Pflacher BM: „Nur Einfamilienhäuser bauen ist raumordnerischer Unsinn“

Der Pflacher Bürgermeister gibt Kritik in Sachen Wohnbau nach Ehenbichl zurück. Sich nur auf das Land zu verlassen, sei keine Zukunftsstrategie.

Erfreut bei der Übergabe eines weiteren Wohnblocks in Pflach: (v. l.) Vizbürgermeisterin Reinhild Astl, Walter Soier von der Wohnungseigentum und Bürgermeister Helmut Schönherr.
© Nikolussi

Von Hans Nikolussi

Pflach – Die Baupolitik der Gemeinde Ehenbichl mit ihren rund 1000 Einwohnern (die TT berichtete) findet nicht wirklich die Zustimmung des Pflacher Bürgermeisters Helmut Schönherr.

„Wohnblöcke wollen wir in Ehenbichl nicht. Sonst würde es unser Gefüge zerreißen. Dann wären wir tot“, sagte zuvor Bürgermeister Wolfgang Winkler im TT-Interview. Die dörfliche Struktur müsse unbedingt erhalten bleiben. Über die Raumordnung könne die Kommune dies steuern und tue es auch. Die augenscheinliche Politik der wachsenden Gemeinde Pflach sei somit für Ehenbichl keineswegs die Zukunft.

Das ruft wiederum das Oberhaupt der wachsenden Kommune Pflach, die auf dem Weg zur viertgrößten Gemeinde des Bezirks ist, auf den Plan. Er richtet seinem Amtskollegen aus, dass man über ein solches Wachstum natürlich geteilter Meinung sein könne. Das sei legitim. „Fakt ist aber auch: Wenn alle Gemeinden im Bezirk kein Wachstum zulassen und vor Angst, bei den nächsten Wahlen keine Mehrheiten zu bekommen, im Stillstand verharren, wird die Alterspyramide in Zukunft noch prekärer ausfallen, der Fachkräftemangel noch eklatanter werden und die nötigen Investitionen in die Infrastruktur nicht mehr bezahlbar sein.“ Sich nur auf das Land Tirol zu verlassen, sei keine Zukunftsstrategie. Eine Gemeinde sollte sich mittelfristig so aufstellen, dass die grundlegenden Bedürfnisse der Bevölkerung aus eigener Kraft bewältigbar sind. „Ich bin froh, dass die Gemeinde Pflach heute in der Lage ist, jedem Mitbürger, der Wohnraum braucht, einen solchen zur Verfügung zu stellen.“

Darüber hinaus würden sich viele Bürgerinnen und Bürger aus umliegenden Gemeinden, die keinen Wohnbau zulassen, in Pflach bewerben. Schönherr: „Der berühmte Blick über den Tellerrand sollte eigentlich Normalität sein. Nur Einfamilienhäuser zu bauen – Grundverbrauch 600 Quadratmeter pro 2-Personen-Haushalt –, ist raumordnerischer Unsinn.“


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