Schützendes „Zelt“ für Kinder in schwieriger Lage in Absam

SOS-Kinderdorf hat in Absam die neue Wohngruppe „Tipi“ eröffnet. Bis zu acht Kinder werden hier betreut, zentral ist aber auch die Elternarbeit.

Stolze Systempartner: (v. l.) Wolfram Brugger und Wolfgang Katsch (SOS-Kinderdorf), Landesrätin Gabriele Fischer, BM Arno Guggenbichler und Christian Moser, Geschäftsführer von SOS-Kinderdorf.
© Domanig

Absam – „Tipi“ heißt eine neue sozialpädagogisch-therapeutische Wohngruppe von SOS-Kinderdorf, die gestern in Absam nach einjähriger Bauzeit offiziell eröffnet wurde. Bis zu acht Kinder in schwierigen Situationen erhalten hier intensive Unterstützung.

Gestartet wurde die Wohngemeinschaft bereits im Jänner 2019, zunächst übergangsweise in Innsbruck-Pradl. In Absam fuhren im Februar 2019 die Bagger für den Neubau auf, Mitte Jänner 2020 erfolgte die Übersiedlung. Derzeit werden im Tipi fünf Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 16 Jahren betreut, davon vier Buben.

Eine Besonderheit im großzügigen neuen Gebäude ist – neben acht Einzelzimmern für die Kinder – eine eigene Garçonnière für Elternbesuche: „Eltern können dort einige Tage wohnen und so auch an den Betreuungsangeboten teilnehmen“, führt Wolfram Brugger, Leiter der Angebote von SOS-Kinderdorf in Innsbruck/Innsbruck-Land, aus. Die Gründe, warum die Kinder nicht bei ihren Eltern leben können, seien ganz unterschiedlich, in der Regel handle es sich um „sehr belastete Familiensysteme“. Diese seien z. B. wegen psychischer Erkrankungen, Delogierung und Armut „stark unter Druck“, die Kinder hätten daher oft schulische Probleme. Es sei dann meist eine Entscheidung der Kinder- und Jugendhilfe, „dass eine besondere Art der Betreuung nötig ist“. Die Perspektive sei aber immer, „dass die Kinder mittelfristig in ihre Familien zurückkehren sollen“. Eben deshalb sei der Aspekt der begleiteten Arbeit mit den Eltern so wichtig. Die Kinder besuchen in Absam übrigens regulär Kindergarten und Schulen.

Das „Tipi“ sei „in dreifacher Hinsicht etwas Neues“, meinte Wolfgang Katsch, SOS-Geschäftsleiter für Tirol – „in einer neuen Gemeinde, in einem neuen, barrierefreien Gebäude und mit therapeutischem Fokus“. Eine derartige Einrichtung sei „in ganz Westösterreich einzigartig“.

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Der Grundsatz der Kinder- und Jugendhilfe in Tirol sei „Familien stärken, Kinder schützen“, betonte LR Gabriele Fischer. Wenn das Umfeld dafür aber nicht gegeben sei, brauche es als Ersatz ein System mit „vielen helfenden Händen“. Explizit bedankten sich Fischer und SOS-Kinderdorf bei der Gemeinde Absam und den Bildungseinrichtungen für die gute Aufnahme.

Michi Aufderklamm, Sozialpädagogin im „Tipi“, lobte das familiäre und naturnahe Umfeld. Das neue Haus – mit Garten, Küche, Therapieräumen und mehr – „strahlt Wärme aus, das spürt man bereits bei Kindern und Mitarbeitern“.

Die Gesamtkosten für das „Tipi“ liegen bei 1,8 Mio. Euro. Beantragt ist, das Bauvorhaben über Landes- und EU-Mittel zu finanzieren, „wir freuen uns auf die endgültige, offizielle Zusage“, so Brugger.

„Tipi“ ist die zweite sozialpädagogisch-sozialtherapeutische Einrichtung für Minderjährige in Tirol. In Innsbruck wird bereits – auch von SOS-Kinderdorf – eine Jugend-WG mit acht Plätzen betrieben.

Anlässlich des 70-Jahr-Jubiläums hat SOS-Kinderdorf im Vorjahr eine große Bau- und Projektoffensive in Tirol gestartet: Auch in Imst und Nußdorf-Debant entstehen je zwei neue Häuser, sie werden im Juni eröffnet. (md)


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