Corona-Angst in Tirol: Frühjahrsmesse verschoben, Aus für Konzerte

Statt kommende Woche soll die Tiroler Frühjahrsmesse erst im Juni stattfinden, die Sicherheitsauflagen konnten nicht erfüllt werden. In Kematen (Nina Proll) und in Innsbruck wurden erste Konzerte abgesagt.

Das Coronavirus wirft nun auch in Tirol Termine über den Haufen. Die Innsbrucker Frühjahrsmesse wird auf den Frühsommer verlegt.
© Thomas Boehm / TT

Innsbruck –Die Ausbreitung des Coronavirus wirbelt auch in Tirol den Veranstaltungskalender durcheinander. Die Frühjahrsmesse wurde gestern kurzfristig auf einen Termin gegen Ende des ersten Halbjahres 2020, also wohl Juni, verschoben. Eigentlich hätte die Messe mit Autosalon und Feel Good ab kommendem Donnerstag, vom 12. bis 15. März, stattfinden sollen. Die Aufbauarbeiten fanden gestern ein jähes Ende.

📽 Video | Innsbrucker Frühjahrsmesse verschoben

„Die Gesundheit und Sicherheit unserer Besucher, Aussteller, Partner, Dienstleister und deren Mitarbeiter sowie der Mitarbeiter der Congress Messe Innsbruck stehen für uns an oberster Stelle“, erklärte Messe-Geschäftsführer Christian Mayerhofer die Verschiebung.

Wenige Stunden vor der Absage hatten die Tiroler Behörden noch grünes Licht für die Frühjahrsmesse gegeben, wenn auch mit sehr stark verschärften Sicherheitsauflagen. Eine Messeteilnahme sei für Personen, die in den letzten 14 Tagen in einem Risikogebiet wie Italien, China oder Südkorea waren, nicht gestattet. Zudem müssten Personen, egal ob Aussteller oder Besucher, die Kontakt mit einer mit dem Coronavirus infizierten Person hatten, von der Veranstaltung ausgeschlossen werden.

Norweger ist Tirols dritter bestätigter Corona-Fall

Innsbruck, Wien – Als geheilt entlassen wurde gestern aus der Innsbrucker Klinik jenes italienische Pärchen, bei dem Anfang vergangener Woche erstmals in Österreich das Coronavirus nachgewiesen worden war. Die beiden 24-Jährigen sind völlig gesund, von ihnen geht keine Ansteckungsgefahr mehr aus. Unterdessen wurde gestern Mittag Tirols dritte Coronavirus-Infektion bekannt: Es handelt sich dabei um einen 22-jährigen Studenten aus Norwegen, der Ende Februar in Bologna und Mailand war und sich derzeit im Bezirk Landeck aufhält. Der junge Mann hatte über Fieber und Halsschmerzen geklagt.

Nachdem 14 Isländer letzte Woche einen Skiurlaub im Tiroler Oberland verbracht haben – sie reisten am Wochenende ab –, wurden mehrere Personen dieser Gruppe nach ihrer Rückkehr positiv auf das Coronavirus getestet. Die Ansteckung dürfte sich aber erst auf dem Rückflug von München nach Reykjavik ereignet haben, teilte das Land Tirol gestern Abend mit. Konkret habe sich ein aus dem Italienurlaub kommender erkrankter Fluggast an Bord befunden. Unter dieser Annahme erscheine es „wenig wahrscheinlich, dass es in Tirol zu Ansteckungen gekommen ist“, sagte Landessanitäts­direktor Franz Katzgraber.

Einen weiteren Corona-Fall vermeldet Südtirol. Demnach wurde gestern ein Patient im Krankenhaus Bozen positiv getestet. Das Ergebnis des Kontrolltests ist noch ausständig. Auch erste Erkrankungen in Vorarlberg und Kärnten wurden gestern bekannt.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) stellt­e einen statistischen Vergleich zwischen SARS-CoV-2 und Influenza an: Den 42 bis gestern Abend bestätigten Corona-­Fällen stehen demnach 129.000 Menschen gegenüber, die diese Woche an der „Gripp­e“ (Influenza und viralen Infekten) laborieren.

Heiß begehrt sind derzeit Grippeschutzmasken – die nicht immer auf legalem Weg beschafft werden. In soziale­n Netzwerken sorgen Meldunge­n von Diebstählen in Krankenhäusern für Wirbel. Tatsächlich wurde aus einer Ambulanz an der Innsbrucker Klinik eine Maske entwendet. Der Sicherheitsdienst würde dem nachgehen, man habe Anzeige erstattet, hieß es von den Tirol Kliniken. (TT, np, sas)

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Vorgeschrieben wurden zudem auf dem gesamten Veranstaltungsgelände ausreichend Spender mit Desinfektionsmittel. Die Behörden prüften die Messe genau. Denn: „Wir wollen keine Veranstaltung von vornherein absagen“, erklärte Elmar Rizzoli, Sicherheitsbeauftragter der Stadt Innsbruck. Der Ball wurde dann an die Veranstalter weitergespielt. Und diese sagten die Messe eben wegen jener Sicherheitsauflagen ab. Diese seien nicht erfüllbar. Die Sicherheit und Gesundheit aller Beteiligten könnten nicht sichergestellt werden. Die Auflagen seien nicht vorhersehbar und könnten daher nicht lückenlos umgesetzt werden.

Noch am Nachmittag begannen Mayerhofer und sein Team, den Ausstellern die schwierige Situation zu erklären, gehofft wird auf „Geduld und Verständnis“.

Auch im Kulturbereich fallen erste Veranstaltungen in Tirol Corona-bedingt ins Wasser. Im Innsbrucker Haus der Musik (HdM) wurden zwei Gastspiele abgesagt. Das Orchesterkonzert des Bozner Konservatoriums am 6. März wurde gestrichen, weil in Südtirol, wie in ganz Italien, jeglicher Schulbetrieb bis 15. März eingestellt wurde.

Im Haus der Musik wurden zwei geplante Konzerte gestrichen.
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Das Konzert des Ensembles Windkraft, am 18. März im HdM angesetzt, entfällt ebenfalls. In dieser „Kapelle für Neue Musik“ wirken Musiker mit, die aus dem von Corona besonders betroffenen Oberitalien stammen. Chefdirigent Kasper de Roo sagte das Windkraft-Konzert nach Rücksprache mit der Sanitätsbehörde vorsorglich ab.

Das am Sonntag (8. März) in Kematen (Haus der Gemeinde) geplante Konzert von Schauspielerin und Sängerin Nina Proll wurde ein weiteres „Opfer“ von Corona. Der Veranstalter cancelte Prolls Liederabend zum Frauentag; auch ihm schienen die Behördenauflagen unerfüllbar.

📽 Video | Was wegen dem Coronavirus für Veranstaltungen zu beachten ist

Plangemäß geht es hingegen fürs Erste in der Innsbrucker Olympiaworld weiter, einer der größten Konzert­arenen des Landes. Laut Geschäftsführer Matthias Schipflinger finden sämtliche Veranstaltungen bis Ende März statt, so auch die Auftritte von Schlagerstar Andre­a Berg heute Freitag und von Popsänger James Blunt am 22. März. Bei beiden Konzerten werden jeweils bis zu 4000 Besucher erwartet.

In der Olympiaworld wird am Programm vorerst festgehalten.
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Das Gesamtrisiko sei nach Checklisten bewertet und für akzeptabel befunden worden, so Schipflinger. Ob eine Veranstaltung durchgeführt werde, liege grundsätzlich im Ermessen des Veranstalters.

Geschäftsführer Matthias Schipflinger (auf dem Foto links unten) ließ im Eingangsbereich Geräte für die Ausgabe von Desinfektionsmitteln anbringen.
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Im Eingangsbereich der Olympiaworld wurden Ausgabebehälter für Desinfektionsmittel angebracht – wie auch im Tiroler Landestheater. Auch dort wird nach Programm weitergespielt, solange die Behörde keine Absagen oder gar Schließungen anordnet. (ver, mark)

Babysitter und Hamsterkäufe

Rom, Tel Aviv, Bethlehem – Online-Unterricht, Babysitter und Großeltern im Einsatz: Die Schließung aller Kindergärten, Schulen und Universitäten wegen des Coronavirus bis 15. März stellt Millionen vor große Probleme und sorgt für Kritik. Die Regierung erwägt Hilfen für Eltern, die nicht zur Arbeit gehen können, entweder einen Kostenbeitrag für Babysitter oder bezahlten Sonderurlaub. Die Großeltern müssten vor Ansteckungen geschützt werden, heißt es. Dennoch waren gestern wie in Italien üblich vor allem Oma und Opa im Einsatz, um Kinder zu hüten. Mittlerweile zählt Italien rund 3100 Infektionen, 100 Patienten starben. Die Regierung ruft die Menschen auf, mindestens einen Meter Abstand voneinander zu halten und auf Umarmungen und Küsschen zu verzichten.

In Israel gelten ab heute Einreisebeschränkungen wegen des Virus. Reisende aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich und Spanien dürfen nicht einreisen – es sei denn, sie versichern glaubhaft, eine zweiwöchige häusliche Quarantäne einhalten zu können. Derzeit befinden sich rund 100.000 Israelis in Heimquarantäne. Nach Verdachtsfällen im Westjordanland wurde die weltberühmte Geburtskirche in Bethlehem gestern geschlossen.

Die Virus-Angst nimmt auch bizarre Formen an: In Litauen sperrte ein Mann seine Frau im Bad ein, weil sie erzählte, mit jemanden gesprochen zu haben, der im Ausland war. Und in Australien wird Klopapier wegen Hamsterkäufen knapp. Eine Lokalzeitung erschien daraufhin gestern mit acht leeren Extra-Seiten zum Zurechtschneiden – als Ersatz für den Notfall. (TT, dpa)

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Nahe Bethlehem sind Verdachtsfälle aufgetaucht (l.). Die Geburtskirche wurde geschlossen. In Italien werden Prüfungen per Internet abgehalten (r.), Schulen und Unis sind geschlossen.
© ANDREA PATTARO

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