Inszenierung von Michaela Schwentner: Aufforderung zum handfesten Protest

„re-FORM (again!)“ nennt Michaela Schwentner ihre Intervention in drei Akten in der Neuen Galerie Innsbruck.

Akt eins von Michaela Schwentners theatralischer Inszenierung in der Neuen Galerie spielt auf einer Insel, die auch ein Floß sein könnte.
© jarosch

Von Edith Schlocker

Innsbruck – „Everything depends on how you enter“ steht an der dem Eingang zur Neuen Galerie gegenüberliegenden Wand geschrieben. Ein Satz, der programmatisch für den Auftritt von Michaela Schwentner ist, einer in Wien und Bern lebenden Linzerin, die als Filmemacherin und Performerin international unterwegs ist.

„re-FORM (again!)“ ist der etwas sperrige Titel der mehrteiligen Inszenierung der 50-Jährigen. Zu deren Verständnis es sehr nützlich ist, zuerst das kleine Begleitheft zur Schau zu studieren oder sich eine Führung durch eine der galeristischen Mitarbeiterinnen angedeihen zu lassen. Denn von selbst erschließen wird sich die in drei Akten zelebrierte Inszenierung Schwentners nur schwer.

In Akt eins geht der auf einem Bildschirm flimmernde, sich poetisch am Boden spiegelnde Vorhang auf. Gemustert im subtil verschobenen Muster der Commedia dell’arte, unterlegt von einer weiblichen Stimme, die der Miranda aus Shakespeares „Sturm“ gehört. Und das alles spielt auf einem Rechteck, das eine Insel genauso wie ein Floß sein könnte.

Spätestens nun weiß man, dass Schwentners „Theater“ sehr viel mit der Flüchtlingsproblematik, die sich vor der „Festung Europa“ abspielt, zu tun hat. Besonders Akt zwei, der aus einem Kurzvideo besteht. Seine Requisiten sind Fotos von Mittelmeeridyllen, eine goldene und zwei weiße menschliche Figuren. Die von einer überdimensionalen Hand wie auf einem Spielfeld, einer nicht durchschaubaren Logik folgend, herumgeschoben werden.

Auf die Wand nebenan wirft ein Projektor Regieanweisungen unterschiedlichster Art. Da werden Fragen aufgeworfen, mögliche Formen des Protests thematisiert. In Akt drei geht es schließlich handfest zur Sache. Wird per Video vorgeführt, wie man die real im Raum gestapelten Stühle neu arrangieren könnte. Die die Künstlerin als Metapher für das, was nicht stimmt, einsetzt. Als variable Masse, die vage so etwas wie Hoffnung suggeriert.


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