15 Tote trotz Waffenruhe in syrischer Provinz Idlib

Weniger als zwölf Stunden nach Beginn einer Waffenruhe werden aus der syrischen Provinz Idlib neue Kämpfe gemeldet. Bei Gefechten zwischen syrischen Regierungstruppen und Kämpfern einer islamistischen Rebellengruppe seien 15 Menschen getötet worden, teilte die oppositionelle Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Freitag mit. Die Türkei hatte die Waffenruhe am Donnerstag mit Russland vereinbart.

In den ersten Stunden nach Beginn der Feuerpause um Mitternacht hatte in der Provinz nahe der türkischen Grenze noch angespannte Ruhe geherrscht. Bewohner von Idlib sagten am in der Früh, es habe weder neue Luftangriffe noch schweren Artillerie-Beschuss gegeben. „Es ist aber eine sehr fragile Waffenruhe“, erklärte ein Vertreter der syrischen Opposition. Auch die russische Nachrichtenagentur RIA hatte unter Berufung auf Militärkreise berichtet, die Feuerpause werde eingehalten.

Noch während die Waffenruhe in Moskau ausgehandelt wurde, hatte die türkische Armee aber mit Kampfdrohnen Angriffe auf syrische Regierungstruppen geflogen. Dabei seien 21 Soldaten getötet worden, teilte das türkische Verteidigungsministerium mit. Kurz zuvor waren zwei türkische Soldaten getötet worden.

Idlib ist nach neun Jahren Bürgerkrieg in Syrien die letzte Rebellenbastion. Seit Dezember versuchen Regierungstruppen mit russischer Hilfe, auch dieses Gebiet unter ihre Kontrolle zu bringen. In der Region ist das benachbarte NATO-Mitglied Türkei mit Tausenden Soldaten präsent. Zuletzt drohte der Konflikt zu einer direkten Konfrontation zwischen Russland und der Türkei zu werden. Die Regierung in Ankara steht im syrischen Bürgerkrieg hinter mehreren Rebellengruppen, Russland hinter Präsident Bashar al-Assad.

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Idlib grenzt an den Süden der Türkei. Die Regierung in Ankara rechnet damit, dass Hunderttausende Menschen aus dem Kampfgebiet in die Türkei fliehen wollen. Das Land hat bereits rund 3,6 Millionen syrische Flüchtlinge aufgenommen. Seit dem Wochenende hindert die Türkei die Migranten entgegen einer Vereinbarung mit der Europäischen Union nicht mehr daran, sich auf den Weg Richtung EU zu machen. Insbesondere an der türkisch-griechischen Grenze kommt es seitdem zu einem Flüchtlingsandrang. Der türkische Präsident Erdogan fordert von der EU mehr Hilfen.

Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell hatte die Feuerpause begrüßt. Sie sei Voraussetzung für eine Unterstützung der notleidenden Menschen, sagte er in Zagreb. In der kroatischen Hauptstadt beraten am Freitag die EU-Außenminister. Borrell erklärte, die EU werde über eine Ausweitung der Finanzhilfen beraten. Die Flüchtlinge dürften aber nicht als Druckmittel benutzt werden. Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) sah „ein vorsichtiges Hoffnungszeichen“ durch eine Feuerpause.


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