„Frauenhäuser sind für viele Hochgefährdete der einzig sichere Ort“

Die Tötung von Frauen hält 2020 an: Sechs Frauen starben. In Salzburg werden Frauenhäuser hinterfragt.

Gewalt gegen Frauen ist auch in Tirol ein großes Problem: Die beste Vorsorge ist, dass Abhängigkeiten beendet werden und Gleichberechtigung gelebt wird.
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Von Alexandra Plank

Innsbruck, Salzburg – Wer den Film „Die Dohna­l“ in den Kinos anschaut, bekommt den Tirol-Bezug geliefert. Die Lebensgefährtin der einstigen Ministerin erzählt, dass Dohnal mit dem Schicksal einer Zillertaler Bäuerin konfrontiert wurde, die ihr Mann misshandelt hatte. Letztlich verließ die Tirolerin den Gewalttäter.

Laut Gabi Plattner, Leiterin des Tiroler Frauenhauses, waren die Tiroler beim Opferschutz vorne dabei: „Zuerst wurde 1979 ein Frauenhaus in Wien eröffnet, 1981 folgten die Einrichtungen in Graz und Innsbruck.“ Hinsichtlich der heftigen Debatten rund um die drei Frauenhäuser im Land Salzburg mahnt Plattner Fairness ein. Zum Hintergrund: LR Andrea Klambauer (NEOS) will nach den Betreibern per europaweiter Ausschreibung suchen. Sie erklärt, die Frauenhäuser müssten weiterentwickelt werden. Die Opposition ortet die Zerschlagung der autonomen, unabhängigen Frauenhäuser.

Plattner hält dazu fest, dass die Frauenhäuser kein veraltetes Konzept seien, sondern sich laufend weiterentwickeln. „In den 80er-Jahren waren etwa die Frauen im Fokus, mittlerweile wissen wir genau, dass Frauenhäuser auch Kinderschutzeinrichtungen sind.“ Das Gewaltschutzgesetz (1997) ermögliche auch Wegweisungen und sei wichtig, Notwohnungen seien sinnvoll. Aber: „Für hochgefährdete Frauen ist das Frauenhaus der einzig sichere Ort.“ Wesentlich bleibe, dass sich die Angebote ergänzen und Hilfseinrichtungen nicht ausgespielt werden.

Plattner wundert sich, dass die Expertise der Salzburger Frauenhäuser nicht entsprechend genützt wird. Zur Situation in Tirol hält Plattner fest: Das Einvernehmen zwischen den Einrichtungen und dem Land sei bestens. Ein neues Haus biete barrierefreien und interkulturellen Zugang für 30 Frauen und Kinder. „Gewalt wird durch Machtgefälle begünstigt, Geschlechtergerechtigkeit ist die beste Vorsorge“, so Plattner. Ein großer Wunsch sei ein Frauenhaus im Oberland. Das werde von allen Tiroler Parteien unterstützt.

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Jede dritte Frau ist betroffen

Gefährdet. 2020 haben sechs Männer ihre Partnerinnen getötet. Weltweit ist das Problem riesig. Die größte Erhebung über Gewalt an Frauen, die die Europäische Union durchgeführt hat, kam zu diesem Ergebnis: Ein Drittel aller Frauen hat seit dem 15. Lebensjahr körperliche und/oder sexualisierte Gewalt erfahren. 38 % der Frauen zwischen 18 und 29 Jahren haben mindestens eine Form der sexuellen Belästigung erlebt, im Alter zwischen 30 und 39 Jahren waren es 24 %.

Österreich schneidet im Vergleich besser ab, es zeigt sich aber, dass noch vieles für einen besseren Schutz von Frauen gegen Gewalt getan werden muss: 35 % der Frauen haben seit ihrem 15. Lebensjahr eine Form der sexuellen Belästigung erlebt. Jede fünfte Frau hat körperliche und/oder sexuelle Gewalt erfahren. Jede siebte Frau hat Stalking erlebt.

Frauenhaus Tirol. 2019 gab es 5517 Aufenthaltstage im Frauenhaus und 5678 Aufenthaltstage in den Übergangswohnungen des Frauenhauses. 86 Frauen und 61 Kinder lebten im Frauenhaus und in den Übergangswohnungen. Es verzeichnete 3234 Beratungskontakte zum Thema Gewalt.

Gewaltschutzzentrum. 1201 Personen, 982 Frauen (82 %) und 219 Männer (18 %) wurden 2018 als Opfer häuslicher Gewalt/Stalking vom Gewaltschutzzentrum Tirol beraten. 773 Kinder lebten in den Haushalten und waren indirekt von Auswirkungen betroffen. Von 133 Kindern und Jugendlichen ist bekannt, dass sie in dem Zeitraum direkte Gewalt in der Familie erfahren haben.

Hilfe. Frauenhelpline gegen Gewalt: 0800 222 555; Tiroler Frauenhaus: 0512/ 342112, Gewaltschutzzentrum Tirol 0512/571313


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