Prutz bewirbt sich um Dorferneuerungspreis

Begegnungszone, Dorfplatz, Innopark, Jugendprojekte – all das wirft Prutz in die Waagschale, um zum schönsten Dorf gekürt zu werden.

Die „Golden Road“ durch Prutz – im vergangenen Jahr wurde in der Gemeinde die erste Begegnungszone auf einer Landesstraße eröffnet. Auch der Dorfplatz wurde neu gestaltet.
© Reichle

Von Matthias Reichle

Prutz – Es ist so etwas wie der Oscar der schönsten Dörfer Europas – und heuer muss man Prutz die Daumen drücken. Die Obergrichter Gemeinde hat sich für den Europäischen Dorferneuerungspreis beworben, der alle zwei Jahre verliehen wird.

Vor vier Jahren hat die Nachbargemeinde Fließ gewonnen, nun könnte bereits der zweite Ort aus dem Bezirk Landeck nachziehen. „Das Land hat gefragt, ob wir Tirol vertreten möchten“, erklärt Bürgermeister Heinz Kofler. Man habe gut überlegt, „immerhin ist es viel Arbeit“, erklärte er. Es wurde eine Steuerungsgruppe ins Leben gerufen, die Mitte Februar die 48 Seiten fassende Bewerbung abgegeben hat.

Ausschlaggebend dürften die zahlreichen innovativen Projekte der letzten Jahre sein: die Neugestaltung des Ortszentrums, der Innopark, die erste Begegnungszone auf einer Landesstraße, die im vergangenen Jahr eröffnet wurde – die so genannt­e „Golde­n Road“ – und die Neugestaltung des Dorfplatzes. Etwas Außergewöhnliches war auch der Bürgerbeteiligungsprozess, der diesen Projekten vorausging, wie Nikolaus Juen, Vorstand der Abteilung Bodenordnung beim Land, betont. Außerdem bemüht sich die Gemeinde stark um die Revitalisierung alter, leer stehender Gebäude und versucht selbst, Leerstände zu verwerten und junge Unternehmen anzusiedeln, erklärt er. Ein Schmuckstück sind auch das Winkelhaus und der Winkelstadel aus dem 14. Jh. All das wird man nun in die Waagschale werfen, um aus allen einreichenden Kommunen hervorzustechen.

Heuer gibt es insgesamt 26 Bewerber aus 13 Staaten, Südtirol sei kurzfristig abgesprungen, heißt es aus dem Büro der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, die den Wettbewerb seit 1990 durchführt.

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Kofler ist, was die Chancen seiner Gemeinde betrifft, allerdings eher vorsichtig: „Dass ein zweites Mal in Tirol das Oberland gewinnt, ist unwahrscheinlich“, prognostiziert er. Und immerhin würden Kommunen von Ostbelgien bis Slowenien und Ungarn teilnehmen.

Sollte aus dem Gewinn aber nichts werden, seien die ganzen Vorbereitungsarbeiten nicht umsonst, erklärt der Bürgermeister. In sieben Jahren feiert man das 1000-Jahr-Jubiläum von Prutz – viele der heuer angestellten Recherchen fließen dann in diese Feierlichkeiten mit ein.

Vorher wartet aber ein umfangreiches Prozedere auf die Gemeinde. Im Mai soll demnach eine Kommission nach Prutz kommen, um sich selbst ein Bild vor Ort zu machen.

So ganz sicher ist das aber alles noch nicht. Auch der Europäische Dorferneuerungspreis ist ein Opfer von Corona. So wurden erste Termine bereits verschoben. Der Wettbewerb an sich ist zwar nicht gefährdet, der Zeitplan könnte sich aber noch ändern. Möglicherweise, so vermutet Juen, könnte der Preis erst im Frühjahr 2021 verliehen werden und nicht wie geplant im Herbst.


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