WSG-Tirol-Präsidentin Diana Langes: Garteln, spielen und Torten backen

Diana Langes (47), Präsidentin der WSG Swarovski Tirol, entnimmt der sportlichen und beruflichen Zwangspause auch positive Aspekte. Das Gemeinsame stehe im Vordergrund, erzählt sie von ihrem Zuhause mitten in der Natur.

WSG-Präsidentin Diana Langes kann auch in Zeiten der Krise Positives erkennen.
© Privat

Die Corona-Krise beschäftigt die Welt. Wie empfinden Sie die Maßnahmen?

Langes: Natürlich schränken uns die Maßnahmen sehr ein und auch für einen Sportverein oder Fußballclub ist es eine gespenstische Situation. Dennoch muss jeder tun, was notwendig ist, um diese Krise zu bewältigen.

Wie empfinden Sie die Reaktionen der Bevölkerung?

Langes: Die Bevölkerung reagiert großteils vorbildlich und erkennt den Ernst der Lage. Es gefällt mir, wenn man sieht, dass Sportlerinnen wie Janine Flock in einem Warenlager mithelfen. Da sieht man, dass das Gemeinsame im Vordergrund steht.

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Wie geht es Ihnen damit, den Tag in den eigenen vier Wänden zu verbringen?

Langes: Ich bin sehr froh, dass ich zu Hause nicht alleine bin und meine Familie um mich habe. Das würde ich jedem wünschen. Ich bin beim Garteln, beim Spielen mit den Kindern, zuletzt beim Tortenbacken für den Geburtstag meines Sohnes. Ich hatte noch nicht Zeit, zu lesen.

Vielfach wurde Kritik an unserer beschleunigten Welt laut, die sich langsamer drehen muss. Vor allem für den Fußball gelte das. Sehen Sie das auch so?

Langes: Die Welt wird nach Beendigung dieser Pandemie eine andere sein und ich hoffe, dass wir daraus lernen. Schön wäre es, wenn wir etwas Positives mitnehmen und weniger Egoismus und mehr soziale Kompetenz daraus resultieren.

Die EURO wird verschoben. Für Sie als ÖFB-Botschafterin der richtige Weg?

Langes: Dass die EURO so nicht stattfinden können wird, habe ich bereits vor drei Wochen vermutet. Sowohl als Botschafterin als auch als Privatperson finde ich, dass die Gesundheit und das Wohlbefinden immer vor sportlichen und wirtschaftlichen Interessen stehen muss.

Auch Ihren Hauptsponsor Swarovski traf die Krise, man musste in Notbetrieb gehen. Beeinträchtigt das Ihre Visionen?

Langes: Die Corona-Krise trifft alle Branchen der Wirtschaft sehr hart. Es wird dauern, bis sich die Welt davon erholt. Nichtsdestotrotz möchten wir unsere Visionen in der Zukunft realisieren.

Der Grunddurchgang der Fußball-Bundesliga ist vorbei, die WSG schlug sich für einen Aufsteiger achtbar. War es ein halbes Jahr, das Ihren Erwartungen entsprach?

Langes: Ich finde, wir haben uns gut geschlagen, es gab Ups and Downs. Die Mannschaft und das „Team um das Team“ haben Großartiges geleistet und Teamspirit bewiesen. So sind wir auf gutem Weg, unser Ziel, den Klassenerhalt, zu erreichen.

Hätten Sie rückblickend manches anders gemacht, etwa andere Spieler verpflichtet?

Langes: Überhaupt nicht. Ich habe allergrößtes Vertrauen in unser Team und unsere Mannschaft, so wie sie sind.

Für Diana Langes bleibt jetzt auch mehr Zeit für ihre Hunde.
© Privat

Das Tivoli bleibt die geduldete Heimstätte. Wie viel Wehmut ist dabei, wenn sich selbst bei Heimspielen manche aus dem treuen Anhang in der Wattener Vereinskantine versammeln?

Langes: Es war uns natürlich bewusst, dass diese Stadion­umstellung nicht einfach sein wird, und es war uns auch klar, dass der eine oder andere Fan für ein Heimspiel nicht nach Innsbruck fahren möchte. Das gilt es zu akzeptieren. Als Verein sind wir aber sehr bemüht, eine tolle Atmosphäre im Tivoli zu schaffen – ein Entwicklungsprozess. Ich bin auf jeden Fall dankbar für alle Anhänger und Fans der WSG – egal, ob im Tivoli oder in unserer Vereinskantine.

Bleibt der Traum von einem eigenen Stadion in Wattens?

Langes: Es gibt immer wieder Hürden, die diesen Traum bislang noch in eine gewisse Entfernung rücken.

Die WSG definierte sich immer als Familie. Ist es in einem Profibetrieb wie der Bundesliga schwer, diesen Nimbus aufrechtzuerhalten?

Langes: Profisport ist Profisport. Was aber nicht heißt, dass sich das enge Verhältnis zwischen Team, Mannschaft und Fans im Wesentlichen verändert hat. Das ist uns auch besonders wichtig und es funktioniert von allen Seiten gut.

In den vergangenen Jahren sorgte sich die WSG nie um die Lizenz, stets war eine Steigerung zu verzeichnen. Und doch steht die kommende Saison mit dem gleichen Budget wie bisher im Zeichen der Konsolidierung. Ist es schwer, die Sponsoren über ein gewisses Maß hinaus zu begeistern?

Langes: Sponsoren zu finden ist für niemanden einfach. Und wir haben das Glück, neben den großen Sponsoren auch von zahlreichen kleinen, regionalen Unternehmen unterstützt zu werden. Davon profitieren alle und wir werden auch in Zukunft dafür sorgen, dass wir unseren Partnern eine interessante Präsentationsbühne bieten.

Wie empfinden Sie das neue Wacker-Modell mit einem investorähnlichen Geldgeber? Wäre das auch für Sie interessant?

Langes: Das Wacker-Modell kenne ich nicht im Detail. Grundsätzlich muss sich jeder Verein damit beschäftigen, wie man sich finanziell und wirtschaftlich positioniert.

Haben Sie auf Ihrem bisherigen Weg schon viel Energie verbraucht? Oder lodert in Ihnen weiter das Feuer, es mit dem Club nach Europa zu schaffen?

Langes: Mein Feuer wird nie aufhören zu brennen. Wir haben unsere Visionen und diese werden wir schrittweise realisieren.

Das Interview führte Florian Madl


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