Personal händeringend gesucht: Tirol rekrutiert Klinikpersonal

Weil Ärzten zunehmend Testsets, Schutzmasken und -anzüge fehlen, hat das Land nachgeordert. Medizinisches Personal wird händeringend gesucht.

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Ein Kontrollpunkt für Corona-Tests in einem Zelt beim Krankenhaus Zams gestern vormittags. Ziel ist, die Infektionen einzudämmen
© Thomas Boehm / TT

Von L. Pircher und A. Heubacher

Innsbruck – Tirols Hausärzte versuchen, ihre Patienten in den Ordinationen derzeit streng in geordnete Bahnen zu lenken, um weitere Corona-Infektionen einzudämmen bzw. zu verhindern. Eine vorherige telefonische Anmeldung und das Separieren von Infektpatienten sind mittlerweile ein Muss – nicht zuletzt, um Ärzte und damit auch Patienten vor einer möglichen Ansteckung zu schützen. Bis zuletzt kritisierte die Ärzteschaft, allen voran Herbert Bachler, Hausarzt und Präsident der Tiroler Gesellschaft für Allgemeinmedizin, dass die Ordinationen aufgrund von Lieferengpässen unterschiedlich gut mit Schutzkleidung und Desinfektionsmitteln ausgerüstet seien.

Wie schnell eine Ansteckung passieren kann, erlebte Sprengelarzt Stefan Oberleit, der seit einer Woche positiv ist: „Am Montag habe ich den ganzen Tag bis etwa 19 Uhr in meiner Praxis gearbeitet und ich habe mich topfit und sehr gesund gefühlt. Beim Abendessen zu Hause ist mir plötzlich leicht schwindlig geworden und ich hatte auch kurzzeitig immer wieder ein unscharfes Sehen. Nach fünf Minuten hatte ich plötzlich, wie vom Blitz getroffen, Schmerzen am ganzen Körper, jedes Gelenk tat weh.“ Der Arzt testete sich dann selbst auf Corona, obwohl die Hotline ihn auf Nachfrage nicht als Risikofall eingestuft hatte. Er war positiv.

Mittlerweile haben sich mehrere Hausärzte bei der TT gemeldet. Vielen fehlt es an Schutzmasken oder Schutzanzügen, um sich, ihre Mitarbeiter oder auch Patienten ausreichend zu schützen. Manche Ärzte berichten, dass die Teststäbchen ausgegangen sind, um Abstriche durchführen zu können.

Bei einer Videopressekonferenz des Landes erklärten Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg und Alois Schranz, Mediziner und Privatklinikumbetreiber, dass zwei Millionen Schutzmasken um zwei Millionen Euro aus China bestellt worden seien. Bis zum Wochenende sollte die Lieferung in Tirol einlangen.

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Ebenso nachbestellt wurden 1000 Schutzanzüge und Testsets. Das Bemühen sei groß, allerdings die Logistik ein Problem. Es gehe darum, so viel medizinisches und Hilfspersonal wie möglich zu schützen und zu rekrutieren. Tilg verwies darauf, dass nun auch Medizinstudenten herangezogen würden, um mehr Personal für den Screening-Dienst zu haben. „Seit Samstag versuchen wir intensiv, Personal aufzustellen“, erklärte Tilg. Viele Freiwillige hätten sich bereits gemeldet.

„Das Ziel ist, die Infektionen einzudämmen“, erklärt Schranz. „Wir sind nicht davor gefeit, dass uns die Infektionsrate erschlägt, wenn wir sie nicht eindämmen.“ Tilg, Schranz und LH Günther Platter appellierten erneut an die Bevölkerung, zu Hause zu bleiben. Ein Problem für Ärzte ist, dass wenn sie einen positiven Fall in ihrer Ordination haben, sie die Ordination schließen müssten. Tilg meinte, man versuche alles zu tun, um die Ärzte in den Ordinationen zu unterstützen. Die Ärzte seien aber verpflichtet, positive Fälle zu melden, sagte er.


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