Die Szene im Tiroler Unterhaus kennt keinen Winterschlaf

Am Wochenende startet die (bedeutungslose) sechsköpfige Regionalliga West mit dem Derby zwischen Wörgl und Schwaz. Im Tiroler Fußball-Unterhaus gibt es vor dem Frühjahrsstart einige „Brandherde“.

Schonte weder sich noch den Gegner – Marco Kofler ließ in seinen 79 Bundesliga-Partien für den FC Wacker auch den jetzigen Liverpool-Star Sadio Mané im Salzburg-Dress über die Klinge springen.
© gepa

Von Alex Gruber

Regionalliga West: Letztlich haben auch Salzburgs Ligagrößen Pinzgau und SAK, teils auch aus infrastrukturellen Gründen, nicht für die zweite Liga lizenziert. Und weil das aus wirtschaftlichen Gründen weder das Tirol-Duo aus Wörgl und Schwaz noch jenes aus Vorarlberg (Dornbirner SV und Hohenems) tat, trifft man sich im Frühjahr in einer eineinhalbfachen Hin- und Rückrunde zu 15 „Freundschaftsspielen“.

Wörgl-Coach Denis Husic, der sich schon über das ÖFB-Aufnahmeverfahren zur UEFA-Pro-Lizenz („Ein Schauspiel-Scouting“) ereifert hat, findet auch hier klare Worte, die durchaus berechtigt erscheinen: „Wir haben uns in Tirol in eine Sackgasse hineinmanövriert. Wir sind österreichweit in einem Niemandsland, von dem niemand Notiz nimmt.“ Den letzten Biss bei seiner Truppe vermisste er deswegen auch in der Wintervorbereitung (Generalprobe heute gegen Tirol-Ligist Ebbs): „Wir müssen schauen, dass wir das Beste daraus machen.“

Sieht nicht durch die rosarote Brille – Wörgls Denis Husic.
© Osterauer

Schwaz-Trainer Bernie Lampl pflichtet seinem Wörgler Kollegen in Sachen Liga-Bedeutung gewissermaßen bei: „Wir haben im Frühjahr einen größeren Aufwand, aber es interessiert keinen mehr. Wenn man auf Tiroler Boden weitergespielt hätte – und dann im Fall des Falles bundesländerübergreifend ein Aufstiegsturnier –, hätte man sich zumindest als richtiger Tiroler Meister gefühlt.“ In der Regionalliga West sieht Lampl sein Team in der Außenseiterrolle. Nichtsdestotrotz stellt er klar: „Wir haben schon noch unsere Ziele, vor allem auch im Cup.“ Dass die Gelben Karten aus dem Herbst ins Frühjahr („Wir spielen gegen komplett andere Teams“) mitgenommen werden, kann Lampl nicht nachvollziehen.

Karriereende/-pause: Nachdem er mit dem SV Wörgl die Winterkrone in der Regionalliga Tirol erobert hatte, dankte Marco Kofler vorerst in die Rollen als Bankbeamter, Häuslbauer und vor allem Familienvater ab. Die beiden Töchter Lina (2,5 Jahre) und Anni (vier Monate) halten den 30-Jährigen auf Trab: „Alles miteinander wäre nicht mehr gegangen. Und wenn meine Kinder klein sind, will ich ja mit ihnen Zeit verbringen und spielen.“ Der langjährige Deutschland-Legionär (Hansa Rostock, SV Elversberg) erinnert sich immer noch gerne an den Bundesliga-Aufstieg mit dem FC Wacker (2010) und das Wunder von Wolfsberg (Klassenerhalt 2013 mit einem 3:2-Sieg nach 0:2-Rückstand fixiert) zurück. „Viele haben mich als ‚Stoßer‘ gesehen. Fußballerisch war ich nicht der Beste in meinem Jahrgang. Aber es gehört halt mehr als Technik dazu, auch Leidenschaft“, spricht der „Kofi“ aus ganzem Herzen. Der Defensivrecke hält sich bei einem wöchentlichen Hallenkick mit Kollegen („Ganz ohne Fußball geht es nicht“) fit und wurde von Wipptaler Clubs schon „angebohrt“. Bis zum Sommer ist sicher Pause, vielleicht sogar für immer.

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Kraft-Akt: Nach der vorzeitigen Trennung von Coach Aleks Matic, der für die Geburt und das Großwerden der „Gladiatoren“ der SPG Silz/Mötz sorgte, hat Nachfolger Helli Kraft ein durchaus schweres Erbe anzutreten. Denn die Mannschaft informierte Vorstand und Club, dass man mit der Art und Weise der Ablöse von Langzeitcoach Matic nicht einverstanden sei. Im Oberland müssen sich die Wogen erst wieder glätten. „Man muss zur Kenntnis nehmen, wie die Situation ist. Das Wichtigste ist jetzt, dass man spürt, dass alle wieder an die SPG Silz/Mötz denken. Die Spieler spielen ja für den Verein, der sie stets unterstützt, und sollen das zurückzahlen“, stellt Kraft klar, dass der Vereinsgedanke an erster Stelle stehe. Wer damit nicht klarkomme, könne sich im Sommer anders orientieren. Bei nur vier Punkten Rückstand auf Platz zwei und den Aufstieg in die Regionalliga hätte die SPG eine interessante Perspektive.

Muss die SPG Silz/Mötz neu ausrichten – Helli Kraft.
© www.muehlanger.at

Mit Pizza zum Titel: Im Herbst hat der SVI in der Tiroler Liga als überlegener Winterkönig mit sieben Punkten Vorsprung seine eigene Suppe glänzend gekocht. Fürs Frühjahr wird man sich neben den Neuerwerbungen (u. a. Felix Ratzenberger kam aus Grießkirchen/OÖ, Heimkehrer Degenhard Angerer ...) auch mit der ein oder anderen Pizza stärken. Denn die Kantine in der Wiesengasse trägt jetzt kulinarisch italienisches Flair. „Daran kommen wir sicher nicht vorbei“, lacht SVI-Coach Markus Seelaus.

Bei der Einweihung der neuen Wiesengasse-Pizzeria schritt SVI-Coach Markus Seelaus abseits des Rasens zur Tat.
© SVI

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