Italien prüft Verlängerung der Ausgangssperre

  • Artikel
  • Diskussion

Die italienische Regierung prüft die Möglichkeit, die bis zum 3. April verhängte Ausgangssperre zu verlängern. „Wir werden aufgrund der Zahl der Neu-Infektionen in den nächsten Tagen Beschlüsse ergreifen. Ich schließe eine Verlängerung der Maßnahmen nicht aus“, sagte Verkehrs- und Infrastrukturministerin, Paola De Micheli, im Interview mit dem TV-Sender RAI 3.

De Micheli versicherte, dass es keine Engpässe bei den Warenlieferung gebe. Dies sei der „außerordentlichen Arbeit“ der Mitarbeiter im Transport- und Logistikbereich zu verdanken. „Wir haben die EU-Länder überzeugt, freien Zugang zu unseren Waren zu geben. Sie vertrauen der Gründlichkeit unserer Kontrollen“, sagte die Ministerin.

Die italienische Regierung wiederholt ihren Appell an die Italiener, zu Hause zu bleiben. Am Dienstag wurden 2.503 Todesfälle gemeldet, das sind 345 mehr als am Montag. Die Zahl der Infizierten stieg um 2.989 Personen auf 26.062.

Mittlerweile sind 2.629 Sanitäter infiziert. Das sind 8,3 Prozent aller in Italien gemeldeten Infektionsfälle, geht aus der Stiftung Gimbe hervor, die Daten des italienischen Gesundheitsinstituts ISS unter die Lupe nahm. Die Zahl der infizierten Sanitäter sei doppelt so hoch wie in China, geht aus einer Analysen der Stiftung hervor.

Die Maßnahmen zum Schutz der Sanitäter seien unzulänglich. „Wir müssen uns um diejenigen kümmern, die an der vordersten Front gegen diese Epidemie kämpfen“, so der Präsident der Stiftung Nino Cartabellotta.

Die Sterberate in Italien liege bei 7,7 Prozent und sei höher als in China. Dies sei auf das hohe Alter der italienischen Bevölkerung und auf die Tatsache zurückzuführen, dass Abstriche nur bei Menschen mit Symptomen der Coronavirus-Erkrankung durchgeführt werden. „Dies bedeutet, dass wir nur die Spitze des Eisbergs sehen“, so Cartabellotta.

Der Prozentsatz der neuen Fälle verdoppelt sich in Italien alle fünf Tage. Ein Vorteil sei, dass sich die Verbreitung der Epidemie in Mittel- und Süditalien in Grenzen halte. Dies sei auch auf das strenge Ausgangsverbot zurückzuführen, sagte Cartabellotta.

In einer Woche hat sich die Zahl der Infizierten in Italien von 10.590 auf über 26.000 gesteigert, was einem Zuwachs von 146 Prozent entspricht. „Wenn es so weitergeht, werden wir in einer Woche die Schwelle von 50.000 Infizierten übertreffen. Alle Länder müssen sich vorbereiten, auch die Industrie muss sich anpassen. Wie im Krieg muss die Industrie so rasch wie möglich das Notwendigste produzieren. Wir brauchen in den Spitälern mehr Geräte für Intensivstationen“, sagte Domenico Arcuri, der Regierungskommissar, der für die Aufrüstung des italienischen Gesundheitssystems angesichts der Epidemie zuständig ist.


Kommentieren


Schlagworte