Auch Tiroler Ärzte kämpfen wegen des Coronavirus mit Engpässen

Für Tirols Hausärzte ist es aktuell schwer, an Händedesinfektionsmittel und Schutzausrüstung zu kommen. Etwa 60 Ärzte haben sich nach Aufruf für Corona-Screeningdienste gemeldet.

Desinfektionsmittel für Hände sind Mangelware.
© dpa

Innsbruck – „Coron­a: Ärztinnen und Ärzte gesucht!“ – Mit einem Schreibe­n hatten sich Land und Ärztekammer zuletzt an Tirols Ärzteschaft gewandt. Gesucht wurden bzw. werden Haus- und Sprengelärzte, die Verdachts­fälle inklusive Mundhöhlenabstrich abklären und mit Unterstützung der Rettungsdienste übernehmen. Es gibt genaue Angaben, wie das Prozedere abzulaufen hat. Dazu gibt es einen entsprechender Werkvertrag, der mit jeder Ärztin bzw. jedem Arzt abgeschlossen wird. Pro Probennahme gibt es eine Fallpauschale von 150 Euro. Außerdem werden diese Mediziner von der jeweiligen Bezirksverwaltungs­behörde zu so genannten Epidemieärzten mit Bescheid bestellt.

Dazu gemeldet haben sich laut Land Tirol (Stand gestern Samstag) tirolweit bis dato rund 60 Ärzte. Die Suche läuft weiter. Insgesamt sind Tirols niedergelassene Ärzte mit der aktuellen Situation nur teils zufrieden: „In Richtung Bevölkerung muss man sagen, dass sich die Leute zum Glück an die Anweisungen halten und die Nummer 1450 anrufen, statt direkt zum Hausarzt zu gehen“, sagt Herbert Bachler, Hausarzt und Präsident der Tiroler Gesellschaft für Allgemeinmedizin.

Probleme gab es in der Vorwoche allerdings, weil sich viele Vertragsärzte mangels Schutzausrüstung geweigert hatten, Verdachtsfälle mittels Hausbesuch zu untersuchen und vor Ort Abstriche zu machen. Im Gespräch mit der TT erklären Ärzte, dass sie deshalb zwischen Landessanitätsdirektion und den Gesundheitsämtern der jeweiligen Bezirkshauptmannschaften „im Kreis telefoniert“ hätten. Aktuell ist es so, dass die Ordinationen unterschiedlich gut mit Desinfektions­mitteln und Masken ausgerüstet sind. Mittlerweile gibt es bei Desinfektionsmitteln solche Lieferengpässe, dass die Apotheken selbst Mixturen mit hochprozentigem Alkohol anmischen. Bachler schlägt vor, dass künftig echte FP3-Masken in den Ordinationsbedarf mitaufgenommen werden – von den Kassen bezahlt. Auch andere an der Front stehende Hausärzte urgieren, dass zudem unbedingt viele „normale“ Masken den Hausärzten aus Ordinationsbedarf zur Verfügung gestellt werden sollten.

Die Ärztekammer Tirol unterstützt diesen Vorschlag. Auch wenn im Fall­e die Rettung eine Ausrüstung dabei hat, müssen Ärzte selbst schauen, wie gut ihre Praxis ausgerüste­t ist: „Normalerweise kostet eine Maske drei Euro im Einkauf, momentan werden sie auch für 50 Euro auf Amazon gehandelt. Es kann nicht sein, dass Ärzte selbst schauen müssen, wie sie dazu kommen“, sagt Bachler.

Wie die Tiroler Tageszeitung berichtete, ist derzeit auch die Aufregung in den Tirol Kliniken groß: Schutzmasken und Desinfektionsmittel sollen verschwunden sein. Während in einer ersten Stellungnahme lediglich von „einer entwendeten Maske aus einer Ambulanz an der Innsbrucker Klinik“ die Rede war, erging eine Mail an Landtagsabgeordnete Andrea Haselwanter-Schneider von der Liste Fritz. Bedienstete erklärten darin, dass das Hygienematerial knapp werde und es bereits zu Rationierungen von Schutzmasken in einzelnen Kliniken komme. Zudem wird ausgeführt, es seien Lagerbestände (Masken und Desinfektionsmittel) entwendet und die Lager zum Schutz daher verschlossen worden.

Haselwanter-Schneider dazu: „Es wäre die Aufgabe von Landesrat Bernhard Tilg gewesen, die Menschen mit seinen Maßnahmen zu beruhigen und diese Panik-Diebstähle zu verhindern.“ (lipi, pla)

tirol kliniken stellen klar: Keine Diebstähle von Lagerbeständen

Die tirol kliniken stellen in einer Aussendung klar, dass es in keiner ihrer Abteilungen zu groß angelegten Diebstählen gekommen sei. "Wir weisen diesen Vorwurf, der sich auch gegen unsere MitarbeiterInnen richtet, deutlich zurück."

Es sei richtig, dass die Klinikführung die Mitarbeiter zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Masken aufgerufen habe. Der Grund wären aber nicht Diebstähle, sondern Lieferschwierigkeiten, da ein Großteil der Weltproduktion von Masken aus China kommt.

"Dank einer verantwortungsvollen Einkaufspolitik und Lagerhaltung sind wir in der guten Situation, derzeit noch ausreichend Material auf Lager zu haben. Das erlaubt es uns, Operationen nicht auf Notfälle einzuschränken, wie es leider immer mehr Krankenhäuser gezwungen sind zu tun", so die Verantwortlichen in einer Aussendung.

Der Aufruf, verantwortungsvoll mit Verbrauchsmaterialien umzugehen, sei äußerst konstruktiv aufgenommen worden und diene dazu, dass es eben nicht zu Engpässen kommt.


Kommentieren


Schlagworte