Kanzler Kurz deutet weitere Maßnahmen wegen Coronavirus an

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat am Sonntag weitere Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus angedeutet. Als Ziel nannte er in der ORF-“Pressestunde“, die Ausbreitung der neuen Krankheit bis nach Ende der aktuellen Grippewelle zu verzögern. Aktuell sind in Österreich 103 Personen am Coronavirus erkrankt.

In ganz Österreich wurden bisher 4.509 Personen auf das Virus getestet. Betroffen sind in Niederösterreich 31 Personen, in Wien 32, in der Steiermark zehn, in Tirol acht, in Salzburg ebenfalls acht, in Oberösterreich sieben, im Burgenland vier, in Vorarlberg zwei und in Kärnten eine Person.

Konkrete Maßnahmen gegen den Coronavirus nannte Kurz nicht, deutete aber unter anderem die vorübergehende Schließung von Schulen und Kindergärten an. „Was wir verhindern müssen ist, dass es eine rasche Ausbreitung des Coronavirus gleichzeitig mit der Grippewelle gibt“, sagte Kurz. Andernfalls würde das Gesundheitssystem an seine Kapazitätsgrenzen stoßen. Derzeit gebe es zusätzlich zu den Corona-Infektionen nämlich noch über 100.000 Grippepatienten. „Jeder Tag, den wir jetzt gewinnen in der Ausbreitung, hilft uns, was unsere medizinischen Kapazitäten betrifft.“ Auch Italien strenge sich an, „weil ihnen sonst das Gesundheitssystem zusammenbricht“.

Bei der Bevölkerung warb Kurz um Verständnis für weitere Maßnahmen. Die Akzeptanz für die aktuellen Quarantänemaßnahmen sei vorhanden. „Aber natürlich wird es in weiterer Folge nicht nur eine Einschränkung im Flugverkehr geben oder im Austausch mit Italien, sondern wir werden täglich beurteilen müssen, welche Maßnahmen setzen wir darüber hinaus“, so der Bundeskanzler. Es werde darum gehen, das öffentliche Leben ein Stück weit zu verlangsamen.

Als Beispiele nannte Kurz die vorübergehende Schließung von Schulen, Kindergärten und Universitäten sowie die Einschränkung von Großveranstaltungen. Man müsse diese Schritte aber „zum richtigen Zeitpunkt, in der richtigen Dosierung“ setzen, denn lange könne eine Volkswirtschaft das nicht durchhalten.

Je mehr Infektionen es gebe, desto schwieriger werde es aber, jede einzelne Ansteckung zurückzuverfolgen, räumte Kurz ein: „Irgendwann kommt man in eine Phase, wo man zwar hinnehmen muss, dass die Ausbreitung stattfindet, aber versucht zu verhindern, dass es einen Peak gibt.“

Wirtschaftliche Auswirkungen erwartet Kurz aber jedenfalls. „Ganz hart wird es Italien treffen“, so der Bundeskanzler, „aber auch an Österreich wird das nicht spurlos vorübergehen“.

Der medizinische Krisenstab der Stadt Wien fasste am Sonntag den Beschluss, beim Gesundheitsdienst (Magistratsabteilung MA 15) die Kräfte zu bündeln. Das bedeutet, dass Impfservices ab Montag bis auf weiteres auf die Zentrale des Gesundheitsdienstes am Thomas-Klestil-Platz in Wien-Landstraße konzentriert werden. Auch Gesundenuntersuchungen werden reduziert, sagte Corina Had, Sprecherin der Wiener Berufsrettung, der APA. Und intern werden Urlaube von Mitarbeitern auf ein „unumgängliches Maß“ beschränkt.

Die Verordnung des Bundes für Gesundheitschecks an den österreichisch-italienischen Grenzen soll in Tirol mit Dienstag in Kraft treten. Ab Dienstagvormittag sollen zwei mobile Gesundheitscheck-Teams am Brenner - an Autobahn, Landesstraße und im Zugverkehr - sowie an den Grenzen Sillian und Reschenpass punktuelle Gesundheitskontrollen vornehmen, teilte das Land am Sonntag mit.

„Die Reisetätigkeiten aus den betroffenen norditalienischen Krisengebieten sollen insgesamt überdacht und bestmöglich vermieden werden. Die Gesundheitschecks in den Grenzbereichen vom Brenner, Reschenpass und Sillian betreffen sowohl den Straßenverkehr auf Autobahn und Landesstraße, als auch den Zugverkehr“, erklärte Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP).

Es sollen punktuelle und stichprobenartige Temperaturmessungen durchgeführt werden. Zudem werden auch ausgearbeitete Standardfragen gestellt, etwa dazu, ob die Reise aus einem Risikogebiet angetreten wurde und ob die kontrollierten Personen grippeähnliche Symptome aufweisen. Eine Arbeitsgruppe im Land sei gerade dabei, die konkrete Umsetzung der Gesundheitschecks vorzubereiten, hieß es.

Unterdessen sorgt das von Deutschland verhängte Ausfuhrverbot für medizinische Hilfsmittel für Probleme mit Nachlieferungen für Österreich: Der „Kurier“ meldet, dass eine Lkw-Ladung voller Atemschutzmasken an der deutschen Grenze an der Einreise nach Oberösterreich gehindert worden sei. Der Fall wurde von Gerhard Hasenöhrl, dem Leiter der Pressestelle des Landes Oberösterreich, bestätigt: „Wir kennen den Fall seit Donnerstag.“ In Oberösterreich würden die Masken in den Spitälern dringend gebraucht, erklärte Hasenöhrl. Man habe die Angelegenheit an die zuständigen Ministerien im Bund abgetreten.

In der Schweiz hat das deutsche Ausfuhrverbot nach einem Bericht der „NZZ am Sonntag“ schon zu diplomatischen Spannungen geführt. Die Eidgenossenschaft hat den deutschen Botschafter vorgeladen und sei auch schon bei den Ministerien in Berlin vorstellig geworden. Die deutschen Behörden seien mit Nachdruck aufgefordert worden, die blockierten Sendungen umgehend freizugeben. So soll derzeit ein Lastwagen mit 240.000 Schutzmasken von den deutschen Zollbehörden daran gehindert werden, in die Schweiz zu fahren. Laut dem Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft wäre das kein Einzelfall.


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