Corona-Krise: Hilfe in einer „neuen Realität“

Land und Diözese haben eine „Corona-Sorgenhotline“ eingerichtet. In einer Welt, die aus ihrem Rhythmus gekommen ist, soll sie psychischen Beistand bieten.

Die Kirchentüren bleiben nicht versperrt – ein Gebet in Zeiten der Corona-Krise ist willkommen.
© Thomas Böhm

Innsbruck –Der Umgang mit Krisen. Die plötzlich eingeschränkte Bewegungsfreiheit. Die Sorge um Eltern, Großeltern. Die Unsicherheit vor dem, was die Corona-Pandemie noch so alles bringen wird. All das bewältigen Menschen auf unterschiedliche Art und Weise. Manche besser, manche gar nicht. Aktuell dreht sich viel um die körperliche Unversehrtheit. Doch auch ein gesundes psychisches und seelisches Befinden kann schützen und kräftigen.

Seit gestern ist vom Land und der Diözese eine eigene „Corona-Sorgenhotline“ eingerichtet. Unter der Nummer 0800 400 120 nehmen fachlich geschulte Personen täglich von 8 bis 20 Uhr Anrufe entgegen. Vorerst sind zwei Leitungen hierfür eingerichtet. Außerhalb dieser Zeiten wird die Nummer auf jene des bereits bewährten und rund um die Uhr tätigen Dienstes der Telefonseelsorge aufgeschaltet.

Kirche stützt die Freiheitseinschränkungen

LH Günther Platter und LHStv. Ingrid Felipe betonten gestern einmal mehr, wie sehr das Coronavirus den Alltag aller umgekrempelt hat. „Mit Veränderungen leben wir ein Leben lang. Wenn jedoch die Geschwindigkeit der Veränderung zu hoch wird, entsteht Unbehagen.“ Das Virus hat alles verändert, so Felipe: „Zu Beginn waren viele von uns noch unbeschwert – jetzt stehen wir vor einer völlig neuen Realität.“

Viele gewohnte, Sicherheit gebende Tagesstrukturen seien verloren gegangen, betont der Psychiater und ärztliche Leiter des Landeskrankenhauses Hall, Christian Haring. Die Isolation, die derzeit Leben retten soll, kann aber auch negative Folgen haben. Erfahrungswerte, wie lange die Ausgangssperre aufrechterhalten bleiben muss und kann, habe man einfach keine, sagt Haring. Dennoch gelte: „Das Virus braucht einen Wirt. Wenn dieser Wirt aber in seinen eigenen vier Wänden bleibt, wird ihn das Virus nicht finden.“

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Auch die Kirche stützt die Freiheitseinschränkungen. Die Kirchentüren bleiben aber geöffnet. Auch für einen „Zwischenstopp“, ein kurzes Gebet, bekräftigte gestern Bischof Hermann Glettler. Er rät allen zu drei Dingen: sich eine Tagesstruktur schaffen („das schont die Nerven“), zur Versöhnung (mit sich selbst und anderen), aber auch zu geistiger Nahrung (nicht nur Unterhaltungsmedien, sondern auch das Gebet oder eine gute Lektüre). „Wir dürfen uns die Zuversicht und den Optimismus nicht nehmen lassen. Wir werden als Gesellschaft gestärkt hervorgehen“, so Glettler. All jenen, die den Bedarf für ein Gespräch haben, wird die Hotline ans Herz gelegt. (mami)


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