„Narziss und Goldmund“ von Ruzowitzky: Ziemlich beste Freunde

Oscar-Gewinner Stefan Ruzowitzky erzählt Hesses „Narziss und Goldmund“ als mittelalterlich-opulenten Abenteuerfilm.

Grundverschieden und dennoch beste Freunde: Narziss (Sabin Tambrea) und Goldmund (Jannis Niewöhner).
© Sony

Von Marian Wilhelm

Innsbruck – Der öster­reichische Oscar-Preisträger Stefan Ruzowitzky begibt sich auf die Spuren seines französischen Kollegen Jean-Jacques Annaud. Annaud verfilmte 1986 Umberto Ecos Mittel­alterbestseller „Der Name der Ros­e“ als schlammig-starbesetzte Mörderhatz. Nun zieht es auch Ruzowitzky („Die Fälscher“) in eine mitteralterliche Abtei. „Narziss und Goldmund“ – die erste Filmadaption von Herman Hesses gleichnamiger Erzählung überhaupt – kommt in dieser Woche in die Kinos.

Der Inhalt ist schnell umrissen: Im Zentrum steht die Freundschaft zwischen dem kopflastigen Narziss und dem impulsiven Goldmund. Sie beginnt im Kindesalter, doch als Erwachsenen zieht es den lebenshungrigen Goldmund hinaus in die Welt.

Ruzowitzky, der zusammen mit Robert Gold auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, verschachtelt die Bildungsroman-Reise Goldmunds in großen Rückblenden. Es ist die Geschichte von einem, der auszog, um Mutter und Bestimmung zu suchen – und eine Reihe junger Frauen findet.

Nun ist es nicht so, dass sich Ruzowitzky das homoerotische Moment der Männerfreundschaft ausblendet. Andeutungen gibt es, erzählt wird es aber als einseitig-unterdrücktes Begehren des Mönchs Narziss. Ein Nebenschauplatz von Goldmunds Abenteuergeschichte.

Bei Hesse geben die beiden personifizierten Archetypen Anlass zu philosophischen Überlegungen: Was heißt es, Künstler und Mensch zu sein? Wie gehen Sinnlichkeit und Askese zusammen? Die Religion ist schon in der Buchvorlage vornehmlich Allegorie für ästhetisch-sinnliches Gegrübel.

Der mittlerweile allzu oft als schwärmerische Hippie-Literatur abgetane Nobelpreisträger Hesse hatte mit der Freundschafts-Erzählung 1930 einen seiner größten Erfolge. Das Yin und Yang der beiden Hauptfiguren ist auch im Film die treibende Kraft. Doch Kin­o ist selten Philosophie. Von Hesse bleibt da nur noch die Grundkonstellation übrig. Das Abenteuer drumherum ist los­e an die Erzählung gelehntes Spektakel. Die großen Fragen muss man irgendwo zwischen den Drehbuchzeilen suchen.

Gerade ein breitenwirksamer Filmemacher wie Ruzowitzky weiß um seine Stärken. „Narziss und Goldmund“ will kein nachdenklicher Bildungsbürgerfilm, sondern opulentes Breitwand-Erzählkino sein. Der Look liegt irgendwo zwischen Pest-geplagtem „Game of Thrones“ und mittelalterlich inspirierter Knalligkeit.

Die beiden Hauptdarsteller Sabin Tambrea (Narziss) und Jannis Niewöhner (Goldmund) überzeugen in den grundverschiedenen Rollen. Das Ensemble um sie herum ist oft etwas konstruiert. Obwohl Ruzowitzky Wert darauf legte, speziell die Frauen­rollen „auf Augenhöhe mit Goldmund“ zu gestalten. Im Ensemble gibt es auch einig­e markante österreichische Gäste: Johannes Krisch als Goldmunds grauslicher Vater oder Georg Friedrich als Fürst genießen ihre herrlich überzeichneten Kostüm-Auftritte. Uwe Ochsenknecht als Handwerksmeister oder Andr­é Hennicke als böser Mönch hingegen wirken bisweilen wie prächtig ausstaffierte Leihgaben aus gängigen Fernsehmehrteilern.

📽 Video | Trailer zu "Narziss und Goldmund"


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