"Oehl" in der Bäckerei: Liebe mit und ohne doppelten Ironie-Boden

Die Newcomer „Oehl“ gaben ihr Debüt in Tirol. Charmante Musiker, Ohrwürmer und improvisierte Übergänge erwarteten die Fans.

Ari Oehl (l.) und Hjörtur Hjörleifsson sind „Oehl“, derzeit touren sie mit ihrem Album „Über Nacht“ durch das Land.
© Cavadini

Innsbruck – Bei Oehl ist alles noch ganz fresh. Die Band stand zum ersten Mal auf einer Bühne in Tirol – mit ihrem ersten Album. Und dabei dürfen sie bereits Größen wie Rapper Casper und Herbert Grönemeyer zu ihren Fans zählen. Mit Letzterem ging die Band im Sommer sogar auf Tour.

Statt vor 20.000 im Stadion standen der Wiener Ari Oehl und der Isländer Hjörtur Hjörleifsson am Donnerstag vor 250 Fans in der Innsbrucker Bäckerei. Ihr Ende Jänner erschienenes Album „Über Nacht“ hatten sie im Gepäck.

Abseits der Elektropop-Ohrwürmer gab es für die Newcomer einiges zu klären: Das Duo, wie Oehl unlängst beschrieben wird, ist zumindest live ein Quintett mit Reiseharfe und Synthies, bestehend aus Endzwanzigern und Anfang­dreißigern. Mit dem Ausdruck „Wiener Liedermacher“ könne der Sänger von Oehl nach eigenen Angaben zwar leben, die Bezeichnung „Multiinstrumentalist“, die sich in Medien für seinen Musikerkollegen Hjörleifsson festgebissen hat, sei allerdings unzutreffend: „Wir sind jetzt fünf Wochen unterwegs und ich seh’ ihn immer nur mit dem Bass“, so der Leadsänger.

Fix ist, den nötigen Schmäh bringt Oehl mit: „Einoehlen“ kann man sich am Merchandise-Stand auch mit dem ­Oehl-Parfum. Solche Ideen nehmen der Musik ihre Schwere, die Anti-Sommer-Hymne „Wolken“, „Über Nacht“ oder „Keramik“ kommen absolut locker daher. Und trotzdem ist ihr glatter Sound nicht so glatt, wie er zunächst scheint. Er hat textlich Tiefe (sogar im lapidaren „Wieder nichts im Kühlschrank als Licht, satt werden wir davon nicht“) und ist auch stilistisch ausgeklügelt.

Geradezu magisch wird es bei den Songs, in denen die Band Stille aushält, die Melancholie des Achtziger-Synthie-Pop durch- oder die wabernde Elektrobasis in wilden Effekten aufbricht. „Bisher“ oder „Tausend Formen“ sind die besten Klang-Beispiele dafür: Oehl besingt darin Liebe zum Schmachten ebenso wie jene ohne Sicherheitsnetz und doppelten Ironie-Boden.

Und weil alles noch so fresh ist, fehlt bei Oehl noch die nötige Sicherheit, die von Routine kommt: Hie und da tscheppert’s (auch der miesen Bäckerei-Akustik geschuldet), Einsätze sind oftmals dahingenudelt – dennoch wird man das Gefühl nicht los, dass all das erst der Anfang von etwas Großem sein könnte. (bunt)


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