Italien plant immer drastischere Maßnahmen gegen Coronavirus

Italien erwägt wegen der Coronavirus-Epidemie immer drastischere Maßnahmen. Nach der Quarantäne für elf Gemeinden der Lombardei und Venetiens prüft die Regierung am Samstag, ob diese für 50.000 Personen ausgedehnt werden soll. In Kärntens Nachbarregion Friaul Julisch Venetien wurde am Samstag das erste Coronavirus-Todesopfer gemeldet - eine 87-jährige Frau, die im Krankenhaus von Triest starb.

Weltweit gibt es nach Reuters-Zahlen knapp 102.000 Infektionsfälle. Mehr als 3.480 Menschen starben bisher an der vom neuartigen Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit.

In Italien, das in Europa am stärksten betroffen ist, sind insgesamt 197 Todes- und 4.636 Ansteckungsfälle bestätigt. Der italienische Außenminister Luigi Di Maio meinte, man müsse die Aufmerksamkeit auf die 523 Coronavirus-Erkrankten lenken, die inzwischen genesen seien. „Die Zahl der genesenen Patienten wächst immer mehr und sollte uns Kraft und Hoffnung geben“, sagte Di Maio.

Angesichts der zunehmenden Zahl von Infektionsfällen könnte unterdessen die Sperrzone auf Teile der lombardischen Provinz Bergamo ausgedehnt werden. Dort wurden zuletzt viele neue Infektionsfälle gemeldet. Für die Erweiterung der „roten Zone“ soll sich der lombardische Präsident Attilio Fontana ausgesprochen haben, berichtete die römische Tageszeitung „La Repubblica“ (Samstagsausgabe). Das letzte Wort hat die Regierung in Rom.

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Italien stoppt außerdem einen Teil der Arbeit im Justizsystem. Zunächst für rund zweieinhalb Monate bis Ende Mai sind zum Schutz vor Infektionen Einschränkungen im Justizwesen möglich. Prozesse zu nicht schweren Taten dürfen damit verschoben werden.

Im Kampf gegen das Coronavirus rief die italienische Regierung überdies Ärzte aus dem Ruhestand zurück. Die Regierung begann am Samstag landesweit, Ruheständler zu reaktivieren. Diese Maßnahme ist Teil eines neuen Notprogramms, das bei einer bis in die Nacht dauernden Krisensitzung des Kabinetts beschlossen wurde.

Demnach sollen insgesamt 20.000 neue Kräfte für das Gesundheitssystem eingestellt werden. Bei den 20.000 Neu-Einstellungen soll es sich um 5.000 spezialisierte Ärzte sowie 15.000 Krankenpflegekräfte und weitere Helfer handeln. Nach den Beschlüssen des Kabinetts soll in den kommenden Tagen zudem die Zahl der Betten in den Intensivstationen von 5.000 auf 7.500 erhöht werden. Derzeit befinden sich wegen der Lungenkrankheit Covid-19 in Italien 462 Menschen auf Intensivstationen.

Wegen der Ausbreitung des neuen Coronavirus in Italien wird Papst Franziskus das nächste Angelus-Gebet nicht am Fenster vor den Menschen direkt sprechen. Das traditionelle Gebet am Sonntagmittag soll stattdessen per Video live aus dem Papstpalast übertragen werden. Das teilte das Pressebüro des Vatikans am Samstag mit. Es werde zudem auf Bildschirmen auf dem Petersplatz zu sehen sein. Die nächste Generalaudienz am Mittwoch solle ebenfalls auf ähnliche Weise verändert werden. Es gehe darum, die Ausbreitung der neuen Lungenkrankheit Covid-19 zu bremsen und die Sicherheit zu erhöhen.

Der Präsident der Region Venetien, Luca Zaia, forderte indes das Ende der Quarantäne für die Gemeinde Vo‘ Euganeo in der Provinz Padua, in der vor zwei Wochen die Coronavirus-Epidemie ausgebrochen war. „Wir halten den Notstand in Vo‘ Euganeo für beendet, das haben wir der Regierung in Rom mitgeteilt. Wir hoffen, dass diese Maßnahme für die Gemeinde aufgehoben werden kann“, betonte Zaia. In der Gemeinde wurden 66 der 3.300 Einwohner positiv getestet.

In Deutschland sind mittlerweile 795 Ansteckungsfälle mit dem Coronavirus bekannt. Das teilte das Robert-Koch-Institut (RKI) am frühen Samstagabend mit. Allein in Nordrhein-Westfalen wurden dem RKI zufolge 373 Fälle bestätigt, in Baden-Württemberg 170 und in Bayern 134 Fälle. Als einziges Bundesland weist bisher Sachsen-Anhalt keinen Fall auf.

Schüler und Kindergartenkinder in Bayern dürfen nach ihrer Rückkehr aus dem Virus-Risikogebiet Südtirol für zwei Wochen nicht in die Schule beziehungsweise in den Kindergarten. Dazu sei eine entsprechende Coronavirus-Allgemeinverfügung erlassen worden, teilte das Gesundheitsministerium in München mit.

Auch bei der Berliner Polizei gibt es nun einen Coronavirus-Fall. Der Polizist habe sich nicht im Dienst angesteckt und befinde sich in häuslicher Quarantäne, teilte die Polizei der Hauptstadt am Samstag über das Internet-Netzwerk Twitter mit.

In Frankreich starben in der Normandie nach Angaben des Gesundheitsministeriums zwei weitere Menschen. Insgesamt seien nun 716 Infektionsfälle bekannt, 103 mehr als am Freitag. Die britischen Gesundheitsbehörden teilten mit, die Zahl der bestätigten Infektionsfälle sei auf 206 gestiegen. Bisher seien zwei Patienten daran gestorben. In den Niederlanden wurden inzwischen 188 Infektionsfälle bestätigt. Am Freitag starb dort erstmals ein Mensch infolge der Virusinfektion.

Spanien meldete fünf weitere Tote durch das neuartige Coronavirus. Damit starben in dem EU-Land bereits acht Menschen durch die Epidemie. Bei den neuen Toten handelte es sich nach Behördenangaben um eine 87-jährige Frau in Badalona nahe Barcelona, einen ebenfalls 87-jährigen Mann in Zaragoza im Nordosten Spaniens sowie drei ältere Menschen aus der Region Madrid.

Island hat wegen des Coronavirus den Ausnahmezustand ausgerufen. Der Epidemologe Thorolfur Gudnason hatte das bei einer Pressekonferenz am Freitag in Reykjavik angekündigt, nachdem zwei Corona-Fälle bekannt wurden, die sich in Island angesteckt hatten. Insgesamt wurden bisher 43 Isländer positiv auf das Covid-19-Virus getestet. Die meisten davon haben sich vermutlich beim Winterurlaub in Italien oder Österreich angesteckt.

Nachdem mehrere Crewmitglieder positiv auf das Coronavirus getestet worden sind, steht ein Nilkreuzfahrtschiff mit etwa 165 Menschen an Bord im Süden Ägyptens unter Quarantäne. Die etwa 2.000 Passagiere des Kreuzfahrtschiffs „MSC Opera“, dem Malta am Freitag die Landung verweigert hatte, traf indes am Samstag im sizilianischen Messina ein. Die Passagiere wurden Kontrollen unterzogen. Der Kapitän versicherte, dass es keine Gesundheitsprobleme an Bord gebe, daher durften die Passagiere in Messina aussteigen. Malta hatte am Freitag dem Kreuzfahrtschiff „MSC Opera“ die Landung in La Valletta verweigert, nachdem zwei Österreicher, die eine Woche zuvor das Schiff verlassen hatten, positiv auf das Coronavirus getestet worden sind.

Am stärksten betroffen von der Epidemie sind nach wie vor China, Südkorea und der Iran. Jedoch meldete China einen geringeren Anstieg bei den Neuinfektionen. Nach jüngsten Angaben sind dort fast 80.700 Menschen infiziert und 3.070 am Virus gestorben. Laut Regierung kehrten dennoch bereits 78 Millionen Wanderarbeiter zur Arbeit zurück. Das seien 60 Prozent aller Personen, die zum Neujahrsfest nach Hause gegangen sind. Allerdings wachse durch die erhöhte Reisetätigkeit das Ansteckungsrisiko.

In Südkorea stieg die Zahl der Infektionen auf 7.041. Das seien 448 mehr als am Vortag, teilte die Gesundheitsbehörde mit. Dabei stehe mehr als die Hälfte der Fälle mit einer geheimen Kirche in Verbindung, die sich im Zentrum des Ausbruchs befinde. Die Zahl der Todesopfer sei um zwei auf 46 gestiegen.

Im Iran legte die Zahl der Neuinfektionen sprunghaft zu. Das Gesundheitsministerium teilte mit, dass bis zum Samstag binnen 24 Stunden mehr als tausend Menschen positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Insgesamt seien jetzt 5823 Infektionsfälle bekannt. Die Zahl der Menschen, die infolge der Infektion gestorben sind, stieg um 21 auf 145.Auf dem vor Kalifornien festsitzenden Kreuzfahrtschiff „Grand Princess“ sind inzwischen 21 Menschen positiv auf das neuartige Coronavirus getestet worden. Bei 19 Besatzungsmitgliedern und zwei Passagieren sei eine Infektion nachgewiesen worden, erklärte am Freitag US-Vizepräsident Mike Pence, der von US-Präsident Donald Trump mit der Koordination der Maßnahmen gegen die Epidemie beauftragt wurde.

Die US-Gesundheitsbehörden meldeten erstmals Todesfälle durch das neuartige Coronavirus an der Ostküste des Landes. Zwei Menschen seien im Bundesstaat Florida an der durch den Erreger ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 gestorben, teilte das Gesundheitsministerium von Florida am Freitag mit. Damit erhöhte sich die Zahl der Todesfälle durch das Coronavirus in den USA insgesamt auf 16.

In Australien hat die Angst vor einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus einen Ansturm auf Klopapier ausgelöst - nun ist ein Streit um das begehrte Produkt erneut eskaliert. Wegen eines handgreiflichen Streits um eine Packung Klopapier in einem Supermarkt in Sydney musste am Samstag die Polizei anrücken. Bereits zuvor waren Hamsterkäufe in Australien in Gewalt umgeschlagen.


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