Hofburg einen Tag lang fest in Frauenhand

Die Hofburg ist am Donnerstag ganz im Zeichen der Frauen gestanden. Anlässlich des Internationalen Frauentages am 8. März luden Bundespräsident Alexander Van der Bellen und First Lady Doris Schmidauer zahlreiche starke Frauen in die Präsidentschaftskanzlei, um ihnen einen angenehmen Rahmen zur Vernetzung zur Verfügung zu stellen und um ihnen Mut zu machen.

„Die Zukunft gehört der Gleichstellung der Geschlechter“, sagte Schmidauer in ihrer Eröffnungsrede. „Dieses Ziel wollen wir konsequent und gemeinsam verfolgen“, kündigte sie an und betonte, dass man dafür hartnäckig bleiben müsse, denn es gebe noch viel zu tun.

Bundespräsident Van der Bellen blickte zurück in die Geschichte und meinte, dass Frauen schon immer für ihre Rechte kämpfen mussten. Frauenrechte seien aber nicht nur Frauensache, sagte er und freute sich, dass am Donnerstag so viele starke Frauen in die Hofburg gekommen waren - und natürlich auch ein paar Männer.

Bei einer Podiumsdiskussion, die von Doris Schmidauer moderiert wurde, berichtete unter anderem Ex-Kanzlerin Brigitte Bierlein von ihrem beruflichen Werdegang. In vielen Positionen sei sie „die Erste“ gewesen, lobte Schmidauer sowohl die erste Frau an der Spitze des Verfassungsgerichtshofs als auch die erste Bundeskanzlerin Österreich.

Als der berühmte Anruf aus der Hofburg kam und Van der Bellen fragte, ob sie Kanzlerin werden möchte, sei ihre erste Reaktion eher ablehnend gewesen. „Furchtbar, nein das kann ich nicht“, dachte sie sich damals. Van der Bellen machte sie damals schon darauf aufmerksam, dass das eine typische Frauenantwort sei, berichtete Bierlein, während Van der Bellen im Publikum schmunzelnd lauschte. Dann habe sie sich gedacht: „Wann wird das nächste Mal eine Frau gefragt?“, erzählte die Juristin - und um ein starkes Zeichen für Frauen zu setzen, habe sie zugesagt.

Maria Katharina Moser, Direktorin der Diakonie Österreich, entführte das Publikum bei der Veranstaltung in ihre Kindheit. Als kleines Mädchen wollte sie „Heilige“ werden, erzählte sie. Ein erster Schritt wäre gewesen, Ministrantin zu werden, das ging damals aber noch nicht. Deswegen beschloss sie, feministische Theologin zu werden. Als sie eine Professur anpeilte, riet man ihr, „das Feministische“ zu lassen, sonst würde das nicht funktionieren. Aus Protest wurde sie Religionsjournalistin und weil auch dort bald die gläserne Decke erreicht war, wurde sie Pfarrerin.

Auch in Anbetracht ihrer Geschichte betonte sie, dass es nicht nur eine persönliche Sache sei, ob Frauen Erfolg haben oder nicht. Es hänge immer mit den Strukturen und mit der Gesellschaft zusammen.

Der Gründer der Berufsorientierungsplattform watchado, Ali Mahlodji, war am Donnerstag einer der wenigen Männer in der Hofburg. Er sagte, er wollte nie akzeptieren, dass seine Zukunft verbaut sein sollte - nur weil er Flüchtling und Schulabbrecher war und einen komischen Namen habe. Das wichtigste sei, jemanden zu haben, der an einen glaubt, sagte er. Bei ihm war es seine Mutter, die ihn immer ermutigt habe, egal wie schlecht seine Noten in der Schule waren.

Zum Thema Feminismus sagte Bierlein, es sei wichtig, dass Frauen sich selbst etwas zutrauen. Den Kontakt mit den Herren solle man aber nicht ganz abbrechen, scherzte die Ex-Kanzlerin. Moser würde sich vor allem eine neue Bewertung in der Gesellschaft wünschen - denn wer sagt, dass der Manager mehr leistet oder wertvoller ist als die Alleinerzieherin? Vielleicht sollten Frauen aber einfach nur aufhören, ihren Männern hinterherzuräumen und auch ihnen die Verantwortung für ein gutes Zusammenleben zu übertragen.

In mehreren kleinen Podiumsrunden stellten sich über den Tag verteilt Frauen in der Wirtschaft, verschiedene Frauenorganisationen, Netzwerke und Plattformen und Frauen mit Behinderungen vor. Den Abschluss bildete ein Konzert von Ina Regen und Anna F. mit Band.


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