Grazer Oper bringt umfassendes Programm zu „Die Passagierin“

Die Oper „Die Passagierin“ von Mieczyslaw Weinberg hat am 14. März in Graz Premiere. Das Werk entstand nach der autobiografischen Erzählung von Zofia Posmysz und handelt von einer ehemaligen KZ-Insassin, die in den 1960er-Jahren auf einer Kreuzfahrt eine frühere Lageraufseherin zu erkennen glaubt. Rund um die Aufführung gibt es Ausstellungen, außerdem erfolgt die Verlegung von drei Stolpersteinen.

Die 1968 entstandene Oper schildert die Erlebnisse auf einem Kreuzfahrtsschiff aus dem Blickwinkel der Täterin Lisa. Die Begegnungen mit der Vergangenheit in der Gestalt der KZ-Insassin Martha werden hier gezeigt. Dazu erklingt Musik, die sich zwischen Beethoven, Mahler und Schostakowitsch bewegt, ergänzt durch Kinderlieder, Chansons oder Folkloreanklänge. In der Rolle der Aufseherin kehrt Dshamilja Kaiser nach Graz zurück, Martha wird gesungen von Nadja Stefanoff.

„75 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz ist es für mich ein Gebot der Stunde, Mieczyslaw Weinbergs aufwühlendes und erschütterndes Meisterwerk ‚Die Passagierin‘ an der Oper Graz zu spielen. Diese Oper ist ein dringlicher Appell gegen das Vergessen und aufgrund ihrer Erzählweise auch ein Plädoyer für Menschlichkeit. Ich bin dankbar, dass wir um die Aufführungen herum gemeinsam mit engagierten Partnern ein komplexes und informatives Rahmenprogramm gestalten konnten“, meinte Intendantin Nora Schmid.

Ein Teil des Rahmenprogramms wird der Verlegung von drei Stolpersteinen vor der Oper gewidmet sein. Sie sollen an die Schauspielerin Hertha Heger, die Sängerin Ella Flesch und den Pianisten Fritz Jahoda erinnern. Diese Künstler waren in den 1930er-Jahren am Opernhaus engagiert - in dem damals auch Schauspiel stattfand - und mussten aufgrund ihrer jüdischen Wurzeln 1937 bzw. 1938 das Haus verlassen. Hertha Heger kehrte später nach Graz zurück und wirkte bis zu ihrer Pensionierung im Schauspielhaus, die beiden anderen Künstler blieben in Amerika, wohin sie ins Exil gegangen waren.

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In der Oper wird es vier Ausstellungen geben, die sich mit dem Leben und Werk der Autorin Zofia Posmysz beschäftigen, aber auch mit der Steiermark in der NS-Zeit sowie den Künstlern Alma und Arnold Rose. Der Stummfilm „Die Stadt ohne Juden“ (1924) von Hans Karl Breslauer wird mit der Musik von Olga Neuwirth in Kombination mit einer Lesung von Cornelius Obonya gezeigt (9. Juni).

Unter dem Motto „Friede auf Erden“ gibt es einen Abend mit der Musik von Arnold Schönberg und Igor Strawinksy, den Oksana Lyniv dirigiert. Sunnyi Melles liest unter anderem aus Schönbergs Werk „Ein Überlebender in Warschau“, außerdem steht das Oratorium „Oedipus Rex“ auf dem Programm.


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