„Pannenstreifen-Öffnung für Völs sehr wohl von Vorteil“

Bis auf die Grünen wären die Völser Gemeinderatsfraktionen für eine Freigabe zu Stoßzeiten. Derzeit liegt das Asfinag-Vorhaben in Wien.

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Die Völser Grünen sprechen sich vehement gegen eine zeitweise Öffnung des Pannenstreifens zwischen Zirl Ost und Innsbruck West aus. Einen entsprechenden Antrag lehnten die anderen Fraktionen aber klar ab.
© Linda Rieser

Von Michael Domanig

Völs, Innsbruck, Zirl – Eine temporäre Öffnung des Pannenstreifens auf der A12 zwischen Zirl Ost und Innsbruck West als dritte Fahrspur zu Stoßzeiten, um so die Verkehrsdichte zu entzerren: Um dieses kontrovers diskutierte Ansinnen der Asfinag – Land und Stadt Innsbruck hatten sich dagegen ausgesprochen – war es zuletzt sehr ruhig. In der jüngsten Gemeinderatssitzung in Völs kam das Thema aber wieder aufs Tapet.

Anlass war ein Antrag der Völser Grünen gegen eine Öffnung des Pannenstreifens. Sie fürchten, dass die angedachte Maßnahme, um den Verkehr auf der Autobahn flüssiger zu machen, nur noch mehr Verkehr anziehen und weitere Lärmbelastung verursachen würde, wie GR Brigitte Gradl-Rangger erklärt. Wenn es auf diesem Streckenabschnitt hingegen „nicht fein zu fahren ist“, bestehe die Hoffnung, dass die Pendler auf Alternativen, vor allem die Öffis, umsteigen. Und das müsse das eigentliche Ziel sein.

Von allen anderen Gemeinderatsfraktionen wurde der Antrag der Grünen jedoch rundweg abgelehnt: Eine zeitweise Freigabe des Pannenstreifens „würde für Völs sehr wohl etwas bringen“, meint Bürgermeister Erich Ruetz (ÖVP). Geplant wäre die Maßnahme ja auch nur für den Pendlerverkehr in der Früh und am späteren Nachmittag. Aktuell sei die Marktgemeinde wegen der Staus jedenfalls häufig von Ausweichverkehr durchs Ortsgebiet betroffen.

Er beobachte dieses Problem regelmäßig in der Früh um ca. 7.30 Uhr, bestätigt GR Herbert Strickner (FPÖ), der Ausweichverkehr sei teilweise „extrem“. Daher solle das Problem „auf der Autobahn gelöst“ werden – zumal es ja auch alles andere als umweltfreundlich sei, „wenn Autos im Stau stehen müssen“.

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Auch für Vize-BM Walter Kathrein (SPÖ) wäre eine Öffnung ein „großer Vorteil für Völs“. Die Praxis zeige: „Wenn die Autobahn Richtung Innsbruck ab Zirl zu ist, verlagert sich der Verkehr auf Völs bzw. auch auf Kematen und Unterperfuss. Lärm und Abgase rücken damit näher ans Wohngebiet heran.“ Dass seine Parteifreunde in Innsbruck eine Öffnung ablehnen, ist Kathrein bewusst. SPÖ-Landesparteivorsitzender Georg Dornauer sehe die Sache hingegen „genauso wie ich“. Zudem habe die Asfinag signalisiert, „dass sie bei einer teilweisen Freigabe des Pannenstreifens die bestehenden Lärmschutzwände ertüchtigen würde“, so Kathrein.

Aber wie ist überhaupt der aktuelle Sachstand rund um das Vorhaben? Derzeit laufe beim Verkehrsministerium ein Feststellungsverfahren nach dem Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetz (UVP-Gesetz), berichtet Günter Fritz, Regionalleiter Projektentwicklung für Westösterreich bei der Asfinag, auf TT-Anfrage. Dabei werde geprüft, ob das Projekt UVP-pflichtig ist. Nach Einschätzung der Asfinag sei das nicht der Fall. Sollte die Asfinag das „Go“ erhalten, dass keine UVP-Pflicht besteht, werde man die wasser-, naturschutz- und forstrechtlichen Verfahren abschließen, so Fritz. Dann werde man nochmals Gespräche mit Land Tirol und Stadt Innsbruck suchen. Denn man wolle das Vorhaben „auf jeden Fall im Konsens“ umsetzen.

Inhaltlich sei die Asfinag nach wie vor der Meinung, „dass eine Öffnung in den Morgen- und Abendspitzen – für jeweils ein bis zwei Stunden – ein gutes Mittel wäre, um der Probleme Herr zu werden“. Und die asphaltierte Fläche sei ja schon vorhanden.

Die Völser Grünen hoffen, dass es nie zu der Öffnung kommen wird. Aber falls doch, „wäre es das Mindeste, dass die Bevölkerung mit zusätzlichen Maßnahmen vor dem Lärm geschützt wird“, meint GR Gradl-Rangger.


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