatzforderungen, fallen gelassen. Der Anwalt von Google wollte dazu noch mit den Zuständigen beim Internetkonzern sprechen. In den kommenden Wochen dürfte die Entscheidung fallen. Kommt kein Vergleich zustande, ergeht das Urteil schriftlich. (bfk)


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