Ärzte informieren: Manche Medikamente verwirren

Am Weltdelirtag weisen Experten auf das Risiko von Verwirrtheitszuständen speziell im Krankenhaus hin.

Ärzte sollten über die bestehende Medikation informiert werden.
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Innsbruck – Es gibt eine Checkliste der Tirol Kliniken, die Patienten daran erinnert, was sie für einen stationären Aufenthalt einpacken sollten. Der erste Punkt lautet: „Medikationsplan oder Medikamente, die Sie derzeit einnehmen“. Außerdem sind Hörgerät, Brille, Orientierungshilfen, usw. aufgelistet. Patienten sollten nichts Neues kaufen, sondern nur vertraute Sachen mitbringen.

Am 11. März ist World Delirium Awareness Day. An diesem Tag wird weltweit auf die Gefahr von organisch bedingten Delir-Zuständen aufmerksam gemacht. Alle genannten Punkte zielen darauf ab, einer akuten Verwirrtheit vorzubeugen. Denn: „Je älter und je schwerer krank ein Patient ist, desto höher ist das Risiko, dass er in einen Verwirrtheitszustand kommt“, sagt Renate Groß, Psychiaterin vom Konsildienst der Uniklinik für Psychiatrie 2. Studien hätten ergeben, dass zehn bis 24 Prozent der Patienten über 70 Jahren bereits bei der Aufnahme ins Spital verwirrt sind.

OPs, Infekte, Blutzuckerentgleisungen, Exikose durch zu geringe Trinkmengen, Schmerzen oder Veränderungen der Blutsalze sind Faktoren, die das Delir-Risiko potenzieren. Patienten, die schon einmal ein Delir durchgemacht haben, deren Kognition beeinträchtigt ist oder die eine Demenzerkrankung haben, sind laut Groß sehr gefährdet.

Einen wesentlichen Anteil haben auch Medikamente, wie Sabine Bischinger, klinische Pharmazeutin der Anstaltsapotheke an der Innsbrucker Klinik, weiß. „Es ist wichtig, dass Patienten bei Eintritt ins Krankenhaus eine vollständige Liste der Medikamente bei sich haben, in der nicht nur die ärztlich angeordneten Arzneien aufgeführt sind, sondern auch frei verkäufliche Mittel, wie z. B. pflanzliche Präparate und Nahrungsergänzungsmittel“, betont sie. Jede Lutschtablette sollte erwähnt werden. Abgesehen von den einzelnen Nebenwirkungen erhöhen Kombinationen bestimmter Arzneimittel das Risiko, ein Delir zu entwickeln.

Neben Schlafmitteln hätten speziell Anticholinergika ein hohes delirogenes Potenzial. Dazu zählen u. a. gewisse Antihistaminika, Schmerzmittel, Antibiotika und krampflösende Medikamente. Bischinger rät, auch Arzneien, die man schon lange einnimmt, immer wieder vom Arzt überprüfen zu lassen, „weil sich ihre Wirkung aufgrund der physiologischen Veränderungen, die auf unserem Alterungsprozess beruhen, mit der Zeit verändern kann“. (thm)


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