Früherer UNO-Generalsekretär Javier Perez de Cuellar ist tot

Er galt als überzeugter Pazifist und war für seine Friedensbemühungen in zahlreichen Konflikten bekannt: Der frühere UNO-Generalsekretär Javier Perez de Cuellar ist tot. Der Peruaner starb am Mittwoch im Alter von 100 Jahren, wie sein Sohn im peruanischen Radiosender RPP mitteilte.

Perez de Cuellar war von 1982 bis 1991 in der Nachfolge von Kurt Waldheim höchster Beamter der Vereinten Nationen. Er führte die UNO in einer Zeit, die geprägt war vom Kampf gegen den Welthunger und von mehreren Kriegen. Die UNO würdigte die wichtige Rolle, die er bei der Beilegung des Iran-Irak-Konflikts, der Freilassung von US-Geiseln im Libanon und den Friedensverhandlungen in Kambodscha und El Salvador spielte. Als größtes Verdienst seiner Amtszeit sah Perez de Cuellar seinen Beitrag zur Unabhängigkeit Namibias im Jahr 1990 an - der Grundstein dafür für war noch unter Waldheim gelegt worden.

Der heutige UNO-Generalsekretär Antonio Guterres drückte sein tiefes Bedauern über den Tod seines Vorgängers aus. Perez de Cuellar sei ein „bemerkenswerter und mitfühlender“ Politiker gewesen, „der unsere Welt zu einem weitaus besseren Ort gemacht hat“, erklärte er am Mittwoch.

Bereits zum 100. Geburtstag von Perez de Cuellar am 19. Jänner hatte Guterres den Peruaner als sein Vorbild gerühmt. Viele Male habe er an ihn gedacht, wenn er nach „Inspiration und Orientierung“ gesucht habe, erklärte Guterres.

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Der peruanische Staatschef Martin Vizcarra würdigte Perez de Cuellar auf Twitter als „Demokraten durch und durch“, der „sein ganzes Leben der Verbesserung unseres Landes widmete“.

Vier Jahre nach seinem Ausscheiden aus dem Amt des UNO-Generalsekretärs kandidierte Perez de Cuellar 1995 für die peruanische Präsidentschaft, unterlag aber gegen Alberto Fujimori. 1997 wurde bekannt, dass Perez de Cuellar während des Wahlkampfs systematisch von Fujimoris Geheimdienst überwacht und abgehört worden war.

Als Fujimoris Regierung im Jahr 2000 gestürzt wurde, wurde Perez de Cuellar zum Chef einer Übergangsregierung ernannt und setzte sich für die Aufdeckung eines in Fujimoris Amtszeit vom Geheimdienst gesponnenen Korruptionsnetzwerks ein. Nach der Wahl von Alejandro Toledo zum Präsidenten im Jahr 2001 wurde er Botschafter in Frankreich.

Den Großteil seines Berufslebens verbrachte er außerhalb seiner Heimat als Diplomat in Großbritannien, Bolivien, Polen, der damaligen Sowjetunion, der Schweiz und Venezuela, bevor er sich der UNO zuwandte. Von 1973 bis 1974 war er Präsident des UNO-Sicherheitsrates, von 1975 bis 1977 UNO-Sonderbeauftragter für Zypern.

Perez de Cuellar stammte aus einer gehobenen Mittelklassefamilie aus Lima und besuchte während seiner Kindheit und Jugend katholische Schulen. Dem Juristen wurden im Lauf seines Lebens Ehrendoktortitel von fast 40 Universitäten weltweit verliehen. Der Top-Diplomat hinterlässt zwei Kinder aus erster Ehe, sechs Enkel und seine Ehefrau Marcela Temple.


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