Weitere Coronavirus-Infektionen in Österreich

In Österreich lagen bis Dienstagnachmittag 21 offiziell bestätigte Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus vor. Dazu wurden drei weitere Fälle bekannt, die im Unternehmen eines schwer erkrankten Wiener Juristen aufgetreten sind. Am Wiener Landesgericht wurde deswegen eine Hauptverhandlung abberaumt.

„Diese drei Mitarbeiter zeigen keine Symptome einer Erkrankung und wurden sofort in häusliche Quarantäne gestellt“, teilte die betroffene Großkanzlei Wolf Theiss mit. Nachdem feststand, dass sich der Anwalt mit dem Sars-CoV-2-Erreger infiziert hat, wurden alle Mitarbeiter privat von einem deutschen virologischen Institut getestet, ohne Anordnung der Behörden, sagte Barbara Fürchtegott, Sprecherin der Kanzlei.

Die drei Erkrankten - eine ehemalige Mitarbeiterin, die am Montag am Landesgericht für Strafsachen als Praktikantin begann, und zwei Anwälte - wurden nach Bekanntwerden der Testergebnisse auch von den heimischen Behörden untersucht und vom Gesundheitsdienst der Stadt Wien (MA 15) in häusliche Absonderung geschickt. Alle drei waren am Dienstag zu Hause geblieben.

Im Wiener Landesgericht für Strafsachen sei nach menschlichem Ermessen keine Ansteckungsgefahr gegeben. Das teilte das Justizministerium mit. „Die Kollegin zeigt bisher keinerlei Symptome. Insbesondere leidet sie nicht unter Husten oder anderen respiratorischen Symptomen. Das bedeutet, dass das Risiko der Übertragung ausgesprochen gering ist“, betonte Christina Ratz, Ressortmediensprecherin des Justizministeriums. Gegenüber der APA erläuterte Ratz: „Es besteht keine Ansteckungsgefahr, sofern mit der Kollegin kein enger körperlicher Kontakt wie Händeschütteln oder mehr als 15-minütiges Gespräch im Abstand von weniger als zwei Metern stattgefunden hat.“

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper

Von den bisher untersuchten Mitarbeitern der Kanzlei waren über 200 Tests negativ, Mitarbeiter, die noch kein Ergebnis in Händen haben, arbeiten vorerst im Homeoffice. Der Gesundheitsdienst der Stadt Wien will nun die Ergebnisse der heute abgenommenen Proben der drei Mitarbeiter abwarten. Dann soll entschieden werden, ob auch die restlichen Kanzleikräfte offiziell getestet werden, sagte Andreas Huber, Sprecher des medizinischen Krisenstabs der Stadt Wien.

Von den drei - von insgesamt bisher 21 - am Dienstag bekannt gewordenen bestätigten SARS-CoV-2-Fällen traten zwei in Wien und einer in Niederösterreich auf. Es handelt sich zum einen um ein Paar aus Wien, das sich nach einem Italien-Aufenthalt bei den Behörden meldete. Die Betroffenen sind „mit leichterer Symptomatik in häusliche Absonderung an ihrer Wohnadresse“ genommen worden seien, so Huber. Zum anderen bestätigte sich bei einer Frau im Bezirk Korneuburg der Verdacht. Auch bei ihr nehme die Erkrankung einen leichten Verlauf, sagte Detlef Polay, Sprecher des Einsatzstabs im Innenministerium. Die Patientin befinde sich daher mit zwei weiteren Familienmitgliedern ebenfalls in Heimquarantäne. Der „Patient 0“ sei in diesem Fall bekannt: Die Betroffene habe Kontakt mit einer schon vor einigen Tagen als infiziert ermittelten Person gehabt.

Laut Gesundheitsministerium gab es damit 21 offiziell bestätigte Erkrankungsfälle in ganz Österreich: elf in Wien, drei in Niederösterreich, zwei in Tirol, weitere zwei in Salzburg und drei in der Steiermark. 2.683 Tests wurden bisher durchgeführt. Weiterhin befinden sich rund 350 Menschen in Quarantäne. Meist handelt es sich dabei um Personen, die engen Kontakt mit am neuartigen Coronavirus Erkrankten hatten und als Vorsichtsmaßnahme auf behördliche Anweisung abgesondert wurden.

„Ich appelliere daran, die Geduld zu haben. Wir haben eine Inkubationszeit von bis zu zwei Wochen. Unser Grundkonzept ist die Ausbreitung auf Basis des jeweiligen Erkrankungsfalles und des Umfelds zu unterbinden“, sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne). Er habe den Eindruck, dass die meisten Betroffenen geduldig seien.

Auf dem Flughafen Wien in Schwechat wurden indes wieder Fiebertests aufgenommen. Gescannt werden Passagiere von Direktverbindungen aus dem Iran und Südkorea, teilte die niederösterreichische Landessanitätsdirektorin Irmgard Lechner vor Journalisten in St. Pölten mit. Jeder Fluggast werde auch eine Aussteigekarte (Passenger Locator Card) mit entsprechenden Angaben ausfüllen müssen.


Kommentieren


Schlagworte