Waffenruhe in syrischer Provinz Idlib in Kraft getreten

In der seit Monaten heftig umkämpften nordsyrischen Provinz Idlib ist in der Nacht auf Freitag eine zwischen Russland und der Türkei vereinbarte Waffenruhe in Kraft getreten. Kurz nach Inkrafttreten der Feuerpause um Mitternacht (Ortszeit) herrschte in der Region eine „relative“ Ruhe, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte.

Weder die syrische Regierungsarmee noch die mit ihr verbündeten russischen Verbände hätten zunächst ihre Luftangriffe in Idlib fortgesetzt, hieß es. Noch einige Stunden vor der Waffenruhe hatte die türkische Armee Stellungen der syrischen Regierungsarmee mit Drohnen angegriffen, wie das Verteidigungsministerium in Ankara mitteilte. Bei diesen Angriffen seien 21 syrische Soldaten „neutralisiert“ worden - „neutralisiert“ bedeutet im Militärjargon üblicherweise die Tötung von feindlichen Kämpfern.

Die türkischen Drohnenangriffe waren nach Angaben des Verteidigungsministeriums ein Vergeltungseinsatz für die Tötung von mehr als 30 türkischen Soldaten durch die syrischen Regierungstruppen in jüngster Zeit. Während nach Mitternacht laut der Beobachtungsstelle dann „relative“ Ruhe eintrat, feuerte die syrische Regierungsarmee in an die Provinz angrenzenden Gebieten von Aleppo und Hama mehrfach Artillerie auf Positionen der Aufständischen ab.

Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle stützt sich auf ein Netzwerk von Informanten in Syrien. Die Angaben der Aktivisten-Organisation sind von unabhängiger Seite oft kaum nachprüfbar.

UNO-Generalsekretär Antonio Guterres äußerte die Hoffnung, dass die Feuerpause in eine „dauerhafte“ Einstellung der Kämpfe mündet. Die Bevölkerung in Idlib habe bereits „enormes Leiden“ hinter sich, erklärte Guterres in New York. Er forderte die Konfliktparteien zur Einleitung eines politischen Prozesses auf.

Russlands Präsident Wladimir Putin und der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan hatten sich bei einem Treffen am Donnerstag in Moskau auf die Waffenruhe geeinigt. Es soll zudem einen Sicherheitskorridor entlang einer strategisch wichtigen Autobahn geben.

Russland und die Türkei unterstützen in dem Konflikt die verfeindeten Parteien. Moskau steht an der Seite der syrischen Regierungstruppen, deren Gegner werden teilweise von der Türkei unterstützt. In Idlib gehen die Truppen des syrischen Machthabers Bashar al-Assad mit russischer Unterstützung seit Dezember massiv gegen die letzten Hochburgen islamistischer Milizen vor. Knapp eine Million Menschen sind seitdem nach UNO-Angaben in die Flucht getrieben worden.

Die Türkei startete ihrerseits vor einigen Tagen eine große Militäroffensive gegen die Regierungstruppen in der Region, nachdem bei einem syrischen Luftangriff auf türkische Beobachterposten 34 Soldaten getötet worden waren. Am Donnerstag wurden zwei weitere türkische Soldaten bei Beschuss durch die syrische Regierungsarmee getötet, wie das Verteidigungsministerium in Ankara mitteilte.


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