Immer mehr Frauen arbeiten, aber Lohnschere hält sich

Frauen sind zwar deutlich häufiger berufstätig als noch vor 20 Jahren, doch fast die Hälfte arbeitet Teilzeit. Das zeigen aktuelle Zahlen der Statistik Austria. Dementsprechend geht die Lohnschere zwischen Männern und Frauen nur sehr langsam zurück. Ebenfalls interessant: Ein Fünftel der Frauen hat eine Universität oder Akademie absolviert. Aber bei der Lehre hinken die Frauen hinterher.

Bei Universitätsabsolventen liegen Männer und Frauen fast gleichauf: 14,8 Prozent der Männer und 15,6 Prozent der Frauen hatten 2017 eine Hochschule absolviert, dazu kommen noch die Absolventinnen von Akademien (3,6 Prozent bei den Frauen und 1,1 Prozent bei den Männern). Bei Facharbeitern liegen die Männer allerdings deutlich vorne: 41,7 Prozent haben eine Lehre absolviert. Bei den Frauen ist es mit 26,6 Prozent nur etwas mehr als ein Viertel.

Die Berufswahl vieler Frauen und Mädchen wird denn auch für einen Gutteil des „Gender Pay Gap“ verantwortlich gemacht, also die Lohnschere zwischen Männern und Frauen. Diese schließt sich laut aktuellen Berechnungen der Statistik Austria zwar: Demnach haben Frauen 2008 ein Viertel (25,1 Prozent) weniger verdient als Männer, 2018 betrug der Unterschied „nur“ noch ein Fünftel (19,6 Prozent). Allerdings liegt die Lohnschere beim Bruttostundenlohn immer noch deutlich über dem EU-Durchschnitt von 15,7 Prozent.

Die Gründe für diese beträchtlichen Lohnunterschiede hat die Statistik Austria zuletzt auf Basis von Daten aus dem Jahr 2014 errechnet. Demnach lässt sich ein Teil des Unterschieds dadurch erklären, dass Frauen häufiger in schlecht bezahlten Berufen und Branchen arbeiten sowie öfter in Teilzeit gehen: Fast jede zweite Frau arbeitet Teilzeit (47,5 Prozent), bei Männern ist es nur jeder Neunte (11,2 Prozent). Mehr als die Hälfte des Lohnunterschiedes bleibt damit aber unerklärt.

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Die wirtschaftsliberale „Agenda Austria“ hat zuletzt aber auch auf den Einfluss der Kindererziehung auf die Lohnschere hingewiesen. Demnach verdienen Mütter nicht nur weniger als Männer, sondern auch weniger als ihre kinderlosen Kolleginnen. Selbst zehn Jahre nach der Karenz kommen Mütter demnach nur auf 2.277 Euro monatlich, Frauen ohne Kinder dagegen auf 3.411 Euro. Wobei Frauen in Bundesländern mit gut ausgebauter Kinderbetreuung wie Burgenland, Wien und Kärnten deutlich besser aussteigen als etwa in den drei westlichen Bundesländern.

Klar ist laut den Zahlen der „Statistik Austria“ auch, dass die niedrigeren Einkommen gemeinsam mit den durch die Kindererziehung ausgelösten Erwerbs-Lücken zu höheren sozialen Risiken führen: Die durchschnittliche Alterspension der Frauen liegt mit 982 Euro monatlich nämlich um fast 50 Prozent unter jener der Männer (1.953 Euro). Auch bei den neu zuerkannten Pensionen sinkt dieser Unterschied nicht: Männer erhalten 2.232 und Frauen 1.133 Euro.

Frauen starten auch später in die Selbstständigkeit, sind vorsichtiger, länger am Markt, geringer fremdfinanziert - und verbleiben primär in den „klassischen“ Frauenberufen. Dominant ist der Handel, von rund 20.000 Gründungen entfielen hier im Vorjahr 15.000 auf Frauen. Bei Start-ups hingegen waren es nur 18 Prozent, rechneten heute Erste Bank und Sparkassen bei einer Pressekonferenz vor.

2019 wurden 32.386 Unternehmen neu gegründet (ohne Pflegeberufe, die deutlich weiblich dominiert sind). Der Frauenanteil lag bei 45 Prozent, ihr Alter im Schnitt bei 41 Jahren. Bei den Männern waren es 36 Jahre. Innerhalb der vergangenen zehn Jahre stieg die Anzahl der Frauen an den Gründungen um sechs Prozent an.

Recht unterschiedlich sind die Gründungsmotive: Während bei Männern die Selbstbestimmtheit und der bessere Verdienst dominieren (45 zu 31 Prozent) sind der Punkt „Vereinbarkeit mit der Familie“ für 23 Prozent der Frauen ausschlaggeben, aber nur für 13 Prozent der Männer, so das Ergebnis einer Umfrage im Auftrag von Erste Bank und Sparkassen (Sample: 400 Gründer und Gründerinnen).

Auffällig ist, dass Frauen bei der Gründung besser qualifiziert und finanziell aufgestellt sind. Dafür erachten sie die bürokratischen Hürden als höher (Frauen 34 Prozent, Männer 28 Prozent). Wiederum ist Männern bei Ihrer Gründung Digitalisierung und die Nutzung neuer Technologien weit wichtiger (44 zu 34 Prozent).

Signifikant unterschiedlich ist, der Umfrage des IMAS-Institutes zufolge, der Zugang zur Finanzierung. Frauen veranschlagen dafür nur die Hälfte der Summer der Männer. Dies ist - unter anderem - auf den unterschiedlichen Branchenmix zurück zu führen, so Thomas Schaufler, Privatkundenvorstand der Erste Bank.

Als Aufgabe an seine Branche sieht er den Ausbau der Anschlussfinanzierungen. „Damit die Gründer nicht dann nach Berlin ausweichen müssen“, so Schaufler.


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