„Mädels, ihr könnt das“: Frauen in atypischen Berufen sichtbar machen

Rollenklischees sind nach wie vor in der Gesellschaft verankert. Die Soroptimistinnen Innsbruck wollen diese durchbrechen und Frauen in atypischen Berufen sichtbar machen.

Elisabeth De Felip-Jaud (Soroptimist Innsbruck) und WK-Direktorin Evelyn Geiger-Anker gratulieren der Gas- und Sanitärtechnikerin Selina Greml zum erstmals vergebenen „Förderpreis für Meisterinnen“.
© Die Fotografen

Von Denise Daum

Innsbruck – Knapp 50 Prozent der jungen Tirolerinnen konzentrieren sich in der Lehrausbildung auf die Berufe Einzelhandelskauffrau, Bürokauffrau oder Friseurin. Auch im Jahr 2020 sind Frauen in technischen Berufen noch eine Ausnahme. Wenngleich die Tendenz langsam steigend ist, wie Wirtschaftskammerdirektorin Evelyn Geiger-Anker weiß. Und genau da soll angesetzt werden. Deshalb unterstützt die Wirtschaftskammer den vom Soroptimist Club Innsbruck ins Leben gerufene „Förderpreis für Meisterinnen“. Die rein weibliche Organisation möchte damit Frauen in untypischen Berufen sichtbar machen und gleichzeitig Mädchen für ungewöhnliche Lehren begeistern.

Der mit 1500-Euro dotierte Preis wurde heuer erstmals am Weltfrauentag übergeben. Die Gas- und Sanitärtechnik-Meisterin Selina Greml aus Thiersee ist die erste Preisträgerin, die von der Jury, bestehend aus Vertreterinnen des Soroptimist Club Innsbruck und der Wirtschaftskammer, gewählt wurde. Elisabeth De Felip-Jaud, Präsidentin des Soroptimist Club Innsbruck, erklärt, dass Selina Greml eine wichtige Vorbildfunktion habe: „Sie macht anderen Frauen Mut, Rollenbilder zu durchbrechen.“

Die Gleichstellung der Geschlechter am Arbeitsmarkt, in der Bildung sowie der Ausbildung sei gesellschaftspolitisch von größter Bedeutung: „Frauen und Männer sind in ihrer Berufswahl zwar frei, aber Rollenklischees sind in unserer Gesellschaft noch immer fest verankert“, erklärt De Felip-Jaud.

Wirtschaftskammerdirektorin Geiger-Anker betont, dass hinter all den Meisterinnen in Tirol eine andere, interessante Lebensgeschichte steckt. „Mit Selina Greml haben wir eine junge Dame gewählt. Aber es gibt genauso Mütter, die nach der Zeit der Kinderbetreuung einen Wechsel machen und einen zweiten Bildungsweg einschlagen. Auch das kann eine schöne Möglichkeit für Frauen sein.“

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Der Preis soll nun jedes Jahr, jeweils am Internationalen Frauentag, vergeben werden. Die zentrale Botschaft von Soroptimist und Wirtschaftskammer ist damit klar: „Mädels, traut euch! Ihr könnt das genauso gut wie die Burschen“, betonen Geiger-Anker und De Felip-Jaud unisono.

Mit dem heuer erstmals vergebenen Förderpreis erfüllt der Soroptimist Club einen Auftrag, der De Felip-Jaud als Präsidentin besonders am Herzen liegt: ein Signal für Frauen zu setzen und sie sichtbar zu machen. „Unsere Organisation hat einen gesellschaftspolitischen Auftrag. Wir möchten mithilfe unseres Netzwerkes Möglichkeiten schaffen, um das Leben von Frauen und Mädchen positiv zu verändern“, erklärt De Felip-Jaud, die am Institut für Germanistik der Universität Innsbruck arbeitet.

Der Serviceclub berufstätiger Frauen ist weltweit in 132 Ländern aktiv und umfasst derzeit mehr als 80.000 Mitglieder. In Österreich gibt es 58 Clubs mit knapp 1800 Mitgliedern. Der Innsbrucker Club besteht aktuell aus 21 Frauen, von der Hausfrau („auch das ist ein Beruf“, Zitat De Felip-Jaud) über die Werbegrafikerin bis zur Kunsthistorikerin.

Elisabeth De Felip-Jaud ist seit 30 Jahren Mitglied. Seit ihrem Beitritt hat sich der Club stark verändert. Stand damals noch der Charity-Gedanke im Vordergrund – sprich das Spendensammeln für eine Organisation oder eine Person –, so geht es heute mehr um Bewusstseinsbildung. „Wir erheben die Stimme und machen Probleme sichtbar.“ So unterstützen die Soroptimistinnen beispielsweise Kampagnen gegen Gewalt an Frauen. Auch in der Gesellschaft habe sich in den vergangenen 30 Jahren viel getan, die Stellung der Frau habe sich verbessert. Zudem ist die Sensibilität für Frauenanliegen gestiegen. „Aber wir können uns nicht ausruhen. Wir müssen an der Gleichstellung der Frau weiter dranbleiben“, betont De Felip-Jaud.


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