Jahrzehntelang Geld aus Klagenfurts Stadtkasse abgezweigt

Ein Mitarbeiter der Stadt Klagenfurt, der Ende 2019 in Pension gegangen ist, hat jahrzehntelang Geld aus der Stadtkasse abgezweigt. Wie Bürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz (SPÖ) am Dienstag bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz erklärte, liegt der bisher festgestellte Schaden bei 1,76 Millionen Euro. Der Mann wurde bei der Staatsanwaltschaft angezeigt.

„Die Stadtkasse ist jedes Jahr geprüft worden, es haben die Zahlen immer ganz genau gestimmt“, betonte Mathiaschitz. Möglich wurden die Malversationen, die laut Magistratsdirektor Peter Jost mit „hoher krimineller Energie“ durchgeführt worden waren, durch das kameralistische Buchungssystem. Dadurch seien immer nur Kalenderjahre erfasst worden, der Mann habe aber die Möglichkeit gehabt, nach dem Jahresabschluss noch nachträglich rückwirkende Buchungen für den Dezember durchzuführen. Er nahm Bargeld aus der Kasse und fingierte Einzahlungsbelege für die fehlende Summe bei einer anderen Bank. Damit das tatsächlich verschwundene Geld bei der Abrechnung aber nicht auffällt, wurde es auf das stadtinterne Verrechnungskonto gebucht. „Der Saldo hat so immer gestimmt“, erklärte Jost und fügte hinzu, man müsse aber auch sagen: „Das Kontrollsystem hat versagt.“

Bei den nun durchgeführten Überprüfungen konnte dieses Konto bis ins Jahr 1997 zurückverfolgt werden. Damals betrug der Saldo 380.000 Schilling (27.616 Euro). In den Folgejahren wuchs diese Summe um durchschnittlich 70.000 Euro jährlich, in einzelnen Jahren waren die Sprünge auch deutlich höher, bis zum jetzigen Stand von 1,76 Millionen. Einer Mitarbeiterin fiel jetzt das Verrechnungskonto auf, sie schlug Alarm. Der Magistratsdirektor erfuhr am vergangenen Donnerstag von dem Verdacht, worauf die Überprüfungen veranlasst wurden. Der Mitarbeiter habe seine Vertrauensposition ausgenutzt, sagte Mathiaschitz. Der Mann bestreitet die Malversationen. Er habe zwar einige Umbuchungen vorgenommen, könne sich die fehlenden 1,76 Millionen aber nicht erklären, habe er gegenüber dem Magistratsdirektor ausgesagt.

Nun wird in der Buchhaltung der Stadt jedes Steinchen umgedreht, sämtliche Belege der vergangenen Jahre und Jahrzehnte werden überprüft. Es werde eine interne tiefgehende Prüfung geben, sagte Mathiaschitz. Dazu soll ein gerichtlich beeideter Sachverständiger für Rechnungswesen bestellt werden, der die Sache von außen überprüft. Die internen Kontrollsysteme wurden per Weisung bereits verschärft. Weiters wird die Stadt eine Schadenersatzklage einbringen. Ob das Zivilverfahren parallel zum Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft laufen wird oder dessen Resultate abgewartet werden, könne man derzeit noch nicht sagen, so der Magistratsdirektor.

Warum der Mann über Jahrzehnte Geld abgezweigt hat bzw. wofür er es verwendet hat, liegt völlig im Dunklen. Er habe weder ein teures Auto noch teure Kleidung gehabt, auch über Spielsucht oder Ähnliches sei im Magistrat nichts bekannt.


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