„Zillertaler Poetry Slam" in Aschau: Beim ersten Auftritt zum Sieg geredet

Der Theatersaal in Aschau platzte beim 1. Zillertaler Poetry Slam aus allen Nähten. Die Redner begeisterten mit Wortwitz, Charme und ernsten Tönen.

Das „Wohnzimmer“ der Volksbühne Aschau war gerammelt voll. Das Publiku­m lauschte gebannt dem literarischen Wettkampf.
© Fankhauser

Von Eva-Maria Fankhauser

Aschau – Es war mucksmäuschenstill. Die junge Frau am Mikro machte eine kurze Pause. Mit fester Stimme sprach sie weiter: „Wieso bist du nicht berühmt? Nicht schon lange reich? Wieso verschwendest du so viel Zeit mit dem Studieren von Büchern?“ Satz für Satz schleuderte sie dem Publikum ihren Text über Anforderungen entgegen. Gebannt hörten alle zu. Sie sprach vom Träumen und Zweifeln. Vom Verzweifeln. So ernst. So wahr. Als die Zillertalerin alles aus sich herausgelassen hatte, belohnten die über 115 Zuhörer sie mit tosendem Applaus.

Maria Wallner war eine von neun Teilnehmern beim 1. Zillertaler Poetry Slam in Aschau. Während sieben von ihnen schon Erfahrung mit solchen Auftritten hatten, zeigten Wallner und Anita Tipotsch zum ersten Mal, was in ihnen steckt. Die Themen waren vielfältig: Anna-Maria Mühlbacher („Die Bacher“) ließ Erinnerungen übers Tratsch-Klo im Badwandl aufkommen, Silke Gruber begeisterte mit einem Text über Freundschaft und Martin Fritz mit dem Satz „Ich bin kein Typ für Fideralla­la“. Moderiert und organisiert wurde der Abend von der Ramsauerin Johanna Kröll. Sie gewann im Vorjahr die öster­reichischen Poetry-Slam-Meisterschaften.

Der Andrang war groß. Die Begeisterung danach auch. „So etwas habe ich mir noch nie angehört, es war so abwechslungsreich“, sagte ein Mann aus dem Publikum. Eine Zuhörerin meinte: „Herrlich schön ist so etwas und auch mutig.“

Die Redner begeisterten mit Wortwitz, Charme und ernsten Tönen.
© Fankhauser

Jeder Slam-Poet hatte maximal sechs Minuten, um seinen selbstverfassten Text vorzutragen. Die Jury war das Publikum. Mehrere Zuhörer erhielten Zahlenkarten zum Bewerten und auch Extrapunkte konnte jeder vergeben. Maria Wallner, Katrin ohne H und Leo redeten sich ins Finale und durften einen zweiten Text vortragen. Der Innsbrucker sprach darüber, was Glück ist: „Es ist nicht der Zustand, sondern das Streben.“ Katrin ohne H thematisierte das Schlafverbot in Innsbruck. Für Wallner war das Finale eine totale Überraschung. Sie hatte nicht einmal einen zweiten Text mitgebracht. Doch sie zeigte Kreativität und las vom Handydisplay ab. Poetisch, nachdenklich und befreiend. Ihre Worte „Egal, ob Mensch oder nicht, jeder verdient es, dass die Kette bricht“ kamen so gut an, dass sie bei ihrem Debüt auf der Poetry-Slam-Bühne gleich den ersten Platz abräumte.

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