CoV: Einreisestopp für österreichische Touristen nach Israel

Aus Sorge vor der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus dürfen österreichische Touristen nicht mehr nach Israel einreisen. Auch Personen aus Deutschland, der Schweiz, Frankreich und Spanien sind davon betroffen. Die Dauer der Maßnahme ist noch nicht absehbar, hieß es seitens des Außenministeriums gegenüber der APA. Italien prüft indes drastische Maßnahmen, um das Virus einzudämmen.

Reisende wurden aufgerufen, sich unmittelbar mit ihrer Fluglinie in Verbindung zu setzen. Israelische Rückkehrer müssen sich für 14 Tage in häusliche Quarantäne begeben, teilte Regierungschef Benjamin Netanjahu mit. Touristen aus den betroffenen Ländern dürften nur einreisen, wenn sie glaubhaft beweisen könnten, dass sie eine häusliche Quarantäne einhalten können. Diese Bestimmung solle in den kommenden Tagen in Kraft treten.

Internationale Konferenzen in Israel sind komplett abgesagt. Auch israelische Rückkehrer von internationalen Konferenzen müssten zwei Wochen in Heimquarantäne. Diese Bestimmungen gelten bereits für Reisende aus Italien. Man werde Touristen, die sich in den letzten 14 Tagen im Iran, Irak, Syrien oder Libanon aufgehalten haben, die Einreise verweigern, hieß es zudem.

Italien erwog wegen der Coronavirus-Epidemie zudem immer drastischere Maßnahmen und prüfte die Schließung aller Schulen und Universitäten im Land zunächst bis 13. März. Italien ist das in Europa am schwersten vom Ausbruch des SARS-CoV-2-Virus betroffene Land. Bis Mittag wurden 79 Tote und rund 2.500 Infektionen registriert.

Neben der möglichen Sperre der Forschungs- und Bildungsanstalten in Italien denkt die Lombardei an eine Ausdehnung der „roten Zone“. Dabei handelt es sich derzeit um die Sperrzone aus elf Gemeinden mit rund 50.000 Einwohnern in der Provinz Lodi, in denen der Infektionsherd lokalisiert wurde und die seit zehn Tagen unter Quarantäne stehen. Angesichts einer zunehmenden Zahl von Infektionsfällen überlegt die Gesundheitsbehörden die Erweiterung der „roten Zone“ auf einige Gemeinden in der lombardischen Provinz Bergamo.

Neben Plänen zur Schließung von Schulen, Universitäten und Kindergärten könnten auch alle Kinos und Theater gezwungen werden, ihren Betrieb einzustellen. Bis zum 20. März sollen auch Kongresse und Seminare verschoben werden. Dasselbe gilt für Sportveranstaltungen, hieß es in Regierungskreisen. Senioren im Alter von über 75 Jahre werden aufgerufen, nicht dort zu verkehren, wo es zu Menschenansammlungen kommen könnte. Der Zugang von Angehörigen von Patienten zu Spitälern wird stark eingeschränkt.

Erwartet wird, dass die Regierung bis Mittwochabend eine Verordnung mit den neuen Maßnahmen verabschiedet. Premier Giuseppe Conte führte am Nachmittag noch Gespräche mit den Präsidenten der Regionen.

Weltweit wurden bisher mehr als 94.000 Infektionen mit dem Coronavirus bestätigt. Ebenfalls schwer betroffen sind neben China, Südkorea und der Iran. In China geht die Zahl der Neuinfektionen jedoch inzwischen zurück.

In Deutschland zählte das Robert Koch-Institut (RKI) bis Mittwochvormittag 240 nachgewiesene Infektionen. Viele Patienten sind inzwischen wieder gesund. Schwere Covid-19-Verläufe sind selten, ein darauf zurückgehender Todesfall wurde in Deutschland wie in Österreich bisher nicht erfasst. Allerdings gehen die Behörden von einer Verschlechterung der Situation aus. In Deutschland habe eine Epidemie begonnen, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn am Mittwoch in einer Regierungserklärung im Bundestag. „Der Höhepunkt der Ausbreitung ist noch nicht erreicht.“

Die EU-Institutionen haben inzwischen den ersten Fall einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus gemeldet. Ein Mitarbeiter der Europäischen Verteidigungsagentur (EDA) in Brüssel sei positiv auf das Virus getestet worden, sagte eine EDA-Sprecherin am Mittwoch. Demnach kam der Beamte am 23. Februar von einer Reise nach Italien zurück.

Seinen ersten bestätigten Fall bekam unterdessen Polen. Bei einem Mann aus der westpolnischen Woiwodschaft Lebus wurde das SARS-CoV-2-Virus festgestellt, der sich zuvor in Deutschland aufgehalten habe, sagte Gesundheitsminister Lukasz Szumowski am Mittwoch. Der polnische Patient habe sich telefonisch bei seinem Hausarzt gemeldet. Da die Symptome eine Covid-19-Erkrankung nahelegten, sei er daraufhin mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus in Zielona Gora gebracht worden. „Es geht ihm gut. Alle Personen, die mit dem Mann in Kontakt waren, sind in Quarantäne“, sagte Szumowski.

Positive Nachrichten gab es inzwischen aus China, wo die Zahl der bestätigten Coronavirus-Fälle weiter zurückging. Am Dienstag habe es 119 neue Fälle gegeben, teilten die chinesischen Behörden in Peking mit. 38 Menschen seien am Dienstag an der Krankheit gestorben, um sieben mehr als am Vortag. Die Zahl der bestätigten Coronavirus-Infektionen stieg damit auf mehr als 80.000, die Zahl der Toten auf 2.981. Auf die zentrale Provinz Hubei entfielen am Dienstag 37 Todesfälle und 115 Neuinfektionen.

Die Behörden in Hongkong haben eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus bei einem Hund bestätigt. Bei mehreren Untersuchungen im Abstand einiger Tage sei das Haustier einer Coronavirus-Patientin „schwach positiv“ getestet worden, teilten die Behörden am Mittwoch mit. Der Zwergspitz weise einen „niedrigen Infektionsgrad“ auf, erklärte das Hongkonger Landwirtschaftsministerium. Experten von Universitäten und der Weltorganisation für Tiergesundheit zufolge sei es mutmaßlich der erste Fall einer Übertragung von Mensch zu Tier.

Südkorea blieb unterdessen jenes Land, in dem sich das Coronavirus derzeit am schnellsten ausbreitet. Am Dienstag seien 516 neue Fälle bestätigt worden, berichteten die Behörden in Seoul. Damit blieb der Zuwachs jedoch unter dem Wert des Vortages, als fast 600 neue Fälle gemeldet wurden. Insgesamt sind 5.328 Menschen in Südkorea mit dem Coronavirus infiziert worden, 32 Menschen starben. In Japan meldeten die Behörden den 1.000 Coronavirus-Fall.

Im Iran ist die offizielle Zahl der Coronavirus-Toten und -Infizierten nach Angaben des Gesundheitsministeriums erneut gestiegen. Die Zahl der Toten habe sich innerhalb von 24 Stunden von 77 auf 92 erhöht, sagte Ministeriumssprecher Kianush Dschahanpur am Mittwoch in Teheran. Insgesamt sind laut Dschahanpur 2.922 Menschen - 586 mehr als am Vortag - positiv auf das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 getestet worden. Gleichzeitig seien 552 Patienten geheilt und aus den Krankenhäusern entlassen worden, berichtete der Sprecher.

Der Iran wies auch ein US-Hilfsangebot zurück. Diejenigen, die dem iranischen Volk durch „bösartige“ Sanktionen Medikamente und Nahrung vorenthielten, „erscheinen jetzt mit einer Maske des Mitgefühls und sagen, sie wollten der iranischen Nation helfen“, sagte Präsident Hassan Rohani am Mittwoch in einer klaren Anspielung auf die USA. Zu einem Angebot von US-Präsident Donald Trump sagte Rohani: „Unser Volk weiß sehr gut, dass Sie lügen.“


Kommentieren


Schlagworte