Jugendlichen Schützling angeblich vergewaltigt: Freispruch

Ein 64-jähriger Wiener ist am Dienstag von den schweren Anschuldigungen der Vergewaltigung seines jugendlichen Schützlings im Zweifel freigesprochen worden. Laut dem mittlerweile 16-Jährigen soll der Mann den Burschen unter Drogen gesetzt und 16 Mal vergewaltigt haben. Der Wiener bestritt die Vorwürfe, sie seien aus Rache entstanden, weil er den Jugendlichen aus der Wohnung warf.

Ein Schuldspruch erfolgte allerdings wegen des Besitzes von Kinderpornos, was der 64-Jährige in der Verhandlung von Anfang an zugab. Der Mann erhielt dafür eine 15-monatige, teilbedingte Haftstrafe. Weil der unbedingte Teil von fünf Monaten bereits durch die U-Haft verbüßt ist, wurde er noch am Dienstag enthaftet. Das Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richterin Elisabeth Reich setzte eine dreijährige Probezeit fest, in der der Wiener keine strafbaren Handlungen setzen darf. „Keine Sorge“, sagte der 64-Jährige unter Tränen. Zudem muss der Mann eine psychotherapeutische Therapie gegen Pädophilie absolvieren. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Seit Oktober saß der Mann in U-Haft, nachdem der Bursche wegen der angeblichen sexuellen Übergriffe Anzeige erstattet hatte. Der Wiener lernte den damals 14-Jährigen vor etwa zwei Jahren auf der Straße kennen, als er mit seinen Hunden unterwegs war. Der Bursche fragte den Mann, ob er für ihn Zigaretten kaufen könnte. Beim Spazierengehen erzählte der Jugendliche von seinem bisherigen Leben. Die Eltern seien im Gefängnis, er lebe in einer betreuten Wohngemeinschaft und sei seit seinem elften Lebensjahr drogenabhängig. Ab da kümmerte sich der Wiener um den Jugendlichen und der Bursche um die Hunde des Mannes. Fürs Gassigehen bekam er Zigaretten oder fünf Euro, berichtete der Angeklagte: „Er hat sich gleich in die Hunde verliebt.“

Eines Tages bat der Bursche um Unterschlupf bei dem Wiener. „Er hat gesagt, in der WG gefällt es mir nicht, kann ich zu dir“, sagte der 64-Jährige. Der Jugendliche dürfte sich des öfteren nicht an die Regeln der Wohngruppe gehalten haben und immer wieder tagelang nicht in die WG zurückgekehrt sein. In Absprache mit den Betreuern durfte er zu dem 64-Jährigen, musste sich aber täglich melden. Der Mann ließ den Burschen Playstation spielen, verköstigte ihn und redete auf ihn ein, von den Drogen loszukommen.

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Ab Herbst 2019 wurde dem 64-Jährigen das Zusammenleben mit dem Jugendlichen laut eigener Aussage zu viel. „Am Tag schlief er, in der Nacht spielte er Playstation.“ Wenn der Wiener nicht zu Hause war, lud der Bursche Freunde in die Wohnung des „Onkels“, wie er ihn nannte. Die ehemalige Lebensgefährtin des Mannes und Nachbarin erzählte dem 64-Jährigen von den teilweise lautstarken Besuchen in seiner Abwesenheit. „Ich hab ihm daraufhin gesagt, dass er nicht mehr kommen braucht“, sagte der Beschuldigte. Auch die finanziellen Zuwendungen stellte der Wiener ein, worauf der Bursche versucht haben soll, ihm unter Gewaltanwendung die Geldbörse zu entreißen. Angezeigt hat der 64-Jährige den Überfall nicht. „Ich war blauäugig, blöd“, sagte er.

Auch als der Bursche drohte, dass er ihn wegen sexuellen Missbrauchs anzeigen wolle, meldete der 64-Jährige das nicht. „Ich wollte ihm in der WG nicht noch mehr Probleme machen.“ Ein Freund hatte ihn allerdings gewarnt: „Ich hab gesagt, schmeiß ihn doch raus, er bringt dich noch ins Gefängnis. Und das ist ja auch passiert“, sagte der 57-Jährige im Zeugenstand. Kurz darauf wurde der 64-Jährige angezeigt und in U-Haft genommen. Wegen Vergewaltigung, sexuellen Missbrauchs einer wehrlosen oder psychisch beeinträchtigten Person, Kinderpornos, versuchter Nötigung und Suchtmittelmissbrauchs wurde Anklage erhoben.

Der Jugendliche berichtete nämlich, er sei seit Frühjahr 2019 von dem 64-Jährigen unter Drogen gesetzt und 16 Mal vergewaltigt worden sein. Unter Androhung von Schlägen soll der Mann seinen Schützling immer wieder missbraucht haben. Auf dem PC des Mannes wurden bei einer Hausdurchsuchung später allerdings auch Kinderpornos gefunden, was den Verdacht erhärtete. „Zu den Dingen mit den Bildern bekenne ich mich schuldig, aber alles andere nicht“, sagte der 64-Jährige dem Schöffensenat. „Ich war selbst ein Heimkind und wurde missbraucht, da ist was hängen geblieben.“ Er hätte dem Burschen aber keine Gewalt antun können: „Ich bin ein komplett sensibler Mensch.“ Die Anschuldigungen seien aus Rache erhoben worden.


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