Gesprächsoasen der Diözese Innsbruck sind der Beichtstuhl des Alltags

Mit Gesprächsoasen geht die Diözese Innsbruck hin zu den Menschen. Der Brunnen im Innsbrucker Dez schafft Ruhe und Aufmerksamkeit fürs Reden.

In der Gesprächsoase im Einkaufszentrum Dez herrschte gestern viel Gesprächsbedarf: Teamleiter Gebhard Ringler, Schwester Irma Maria Kuenzer, Christian Marte, Katia Fabbri, Bischof Hermann Glettler und die Obfrau der ökumenischen Initiative, Gerlinde Busse, stellten den Brunnen in den Mittelpunkt.
© Diözese Innsbruck

Innsbruck – Zu den Menschen hingehen, ihnen zuhören, ihnen einen Platz der Ruhe geben, aber nicht urteilen: Mit den Gesprächsoasen hat die Diözese Innsbruck Räume geschaffen, um den Menschen Halt in ihrem Alltag zu geben. Wie im „Brunnen“ im Einkaufszentrum Dez in Innsbruck. Und die Gesprächsoasen haben auch etwas mit Fasten zu tun. Denn dort wird entschleunigt. „Das Gespräch hilft“, ist der Leiter des interreligiösen Brunnes, Gebhard Ringler, überzeugt. Mit „Stille-Gespräch-Beratung“ bieten er und sein Freiwilligenteam Gastfreundschaft an.

Während Diözesanbischof Hermann Glettler spricht, greift Hektik um sich, der Einkaufstag kommt an diesem Donnerstagvormittag langsam in die Gänge. Glettler zitiert aus seinem Fastenhirtenbrief. „Viel Freude, Lebenskraft und Kreativität gehen verloren, wenn die Altlasten von Schuld, Kränkung und Verbitterung nicht abgebaut werden.“ Zugleich bringt er die Versöhnung ins Spiel und den Beichtstuhl des Alltags.

Versöhnte Menschen sind Hörer, Verkünder und ,Täter‘ der Frohen Botschaft.
Hermann Glettler (Diözesanbischof)

Die Gesprächsoasen sind Kraftquellen in der Tiroler Landeshauptstadt. Oft auch ein „Sorgensackerl“, wenn Angestellte nach einem langem Arbeitstag in den Geschäften einfach nur reden wollen, damit sie wieder mit einem Lächeln nach Hause kommen. Für Gebhard Ringler gehört Humor ebenfalls dazu.

Dass das nicht immer leicht sei, schildert Schwester Irma Maria Kuenzer von den Steyler Missionsschwestern, die für die Gesprächsoase in der Innenstadt in der Nähe der Innsbrucker Klinik verantwortlich ist. „Private Sorgen, Beziehungsprobleme oder eine bedrückende medizinische Diagnose“ bringen die Menschen zu uns. Neun Frauen und vier Männer versuchen ihnen zuzuhören und Kraft zu geben.

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Katia Fabbri von der Caritas Familienberatung erzählt von ähnlichen Situationen. Die Gesprächsoasen sind mittlerweile ein wichtiger Rückhalt in der Betreuung von ratsuchenden Menschen. Der Rektor der Jesuitenkirche/Universitätskirche in Innsbruck sowie des Jesuitenkollegs, Christian Marte, spannte schließlich den Bogen zurück zum Bischof. Weil die Jesuitenkirche eine Beichtkirche nicht nur für Innsbruck, sondern für ganz Tirol sei. Im Beichten sieht Marte gleichfalls einen Austausch für einen Neuanfang; ein Erleichtern von Belastungen. „Beichten ist unkompliziert“, erklärt er. Die Menschen würden dann entlastet und gestärkt nach Hause gehen.

Das Gespräch hilft. Wir hören aktiv den Menschen zu, aber urteilen nicht.
Gebhard Ringler (Gesprächs­oase Brunnen im Dez)

So sind die Oasen eingebetten in den seelsorglichen Auftrag der Diözese Innsbruck, der nicht an den Rolltreppen eines Einkaufszentrums wie im Dez endet. „Dort bewegen sich die Menschen, es ist der Austragungsort von Leben“, weist Bischof Hermann Glettler auf den Auftrag der Kirche im Dienst der Versöhnung hin. Versöhnung schafft für ihn neue Lebensqualität, weil versöhnte Menschen nicht nur für sich selbst leben würden. „Sie sind vielmehr Hörer, Verkünder und ,Täter‘ der Frohen Botschaft.“ (pn)


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