Die Welt dreht sich beim HCI nicht um die Hockeyscheibe

Auch Innsbrucks-Eishockey-Coach Rob Pallin sind wegen des Coronavirus nicht nur die Hände gebunden.

Es wäre schön, wenn der Captain gesund wiederkommt – HCI-Routinier Tyler Spurgeon hat noch einen Flug nach Kanada gefunden.
© Michael Kristen

Von Alex Gruber

Innsbruck – Für Innsbrucks Langzeitcoach Rob Pallin hat sich der Fall mit seiner ungarischen Gattin Dora und den beiden Töchtern Emily (3,5 Jahre) und Lina Rose (2) erledigt, ob noch ein Weg zurück in die Vereinigten Staaten führt. „Es ist, wie es ist. Mein Problem ist es, gerade nicht heimzukommen, aber im Angesicht dieser Virusinfektion will ich das eigentlich gar nicht erwähnen. Wir müssen jetzt alle einem besseren Zweck dienen“, hält der 53-jährige Amerikaner fest. Bei einem Haie-Sponsor hätte er seine helfende Hand schon angeboten.

Tyler Spurgeon, der langjährige Kapitän der Haie, hat vielleicht doch noch einen Flug nach Kanada ergattert. Gestern ging’s nach Wien, heute will er nach Toronto abheben, ehe es weiter in seine Heimat nach Edmonton geht. Seine Freundin Silvia muss hierbleiben, Spurgeon muss dann in Kanada selbst 14 Tage in Quarantäne. Wie man die ungewohnt viele Zeit in den eigenen vier Wänden kreativ nutzen kann, hat Spurgeon mit seiner besseren Hälfte schon auf Tiroler Boden probiert. „Wir habe Uno gespielt. Und wer verloren hat, musste Sit-ups machen“, lacht der 33-jährige Routinier, der seit Jahren mit einer überragenden Fitness im Haifischbecken glänzt: „Ich hoffe, es beruhigt sich alles wieder und ich komme wieder zurück“, diktiert „Spurg“. Es wäre dann seine bereits sechste Saison.

Im Moment spielt sich fast alles nur im Konjunktiv ab. „Ich habe viele Gespräche mit Günther (Haie-Obmann Hanschitz, Anm.) geführt. Er bemüht sich darum, Spur­geon, Herbert und Snuggerud zu halten. Aber nochmals: Das steht momentan alles weit hinten an. Ich mache mir viel mehr Sorgen, wenn ich daran denke, dass Günther eine 85-jährige Mutter hat“, denkt Pallin ans große Ganze: „Wenn ich momentan ältere Menschen sehe, will ich einfach nur helfen.“

In seinem Herkunftsort, in Chisholm (Minnesota), seien auch viele Menschen besorgt, nachdem es sich um viele Einwanderer aus der Nachkriegszeit aus europäischen Ländern wie Italien handle: „Sie wissen, dass ich nur 40 Kilometer von der Grenze entfernt bin. Ich finde, die Staaten tun gut daran, möglichst viel zu schließen, um das Virus einzudämmen.“

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HCI-Coach Rob Pallin.
© gepa

Pallin wird indes weiter mit seiner Familie alleine spazieren gehen oder mit seinen Töchtern noch öfters am Bildschirm „Frozen“ (Eiskönigin) sehen. Unweit seines US-Wohnsitzes hat sich indes Las Vegas mit gesperrten Großcasinos der MGM-Kette in eine Geisterstadt verwandelt. Mit der NHL ruht in Übersee ja auch die beste Eishockey-Liga der Welt: „Auch da müssen die Clubs auf die Entscheidungen der Regierungen warten. Es gibt Überlegungen, wie sie mit gestrafftem Programm, verkürzten Serien (z. B. best of five statt best of seven; Anm.) zumindest in der ersten Play-off-Runde und zunächst wohl ohne Zuschauer doch irgendwie noch weiterspielen können“, notiert Pallin. „Aber ich bin über viel größere Dinge besorgt.“

Möge die nächste Puckjagd kommen – im Moment dreht sich die Welt sicher nicht um die Eishockeyscheibe.


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