„Alpen – Die Kunst der Panoramakarte“: Tolle Aussicht mit kleinen Tricks

Ein umfassender Bildband widmet sich einer speziellen Kunstform: den alpinen Panoramakarten.

Blick ins Karwendel, links der Achensee, rechts der Sylvenstein-Stausee. Ein Beispiel für die Alpenpanoramen von Heinrich C. Berann, dem Tiroler Begründer dieser Darstellungsform.
© H. C. Berann

Innsbruck, Absam – Hübsch anzusehen sind die groß­formatigen Panoramabilder, ohne die kaum ein touristischer Hotspot in den Alpen auskommt: Gipfel, Aufstiegshilfen, Wanderrouten und Sehenswürdigkeiten, schön bunt und einladend.

Nur Ortskennern wird auffallen, dass die Darstellungen den tatsächlichen Gegebenheiten nicht immer entsprechen. „Panoramen sind Auftragsarbeiten, die Wünsche der Auftraggeber fließen mit ein“, sagt Tom Dauer.

Der Bayer ist selbst Alpinist, er kennt sich aus in den Bergen. Bei den Recherchen für seinen Bildband „Alpen – Die Kunst der Panoramakarte“ (Prestel, 192 S., 41,20 Euro) stieß er dennoch auf Überraschungen. „Um das gewünschte Panorama zu erhalten, wurde mitunter auch getrickst“, berichtet Dauer.

Berge wurden weggelassen oder, obwohl weiter entfernt, ins Bild gerückt, manche Gipfel wurden stärker hervorgehoben. Dauers Fazit: „Ein Panorama ist nicht Wiedergabe einer Landschaft, sondern deren Interpretation.“

Als Pionier dieser Form der Gebrauchskunst bezeichnet Dauer den Tiroler Heinrich C. Berann (1915–1999). In seinem Atelier in Lans entstanden Alpendarstellungen, die technisch und darstellerisch wegweisend waren und sind.

Berann war Kunstmaler und Grafiker. Berge wollte er nie malen. 1934 erhielt er den Auftrag für ein Panorama zur Eröffnung der Großglockner-Hochalpenstraße. Damit war sein weiterer Berufsweg vorgezeichnet. (mark)


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