Das Löwenherz der Innsbrucker Haie sagt mit großer Demut Ade

Mit Florian Pedevilla (32) beendet ein beinharter Arbeiter nach 374 EBEL-Partien seine Eishockey-Karriere bei den Innsbrucker Haien.

Seine Kinder wie hier 2017 Töchterchen Sophia trägt er am Arm – Florian Pedevilla punktete bei den Haien über viele Jahre mit Härte und Herz.
© gepa

Von Alex Gruber

Innsbruck – In der letzten Sommervorbereitung zwickte schon das vor vier Jahren schwerverletzte Knie, dann kam noch eine gerissene Bizepssehne dazu und die Aussicht, im Mai als Versicherungskaufmann ins Berufsleben einsteigen zu können – es waren neben der geliebten Familie mit Frau Clarissa und den Kindern Sophia (7) und Alessio (4) mehrere Gründe, die Flo Pedevilla dazu bewegt haben, seine Profikarriere zu beenden.

„Die Zeit war reif, ich habe mir schon länger meine Gedanken gemacht. Wenn man älter wird, muss man auch jedes Jahr noch mehr investieren, um am selben Level zu bleiben“, sagt Pedevilla und spricht davon, selbst „den härtesten Weg“ beschritten zu haben. Als 19-Jähriger ließ er sich in der Saison 2006/07 in der Erste Bank Eishockeyliga vom damaligen HCI-Coach Alan Haworth aufs Eis schicken, um mit Paul Ullrich (Wien) zu fighten. Das war sein körperbetonter Einstieg ins Oberhaus. Weil der Haie-Kader damals aber zu stark war, schlug Pedevilla den Weg zu den ESC Harzer Wölfen (4. deutsche Liga) und zu Eindhoven Kemphanen (NED) ein, um 2009 in der Nationalliga wieder im Haifischbecken seinen Anker zu setzen. „Und der Titel in Liga zwei und Wiederaufstieg in die Erste Liga war etwas vom Größten“, erinnert er sich zurück.

Die härtesten Gegner wie hier Villachs Pellech nahm Pedevilla sich zur Brust.
© gepa

Nach 485 Partien (111 in Liga zwei, 374 in der EBEL) ist das Spiel aus. Für jenen Mann, der sich als „Goon“ bei den Haien einen Namen machte. „Viele Fights habe ich nicht verloren und in Sachen Strafminuten (911, Anm.) holt mich auch keiner mehr ein“, grinst der „Nino“, der mit den Jahren ruhiger geworden ist.

In seiner letzten Spielzeit wurde ihm auch die Ehre zuteil, die Haie als Captain aufs Eis zu führen, das „A“ für „Assistant“ trug er schon länger stolz auf der Brust: „Wenn mir früher einer gesagt hätte, ich würde in der ersten Liga Assistant Captain, hätte ich es nicht geglaubt“, lässt der zweifache Familienvater mit großer Demut wissen: „Ich bin dankbar für jedes einzelne Match, das ich bestreiten durfte. Ich habe viele Talente hinter mir gelassen, die eishockeytechnisch weit besser waren.“

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Es war das Kämpferherz eines Löwen, der im August seinen 33. Geburtstag feiert, das einen wie Flo Pedevilla ausgezeichnet hat. Dass er gegen Fehervar zuletzt in der Tiwag-Arena noch ein Traumtor schoss, rundet die bewegende Geschichte ab. Statt sich weiter fitspritzen zu lassen, kam dann die Operation an der Bizepssehne und auch der endgültige Schlussstrich im Kopf. Im Amateur-Hockey will er noch weitermachen: „Ich liebe diesen Sport.“ Mit dieser Einstellung ist er Kopf voraus in viele Schüsse gesprungen.


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