Land lockert Fahrverbot, mehr Kontrollstreifen am Brenner

Vorgezogenes Samstag-Fahrverbot für Lkw wird ausgesetzt, allgemeine Aufhebung derzeit kein Thema. Italien-Protest gegen Grenzkontrollen.

Italien fordert, dass Tirol den Schwerverkehr ungehindert am Brenner passieren lassen soll. Die Gesundheitskontrollen seien „sinnlos“.
© Thomas Boehm / TT

Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck –Der Lkw-Rückstau auf der Brennerautobahn in Südtirol reichte gestern teils bis nach Bozen. Die Grenzkontrollen am Brenner brachten den Schwerverkehr zum Erliegen. In Richtung Norden wurden deshalb die Auffahrten bei Bozen-Nord, Klausen, Brixen und Sterzing gesperrt. Pkw wurden auf die Brennerstraße umgeleitet. „Die Aussetzung des Schengen-Abkommens ist nicht annehmbar. Man kann den Brenner-Korridor nicht schließen“, wetterte Italiens Europaminister Vincenzo Amendola. Der Industriellenverband „Confindustria“ verstieg sich sogar dazu, die Gesundheitschecks als „sinnlose Maßnahme“ zu bezeichnen. Südtirols LH Arno Kompatscher appellierte an Innenminister Karl Nehammer sowie LH Günther Platter, dass die Lkw zumindest „schneller abgefertigt werden“.

Ingrid Felipe
© Thomas Boehm / TT

Auch, wenn Baustellen auf der Brennerautobahn gestern ihr Scherflein zum Mega-Stau beigetragen haben – die Polizei erweiterte in Folge die Lkw-Abfertigung von einer auf drei Spuren. Noch am Vormittag beriet das Land zudem, das erweiterte Samstagfahrverbot im Schwerverkehr auszusetzen. Am frühen Nachmittag kam dann grünes Licht von LH Günther Platter (VP) und LHStv. Ingrid Felipe (Grüne). Aus Gründen der Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit wird das Lkw-Fahrverbot am kommenden Samstag nicht bereits um 7 Uhr, sondern regulär um 15 Uhr beginnen. Es wäre ohnedies der letzte „erweitere“ Samstag gewesen.

Es gibt den Wunsch, das Wochenendfahrverbot aufzuheben. Das können wir aber nicht.
Ingrid Felipe (LHStv., Grüne)

Felipe bestätigt der TT, dass es den starken Wunsch der Frächter gebe, das gesamte Wochenendfahrverbot in Zeiten der Coronavirus-Krise auszusetzen. „Das können wir nicht“, sagt Felipe. Derzeit bestünde hierfür auch „keine Notwendigkeit“. Jedoch würde derzeit in allen Bereichen „die Lage täglich mehrmals neu beurteilt“. Ein Alleingang ohne Deutschland und Italien sei ohnedies nicht möglich, drohten in diesem Fall nämlich Lkw in Tirol zu stranden.

Christoph Walser
© Foto TT/Rudy De Moor

Transitforumchef Fritz Gurgiser wertet Italiens Vorstoß als „Nötigungs- und Erpressungsversuch“. Abgesehen davon, dass Lebensmitteltransporte „von allen Fahrverboten ausgenommen“ seien, hätten auch die Frächter das zu akzeptieren, was nun oberste Priorität habe: „Jede nur erdenkliche Vorsorge.“

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung ab sofort bis auf Weiteres kostenlos digital abrufen

TT E-PaperTT E-Paper

Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Walser wollte gestern nicht an dem Lkw-Fahrverbot rütteln. Derzeit gebe es andere Prioritäten. Sollte sich die Lage aber zuspitzen, werde es „eine gemeinsame Lösung mit dem Land geben“.

Sollte sich die Lage zuspitzen, wird es sicher eine gemeinsame Lösung geben. Wir stellen keine Forderung.
Christoph Walser (Wirtschaftskammerpräsident)

Über 4700 Personen wurden kontrolliert

Innsbruck – Im Zuge der seit Mittwochmittag hochgefahrenen Grenzkontrollen wurden am Brenner, Reschenpass und in Osttirol an den Übergängen zu Südtirol bis Donnerstagfrüh über 4700 Personenkontrollen durchgeführt, bestätigte gestern LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) der TT.

Es habe demzufolge 70 Abweisungen gegeben. Das sind solche Fälle, die aus medizinischen Gründen (fehlende ärztliche Attests) nicht einreisen durften. Die Polizei sprach zudem ein gutes Dutzend an Zurückweisungen aus. Dies aufgrund fehlender oder ungültiger Reisedokumente. Zumindest während dieses Kontrollzeitraums habe es keinen Coronavirus-Verdachtsfall gegeben, sagt Felipe.

Noch keine offiziellen Zahlen gibt es zur Verkehrsentwicklung an der Haupttransitachse Brenner. Subjektiv betrachtet, ist der Verkehr massiv zurückgegangen. Bestätigen kann das die Asfinag derzeit nicht. Man wolle vorerst bis Anfang nächster Woche warten, um zu validen Zahlen zu kommen, hieß es gestern. (mami)


Kommentieren


Schlagworte