Dortmund nach „Big Win“ in Gladbach erster Bayern-Jäger

Zum Start ihrer bisher wichtigsten Woche in dieser Fußball-Saison hat Borussia Dortmund zuvor ungeahnte Fähigkeiten entdeckt. Spätestens nach dem glücklichen 2:1 bei Borussia Mönchengladbach spricht niemand mehr über angeblich fehlende Mentalität beim neuen Zweiten der Fußball-Bundesliga.

Die Zuversicht für den Champions-League-Showdown am Mittwoch bei Paris Saint-Germain mit Ex-Coach Thomas Tuchel und der Glaube, im Liga-Titelrennen noch einmal entscheidend mitzumischen, wachsen. „Das gibt uns ein gutes Gefühl“, frohlockte Torhüter Roman Bürki nach dem fünften Pflichtspielsieg in Serie. Derzeit gewinnen die Westfalen - anders als in der Hinserie oder zum vergleichbaren Zeitpunkt der Vorsaison - auch die Spiele, in denen der Gegner mindestens auf Augenhöhe ist.

„Wir haben in den letzten Wochen immer Resultate eingefahren. Wir haben nicht immer top gespielt, aber wir haben gewonnen. Das ist wichtig und das gibt auch eine gute Stimmung“, sagte Bürki nach dem Topspiel in Gladbach, das eigentlich mehr und vor allem bessere Chancen hatte. „Am Ende war das sicher etwas glücklich“, räumte Sportchef Michael Zorc ein, und Mittelfeld-Stratege Alex Witsel bekannte: „Vor allem in der ersten Halbzeit war Gladbach besser.“

Trotzdem ist das Team von Trainer Marco Rose im Titelrennen zunächst einmal distanziert, erster Verfolger von Serienmeister Bayern München ist der BVB. „Wir sind auf einem guten Weg“, meinte Bürki. „Big (!) win today!“, twitterte Abwehrchef Mats Hummels umgehend nach dem Spiel im Borussia-Park.

Auch BVB-Trainer Lucien Favre feierte den Erfolg bei seinem Ex-Club für seine Verhältnisse überschwänglich mit Luftsprüngen, emotionalen Worten und auffallend guter Laune. „Das war sehr hart gegen einen sehr, sehr harten Gegner. Ich bin sehr zufrieden“, sagte der Schweizer. Schon beim 1:0 in der Vorwoche gegen Freiburg hatte Dortmund trotz eines mäßigen Spiels gewonnen.

Grund für den Mentalitätsumschwung sind nicht nur laut Hummels die Wintertransfers. Auch wenn Ex-Salzburger Erling Haaland am Samstag abgemeldet war, lobte Hummels den 19-Jährigen für seinen allgemeinen Wert. Zusammen mit dem ebenfalls im Winter von Juventus Turin verpflichteten Emre Can stehen nun zwei willens- und kampfstarke Spieler im Team. „Jetzt haben wir die richtige Balance aus Künstlern und Arbeitern oder Leuten, die beides können“, sagte Hummels, der darin den Schlüssel sieht: „Wir haben eine andere Herangehensweise, das war heute ein Fight, den wir angenommen haben. Das hätte vor ein paar Wochen noch anders ausgesehen.“

Durch den Erfolg in Gladbach zogen die Dortmunder um einen Punkt an RB Leipzig vorbei, weil die Sachsen in Wolfsburg nur ein 0:0 erreichten. Die Meisterträume sind dadurch zumindest vorerst ad acta gelegt. „Wir müssen nicht von den Bayern reden“, sagte Trainer Julian Nagelsmann. Die Leipziger richten nun alle Konzentration auf die Champions League - und das in einem doppelten Sinn. Schon am Dienstag steht das Achtelfinal-Rückspiel gegen Tottenham an. Die Chancen, den Vorjahresfinalisten aus dem Bewerb zu werfen, sind nach dem 1:0-Hinspiel-Erfolg in London sehr gut.

Und dann ist da noch das große Ziel, auch in der kommenden Saison wieder in der Champions League vertreten zu werden. Und genau das ist durch die Punktverluste der beiden vergangenen Runden in Gefahr geraten. Denn mittlerweile müssen die Leipziger in der Tabelle mehr hinter sich auf Leverkusen und Mönchengladbach achten, als vor sich dem FC Bayern hinterherzurennen. „Es ist in dieser Saison extrem schwer, unter die ersten Vier zu kommen. Mit Bayern, Dortmund, Leverkusen und Gladbach haben wir sehr starke Konkurrenten“, gestand Goalie Peter Gulasci.


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