Tiroler Psychologin Robin Menges: „Kinder lehren Eltern viel“

Die Tiroler Psychologin Robin Menges spricht über die Tücken des Mottos „Wenn ich auf Instagram bin, bin ich“. In stürmischen Zeiten brauche es Erwachsene, die in der Lage sind, eigene Spannungen abzubauen und Grenzen zu setzen.

Robin Menges hat ein Handbuch zur Stärkung von Kindern und Jugendlichen veröffentlicht. „Selbst Wert Gefühl“ braucht man, um durchs Leben zu kommen.
© Foto TT/Rudy De Moor

Robin Menges hat ein Handbuch zur Stärkung von Kindern und Jugendlichen veröffentlicht. „Selbst Wert Gefühl“ braucht man, um durchs Leben zu kommen.

Erziehen wir ein Volk von Narzissten?

Robin Menges: Wir alle orientieren uns immer mehr am Äußeren. Vor allem Kinder und Jugendliche lernen, sich an Spiegelungen zu messen. Mittlerweile hat man das Gefühl, es regiert das Mott­o „Wenn ich auf Insta­gram bin, bin ich“.

Was kann man dieser Selbstbezogenheit entgegensetzen?

Menges: Es braucht die Verbundenheit mit sich selbst. Es geht um den Wert, den wir uns zumessen. Wenn wir mit Kindern reden, müssen wir sie ernst nehmen. Wir sollten fragen „Wie geht es dir damit?“ und viel zuhören. Jeder Mensch braucht das Gefühl, dass er in Ordnung ist, so wie er ist. Wir sollten nichts leisten müssen, um anerkannt zu werden. In der Menschenrechtskonvention steht: Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Wie sehr beeinflussen Eltern das Selbstwert­gefühl der Kinder?

Menges: Sehr stark. Es braucht Eltern, die sich ihres eigenen Wertes bewusst sind. Oft lehren Kinder die Eltern viel und machen sie sicherer. Jesper Juul sagte: Kinder sind am wertvollsten für Eltern, wenn sie am beschwerlichsten für sie sind.

Stärkt das Schulsystem unsere Kinder?

Menges: Es gibt viele sehr engagierte Lehrer. Aber das System vermittelt Kindern, dass sie über Noten und Leistung definiert werden. Das denkende Wesen hat wenig Raum, erwünscht ist das funktionierende Kind.

In Ihrem Buch „Selbst Wert Gefühl“ erzählen Sie, dass Sie Erwachsen­e fragen, wie sie sich beruhigen. Warum ist das wichtig?

Menges: Das verblüfft viele. Das Kind soll sich ja beruhigen, dabei sind sie selbst nervös. Gut ist, wenn man sich selbst verwurzelt und tief atmet.

Würden Sie sagen, dass die Pubertät die Nagelprobe ist?

Menges: Das ist eine sehr schwierige Phase für alle. Vor allem wenn uns die Heranwachsenden genau jene Punkte vorhalten, bei denen es wehtut. Reibung erzeugt auch Wärm­e. Wichtig ist, dass man im Konflikt zugewandt bleibt.

Heute ist Frauentag. Oft wird gesagt, die Burschen seien die Verlierer. Wie sehen Sie das?

Menges: Das Schulsystem kommt den Mädchen mehr entgegen. Es ist ein Problem, dass Buben kaum männliche Gegenüber haben. Wir müssen generell aufpassen, dass wir Buben und Mädchen nicht in Schubladen stecken. Mir gefällt der Begriff toxische (giftige) Männlichkeit nicht. Menschen verletzen zwar, aber sie sind nicht giftig.

Gibt es eine Erziehung, ohne Regeln?

Menges: Auch alternative Formen haben Regeln, oft jene, selbstständig sein zu müssen. Es benötigt Eltern, die Grenzen setzen. Gerade mit Jugendlichen brauchen Eltern ein gutes Gefühl für sich selbst und ihren Wert, wenn sie einmal die blödesten Eltern und dann die besten sind!

Das Interview führte Alexandra Plank


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