SPÖ-Chefin Rendi-Wagner für nationale Rufbereitschaft

Spitäler sollten sich auf hohe Ausfälle beim Gesundheitspersonal vorbereiten, rät die SPÖ-Chefin und Medizinerin.

Pamela Rendi-Wagner fordert Schulungen für Ärzte.
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Sind die Maßnahmen, die gegen die Ausbreitung des Coronavirus gesetzt wurden, ausreichend?

Pamela Rendi-Wagner: Ob sie notwendig sind? Ja. Ob sie ausreichend sind? Mit heutigem Stand kann das niemand sagen. Wichtig ist, die Entwicklung jeden Tag genau zu bewerten und basierend darauf eine entsprechende Entscheidung zu treffen. Ziel muss sein, die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Infektionen zu reduzieren, um einen gefährlichen Gipfel an Erkrankungen – vor allem in der stark bedrohten Bevölkerungsgruppe der Älteren und chronisch Kranken – zu vermeiden.

Sehen Sie als Medizinerin die Gesundheitseinrichtungen gut gewappnet für die kommenden Wochen?

Rendi-Wagner: Wir wissen, dass die Zahl der Infizierten weiter steigen wird. Nötig ist daher ein zentraler Krisenplan, der einheitliche, fachliche Vorgaben für alle Krankenhäuser und auch niedergelassene Ärzte gibt – zum Schutz des Gesundheitspersonals. Ein Ausfall des Gesundheitspersonals in hoher Zahl wäre in dieser Situation fatal. Es geht darum, unsere Gesundheitsversorgung auch bei einem starken Fallanstieg in den nächsten Wochen abzusichern und zu wappnen. Da geht es ja nicht nur um die Versorgung von Coronapatienten, sondern auch darum, die sonstigen Krankheitsfälle wie Herzinfarkte und auch Unfälle bestmöglich zu versorgen.

Was ist in Krankenhäusern noch notwendig?

Rendi-Wagner: Wir haben jetzt einen kurzen Zeitraum, bis es zu einer möglichen starken Zunahme der Fälle kommt. Es braucht dringend ausreichend Schutzausrüstung für das Gesundheitspersonal und adäquate Schulungen für die Ärzte und das Pflegepersonal. Wenn das Gesundheitspersonal beginnt, in hohem Maße auszufallen, ist es zu spät. Um die Gesundheitsversorgung österreichweit abzusichern, braucht es für das Gesundheits­personal eine bundesländerübergreifende Rufbereitschaft. Das ist notwendig, um regionale Versorgungsengpässe zu vermeiden. Es kann passieren, dass in einem Spital viele Ärzte und anderes Gesundheitspersonal aufgrund von Infektionen oder Quarantänen ausfallen. Da muss es möglich sein, rasch aus anderen Spitälern, auch aus anderen Bundsländern, Personal in das jeweilige Spital, das den Engpass hat, zu bringen. Damit dort die Versorgung nicht zusammenbrich­t.

Das Gespräch führte Serdar Sahin


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