Italien prüft wegen Covid-19 Schulsperren im ganzen Land

Italien prüft die Schließung aller Schulen und Universitäten im ganzen Land wegen der Corona-Krise. Die Entscheidung ist nach Aussagen der italienischen Schulministerin aber noch nicht gefallen. Ein entsprechendes Dekret ist von der Regierung noch nicht verabschiedet worden, verlautete aus Regierungskreisen. In der EU ist Italien mit über 2.500 Infektionen und 79 Toten am stärksten betroffen.

„Bisher gibt es keine Schließungen“, sagte Lucia Azzolina laut Angaben der Nachrichtenagenturen Ansa und Adnkronos am Mittwoch. Eine Entscheidung solle erst in den kommenden Stunden fallen. Zuvor hatten Agenturen berichtet, diese Maßnahme werde bis Mitte März ergriffen. Insgesamt haben sich mehr als 2.500 Menschen mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert. Viele sind jedoch auch schon wieder genesen. Bisher waren vor allem die Schulen im stark betroffenen Norden des Landes geschlossen.

Elf Gemeinden im Norden, in der Lombardei und Venetien sind bereits die zweite Woche gesperrt. In der Lombardei, der Emilia-Romagna und in Venetien sind die Fallzahlen besonders hoch. In der Lombardei war in der Provinz Lodi am 21. Februar der erste Krankheitsfall dieses Ausbruchs bekannt geworden. Experten vermuten allerdings inzwischen, dass das Virus schon früher im Land vorkam, vermutlich schon im Jänner.

Die Lombardei denkt zusätzlich an eine Ausdehnung der „roten Zone“. Dabei handelt es sich um die Sperrzone aus elf Gemeinden mit rund 50.000 Einwohnern in der Provinz Lodi, in denen der Infektionsherd lokalisiert wurde und die seit zehn Tagen unter Quarantäne stehen.

Angesichts der Epidemie beschloss die italienische Regierung auch, die Zahl der Plätze auf den Intensivstationen der Krankenhäuser um 50 Prozent zu erhöhen. Bei der Zahl der Betten in den Abteilungen für Pneumologie und Infektionskrankheiten kommt es zu einer Verdoppelung, legte die Regierung am Mittwoch in Rom fest. Private Kliniken sollen Plätze für Coronavirus-Patienten zur Verfügung stellen. Medizinisches Personal aus den benachbarten Regionen soll in Krankenhäusern eingesetzt werden, die wegen der hohen Anzahl an Infektionen besonders belastet sind.

In China ging indes die Zahl der bestätigten Coronavirus-Fälle weiter zurück. Am Dienstag habe es rund 120 neue Fälle gegeben, teilten die chinesischen Behörden am Mittwochvormittag (Ortszeit) in Peking mit. 38 Menschen seien am Dienstag an der Krankheit gestorben, um sieben mehr als am Vortag. Die Zahl der bestätigten Coronavirus-Infektionen stieg damit auf über 80.270, die Zahl der Toten auf 2.981.

Südkorea blieb unterdessen jenes Land, in dem sich das Coronavirus derzeit am schnellsten ausbreitet. Am Dienstag seien 516 neue Fälle bestätigt worden, berichteten die Behörden in Seoul. Damit blieb der Zuwachs jedoch unter dem Wert des Vortages, als fast 600 neue Fälle gemeldet wurden. Insgesamt sind 5.328 Menschen in Südkorea mit dem Coronavirus infiziert worden, 32 Menschen starben.

In Japan meldeten die Behörden indes den 1.000 Coronavirus-Fall. Damit breitete sich das Virus weiter im Land aus, was fünf Monate vor den Olympischen Spielen in Tokio eine Hiobsbotschaft für deren Organisatoren war und Spekulationen über eine Absage oder Verschiebung des Sport-Großereignisses anheizte.

Die US-Arzneimittelzulassungsbehörde FDA gab nach Angaben von Gesundheitsminister Alex Azar grünes Licht für erste klinische Tests eines potenziellen Impfstoffs gegen das Coronavirus. Azar äußerte sich am Dienstag nach einem Besuch des Nationalen Gesundheitsinstituts in Bethesda (Maryland) mit US-Präsident Donald Trump. Azar und Trump wurden dabei vom Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten, Anthony Fauci, begleitet. Fauci sagte, dass der bisherige Zeitplan für einen Impfstoff unverändert bleibe.

In den USA stieg die Zahl der Todesopfer durch das Virus Sars-CoV-2 auf neun an. Alle Toten wurden im Bundesstaat Washington an der Westküste gemeldet. Azar sagte, inzwischen seien 108 Fälle von Infektionen in den USA festgestellt worden. Trump hat sich in den vergangenen Tagen bemüht, eine etwaige Gefahr durch das Virus in den Vereinigten Staaten herunterzuspielen.

Auch Amazon meldete einen Coronavirus-Fall an seinem Hauptsitz in Seattle. Bei einer Person sei die Infektion nachgewiesen worden, wie der weltgrößte Online-Händler am Mittwoch bestätigte. Die Amazon-Büros sind über die Innenstadt von Seattle verteilt. Amazon hat mehr als 50.000 Mitarbeiter in der Region. Das Gebiet rund um Seattle entwickelte sich in den vergangenen Tagen zu einem Schwerpunkt von Infektionen mit dem Virus in den USA.

In Deutschland zählt das Robert Koch-Institut (RKI) bisher rund 200 nachgewiesene Infektionen. Allerdings wurde wegen eines Verdachtsfalls in Frankfurt ein ICE gestoppt. Das teilte die Bundespolizeiinspektion am Mittwochmittag mit. Der Zug war unterwegs nach Stuttgart, an Bord seien 300 Reisende. Die betreffende Person sei im Zug isoliert und das Gesundheitsamt informiert worden. Wann der Zug seine Fahrt Richtung Stuttgart fortsetzen kann, steht laut Bundespolizei noch nicht fest.

In Polen wurde erstmals bei einem Patienten das Virus nachgewiesen. Mit dem Irak meldete das erste Land der arabischen Welt einen Toten durch das Virus.

Weltweit haben sich dem RKI zufolge inzwischen rund 91.000 Menschen in über 70 Ländern nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. In der EU ist Italien mit über 2.000 dieser Infektionen am stärksten betroffen. Unterdessen wurde auch ein Mitglied des friaulischen Regionalparlaments positiv getestet. Die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Personen ist in Kärntens Nachbarregion auf 13 angestiegen.

Die Weltbank stellt Entwicklungsländern für den Kampf gegen das Coronavirus Kredite und Hilfsgelder in Höhe von insgesamt zwölf Milliarden Dollar (10,79 Mrd. Euro) bereit. Es gehe darum, den Staaten „schnell“ und „flexibel“ zu helfen, um den Folgen der Covid-19-Epidemie zu begegnen, erklärte Weltbankpräsident David Malpass. Kurz zuvor hatten die Weltbank und der Internationale Währungsfonds (IWF) ihre jährliche Frühjahrstagung in den USA abgesagt. Die ursprünglich für Mitte April am Sitz der Organisationen in Washington geplanten Treffen sollten nun in einem „virtuellen Format“ stattfinden.

Die rasante Ausbreitung des Erregers alarmiert auch die Notenbanken. Einzelne Zentralbanken - darunter auch die mächtige US-Notenbank - haben bereits mit Stützungsaktionen begonnen. Die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank of England beließen es bisher bei verbalen Versicherungen, dass sie notfalls zum Handeln bereit wären.


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