Spielerin mit dem Uneindeutigen: Tiroler Künstlerin Eva Schlegel wird 60

Eine Neugierige, die sich ständig neu erfindet: Die Tiroler Künstlerin Eva Schlegel feiert heute ihren 60. Geburtstag.

Eva Schlegel vor ihrem jüngsten Werk: der mit mehr als zwei Millionen Punkten bestückten gläsernen „Libelle“ am Dach des Wiener Leopold-Museums.
© APA

Von Edith Schlocker

Wien – Eva Schlegel ist eine der wenigen Künstlerinnen mit Tiroler Wurzeln, die international präsent sind. Und das schon seit sehr jungen Jahren. Hat die heute vor 60 Jahren in Hall geborene Oberhuber-Schülerin doch schon als 35-Jährige den Österreich-Pavillon bei der Biennale von Venedig virtuell (fast) zum Verschwinden gebracht, um 16 Jahre später als Kommissärin Markus Schinwald als Bespieler des Hoffmann-Pavillons auszuwählen. Einen Künstler, der so grundlegend anders tickt als sie selbst.

Ausdruck einer grundsätzlichen Offenheit, Begeisterungsfähigkeit und Toleranz, die Eva Schlegel als Leiterin einer Klasse für Kunst und Fotografie an der Wiener Akademie der bildenden Künste zwischen 1997 und 2006 zu einer begnadeten Lehrenden gemacht haben. Intensiv, wie sie sich auf ihre meist weiblichen Studenten eingelassen hat, ging diese viel Zeit und Kraft kostende Arbeit aber zulasten ihrer eigenen Kunst.

Um nach diesen Lehrjahren voll durchzustarten. Mit viel beachteten Personalen zwischen Wien, Berlin, Kopenhagen, New York und Peking, aber auch Gastspielen in ihrer alten Heimat, mehrmals in der Reither Galerie Schmidt, in der Taxisgalerie, im BTV-Focus, auf der RLB-Kunstbrücke genauso wie im Landesmuseum.

Durch ihre Barrierelosigkeit ganz die Sache von Eva Schlegel sind aber auch monumentale Kunst-am-Bau-Projekte bzw. Arbeiten im öffentlichen Raum. Jüngstes Beispiel dafür ist die über dem Dach des Wiener Leopold-Museums schwebende „Libelle“, deren gläserne Wände Schlegel mit 2,35 Millionen Punkten bestückt hat. Verwaschene und somit unleserliche Texte hat sie auch immer wieder auf Wände geschrieben, u. a. die gläserne der Bibliothek des Ferdinandeums. Die Schrift wird hier zum Muster, mutiert zur Metapher für die Erzeugnisse des menschlichen Geistes.

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Wobei in Eva Schlegels künstlerischem Werk das mehr Fragen stellende als Antworten liefernde subtile Spiel mit Erscheinen und Verschwinden immer wieder auftaucht. Seit ihren ganz frühen, auf Blei gedruckten Fotoarbeiten, in denen das Sujet reizvoll in einem poetischen Sfumato verdämmert. Zur schönen Chimäre verunklärt kommen auch ihre Frauenbilder daher, die von ihr durchaus als ihr Kommentar zur Ungleichbehandlung der Geschlechter gemeint sind. Die Kunst nutzt Eva Schlegel aber auch als Möglichkeit, reale wie mentale Grenzen zu überwinden. Reale, wenn sie etwa 2010 im Wiener MAK Hunderte weiße Ballons an die Saaldecke aufsteigen ließ oder 1998 in der Hofhalle der Taxisgalerie raffiniert mit himmlischen Projektionen jongliert hat.

Eva Schlegel wurde aber auch die Ehre zuteil, als erste Frau das offizielle Porträt eines Bundespräsidenten, nämlich das von Heinz Fischer, gestalten zu dürfen. Der sich mit dem Werk „sehr einverstanden“ gezeigt hat. Von Fischers Nachfolger Alexander Van der Bellen bekam die mit dem ebenfalls aus Tirol stammenden Architekten Carl Pruscha verheiratete Künstlerin im vergangenen November das Ehrenzeichen für Kunst und Wissenschaft verliehen, den Tiroler Landespreis für Kunst hat sie bereits seit 2010. Als Jurymitglied der Innsbrucker Klocker-Stiftung ist Schlegel auch maßgeblich in deren Ankäufe bzw. die Vergabe von dessen Großem Kunstpreis bzw. Förderpreis involviert.


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